Trotz Zwischenfall: Berlin feiert erfolgreiche erste Disco nur für Obdachlose

Symbolbild

In der Berliner Bahnhofsmission am Zoo wurde erstmals eine Disco ausschließlich für obdachlose Menschen veranstaltet.

Vier Stunden lang gab es dort Pop, Schlager sowie Hits aus den 80er-, 90er- und 2000er-Jahren. Dazu wurden Chips, Flips und alkoholfreie Cocktails serviert. Die Einrichtung ist normalerweise Anlaufstelle für Menschen, die Hunger haben, Kleidung benötigen oder Unterstützung suchen.

Zwischen 600 und 800 Gäste kommen täglich in die Bahnhofsmission. Für einen Abend stand dort stattdessen das Tanzen im Mittelpunkt. Wie die BZ berichtet, übernahm ein ehrenamtliche Mitarbeiter namens Pierre für die Veranstaltung die Aufgabe des Türstehers.

Grundsätzlich war jeder willkommen, solange die Hausregeln eingehalten wurden. Einzige Ausnahme waren zehn Menschen mit bestehendem Hausverbot. Kurz vor Beginn kam es zu einem Zwischenfall: Ein Mann griff zwei Mitarbeiter mit den Fäusten an.

Die Polizei wurde gerufen und erteilte ihm einen Platzverweis. Weitere Vorfälle gab es den Angaben zufolge nicht. Alkohol war während der gesamten Veranstaltung verboten. Die Idee für die Disco entstand laut Barbara Breuer, Pressesprecherin der Bahnhofsmission, aus Beobachtungen im Alltag.

„Wir merken immer wieder: Sobald draußen mal Musik läuft, sind alle sofort am mitwippen.“ Normalerweise sei die Bahnhofsmission diejenigen, die geben. Dieses Mal habe man mit den Gästen „auf Augenhöhe tanzen“ wollen.

Einer der Gäste war Kai. Der 47-Jährige sitzt im Rollstuhl und wartete während des Abends auf sein Wunschlied. Obwohl es nicht mehr gespielt wurde, tanzte er weiter. Auf der Straße werde er nach eigener Aussage immer wieder von fremden Menschen beschimpft.

Für den Abend in der Bahnhofsmission beschrieb Kai eine andere Erfahrung. Er wünsche sich grundsätzlich, dass obdachlose Menschen mehr akzeptiert und respektiert werden. Während er auf der Tanzfläche Pirouetten drehte, blieb er von Beleidigungen verschont.

Ob es eine weitere Ausgabe der Disco geben wird, soll von der Resonanz der Gäste abhängen. Breuer erklärte dazu: „Wenn es ihnen gefallen hat, machen wir das gerne wieder.“

Quelle: BZ

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