Solee


 

Schon seit Ende der 90er-jahre aktiv, hat Normen Flaskamp 2006 sein Alias Solee aus der Taufe gehoben, gleichzeitig auch sein Label Parquet Recordings. Zahlreiche EPs, Clubhits und Remixe folgten im Laufe der Jahre, ebenso wie drei Alben. Im Frühjahr erschien mit „Pink Panther“ wieder ein Track, der in der heavy Rotation landete. Wie der Track entstanden ist, erzählt uns der Stuttgarter hier:

 

Zuerst will natürlich jeder wissen: Woher stammt die sphärische Flöte, die gleich zu Beginn im Track auftaucht?

Das ist ein Lotus-Flöten-Sound der aus dem Omnisphere von Spectrasonics stammt. Die Melodie habe ich noch ziemlich zum Schluss auf den Track gespielt, ich dachte, es fehlt noch ein Wiedererkennungswert. Ein bisschen EQ und Delay drauf und fertig.

Ein zentrales Element des Grooves sind die Percussions. Wie sind diese entstanden? Programmiert oder eingespielt?

Die Percussions sind von mir einprogrammierte Einzelsamples aus meiner Library, bis auf die Congas. Das war ein Loop den ich solange zurechtgeschnitten, umgestellt und getunt hatte, bis er perfekt passte. Bis auf seltene Ausnahmen programmiere ich einzelne Drums eigentlich immer über den Cubase-Key-Editor ein.

Das Arpeggio klingt sehr süßlich und räumlich. Welcher Synthesizer kann sich dafür verantwortlich zeichnen und wie hast du den Sound weiter bearbeitet?

Auch hier handelt es sich um einen Sound aus dem Omnisphere. Ich habe den Pluck-Sound etwas geformt (Envelopes), damit er sich gut mit einem der Synth-internen Arpeggio-Muster verträgt. Damit das Ganze etwas im Stereobild wandert, habe ich noch einen Panoramaeffekt namens PanCake2 von Cableguys verwendet, einen minimalen Choruseffekt und Hall aus der Cubase-internen Effektbibliothek.

Deine Bassline klingt sehr dark und voll. Wie ist der Bass-Pluck enstanden und wie bearbeitest du deine Basslines?

Der Bass-Pluck kommt aus dem Dune von Synapse Audio. Damit die Kickdrum trotzdem präsent bleibt, Kick und Bass klanglich sowohl auch groovetechnisch harmonieren, verwende ich neben einem EQ auch einen Sidechain-Effekt. Da benutze ich im Moment am liebsten das Kickstart-Plugin von Nicky Romero. Das empfinde ich als sehr übersichtlich und sauber. Aber vor allem bringt es mir superschnell den gewünschten Effekt. Obendrauf noch ein 1/8-Ping-Pong-Delay, damit die Bassline etwas räumlicher wirkt und nicht so trocken dasteht.

Aus welchen Quellen stammen deine Drums? Wie sieht die Effektkette auf deiner Drumspur aus?

Ich benutze meistens Samples für meine Drums. Meine Sample-Library ist über die Jahre recht groß geworden – leider auch etwas unübersichtlich –, großenteils aus gekauften Sample-Libraries verschiedener Hersteller oder selbst aufgenommenen/ geschnittenen Samples aus alten Musikstücken verschiedener Genres. Hin und wieder benutze ich aber auch gerne mal Drums aus meinem Synthesizer. Da habe ich mehr Eingriffsmöglichkeiten und wenn es mal ein bisschen komplexer in Bezug auf Modulation oder Tonhöhen werden soll, ist es mit Samples manchmal etwas schwierig.

Bezüglich Effekte halte ich es nach dem Motto: weniger ist mehr. Auf meinen Drumspuren sieht man meistens nur EQ, Hall oder Delay. Manchmal noch etwas aus der PSP-Reihe, sowas wie einen Vintage-Warmer oder Stereo-Enhancer.

Wie sieht eigentlich der Workflow in deinem Studio aus? Wie viele Leute hören deine Tracks, bevor sie im Club getestet werden?

Meistens entstehen meine Tracks, in dem ich eine Melodie oder Grundharmonie auf meinem Keyboard suche, finde und dann alles um diese herum baue. Hin und wieder fange ich auch mal mit einem Beat und einer monotonen Bassline an und baue das Ganze langsam immer weiter auf. Eigentlich mag ich beide Vorgehensweisen. In Bezug auf „vorspielen“ bin ich ein ganz schöner Eigenbrötler, meistens bekommen andere meine Tracks erst zu hören, wenn sie fertig sind. Ab und zu hole ich mir aber schon mal eine Meinung von meinen ein, zwei engsten Vertrauten ein, bevor ich einen neuen Track fertigstelle oder mich traue, ihn im Club zu spielen.

Hast du „Pink Panther“ selber gemixt und gemastert? Inwiefern gehört der Mixing- Prozess für dich zum Komponieren dazu?

Mastering ist nicht meine Stärke, aber ich mixe grundsätzlich alle Tracks selbst. Da man durch bestimmtes Mixing einen Track charakterlich prägen kann, gehört der Mixingprozess schon irgendwie ein bisschen zum Komponieren dazu. Trotzdem nehme ich die Tracks nach dem Mixing in verschiedenen STEMS auf und schicke diese zum Mastern. Somit hat der Mastering-Engineer noch etwas mehr Einfluss, falls es nötig ist und kann mit frischen und geschulten Ohren evtl. kleine Probleme im Mixdown besser beheben. Nachdem ich einen Track während der Entstehungsphase 1000 Mal gehört habe, bin ich froh, wenn jemand anderes nochmal drüberhört und die Masteringarbeit übernimmt. Für mich persönlich hat sich das auch als die beste Lösung herausgestellt über die Jahre.

Verrate uns bitte noch einen den besten Studiotrick, den du durch deine Erfahrung gelernt hast und einen Tipp, den du nie gebraucht hast.

Bester Studiotrick: Benutze einen Kopfhörer, um Schwächen/Fehler im Mix zu finden. Ein Tipp, den ich bisher nie gebraucht habe: Kaufe dir analoges Outboard-Equipment, um deinen Sound zu verbessern.

 

Mitte Oktober veröffentlichte Solee die neue EP „Saga/Watoto“ auf Parquet.

Aus dem FAZEmag 081/11.2018
www.parquet-recordings.com