Trip ohne Drogen? Wie lässt sich das Bewusstsein verändern?

Das menschliche Bewusstsein gezielt zu verändern, ohne psychoaktive Substanzen einzunehmen, beschäftigt Forschende seit Jahren. Im Fokus stehen dabei Methoden wie Breathwork, Hypnose oder Meditation. Sie könnten langfristig sogar therapeutisches Potenzial besitzen, etwa bei Depressionen oder Angststörungen.

Der Wunsch nach veränderten Bewusstseinszuständen ist keineswegs neu. Schon seit Jahrtausenden nutzen Menschen Atemtechniken, Meditation, Hypnose oder Rituale, um ihr Erleben zu beeinflussen. Solche Praktiken finden sich unter anderem im Schamanismus, in hinduistischen Gesängen oder Trancetänzen.

Heute erleben insbesondere Breathwork, Yoga und Hypnose einen neuen Aufschwung. Ziel ist es, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und das eigene Bewusstsein gezielt zu verändern – ganz ohne den Einsatz psychoaktiver Substanzen.

Über das Thema sprach Anna Lorenzen, Redakteurin bei Spektrum der Wissenschaft, mit detektor.fm. Dabei erklärte sie, wie sich Wahrnehmung von Zeit und Raum verändern kann und warum Menschen während solcher Erfahrungen von „Auszeit vom Ich“, Euphorie oder Ekstase berichten.

Besonders intensiv untersucht wird derzeit sogenanntes Breathwork. Seinen Ursprung hat diese Atemtechnik unter anderem im Yoga, Buddhismus und Schamanismus. Eine spezielle Form ist das holotrope Atmen.

„Es gibt eine Unterform, holotropes Atmen. Dabei kommt es darauf an, sehr tief und beschleunigt zu atmen – bis zu drei Stunden lang. Man hyperventiliert sozusagen über einen sehr langen Zeitraum“, so Lorenzen.

Durch das schnelle und tiefe Atmen sinkt der Kohlendioxidgehalt im Blut. Dadurch verändern sich Blutfluss und Sauerstoffversorgung des Gehirns. Die Blutgefäße ziehen sich zusammen, wodurch ein provozierter Sauerstoffmangel entstehen kann, der euphorische Zustände auslösen soll.

Teilnehmende berichten dabei von veränderten Bewusstseinszuständen, Ego-Auflösung, intensiven Emotionen oder einem Gefühl tiefer Verbundenheit. Hirnscans zeigen laut Forschenden Veränderungen in Regionen, die für Körperwahrnehmung, Emotionen und Gedächtnis zuständig sind.

Laut Lorenzen gibt es zwar noch wenige Studien, eine Untersuchung aus dem Jahr 2025 habe jedoch gezeigt, dass die Erfahrungen umso intensiver ausfielen, je geringer der Kohlendioxidgehalt war. Der Effekt ähnele dem von Psilocybin.

„Menschen können also einen Trip erleben, indem sie willentlich halluzinieren“, so Lorenzen. Für gesunde Menschen sei ein solcher Zustand bei angemessener Dauer grundsätzlich nicht gefährlich. Dennoch können Nebenwirkungen wie Sehschwäche, Schwindel oder Muskelkrämpfe auftreten.

Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Epilepsie oder anderen Vorerkrankungen sollten entsprechende Techniken meiden oder nur unter ärztlicher Rücksprache und Anleitung anwenden.

Auch Hypnose spielt in der Forschung eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zu vielen Atemtechniken gilt sie bereits als besser untersucht. Studien zeigen, dass sich dabei Wahrnehmung und Verhalten tatsächlich beeinflussen lassen.

„Hypnose geht mit einer messbar veränderten Gehirnaktivität einher“, meint die Redakteurin. Demnach können Menschen im hypnotischen Zustand durch Suggestion beispielsweise bei Prüfungsangst unterstützt werden. Auch bei akuten Schmerzen oder Angststörungen wird therapeutisches Potenzial gesehen.

Dennoch steht die Forschung insgesamt noch am Anfang. Viele Studien arbeiten mit kleinen Stichproben und liefern uneinheitliche Ergebnisse. Zudem gelten Bewusstseinszustände als schwer messbar, da sie sehr individuell erlebt werden.

Hinzu kommt laut Lorenzen, dass entsprechende Forschungsprojekte bislang nur begrenzt gefördert werden. Häufig würden sie privat finanziert, da Methoden wie Breathwork oder Hypnose noch immer mit Vorurteilen und Esoterik in Verbindung gebracht werden. Entsprechend vorsichtig bewerten Wissenschaftler die bisherigen Erkenntnisse.

Quelle: Spektrum

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