„Stärkste Droge“: Dr. Motte glaubt an Techno ohne Alkohol

Loveparade-Gründer Dr. Motte hat sich deutlich gegen Alkoholkonsum in der Technoszene ausgesprochen.

In einem Spiegel-Interview bezeichnete der DJ und Produzent Alkohol als die eigentliche Problemdroge und sprach sich dafür aus, Technoclubs als Schutzräume zu verstehen, in denen betrunkene Menschen keinen Platz haben sollten.

Während Techno häufig mit Substanzen wie MDMA oder Amphetaminen in Verbindung gebracht werde, sieht Matthias Roeingh, wie Dr. Motte mit bürgerlichem Namen heißt, das größere Risiko an anderer Stelle. „Alkohol ist eine der stärksten Drogen auf diesem Planeten“, sagte er.

Nach seiner Ansicht stehe Alkoholkonsum im Widerspruch zu den Werten der Technokultur. Alkohol mache „Menschen unkontrolliert, unbeherrscht und zerstört die Gesellschaft. Technokultur ist nicht Alkohol.“

Erst vor wenigen Wochen machte Sebastian Ingrosso von der Swedish House Mafia seine bewältigte Alkoholsucht öffentlich. Am anfälligsten sei er nach Auftritten gewesen. „Es war die Stille nach der Musik und der Party, die ich füllen musste“, so der Schwede.

Clubs müssten Schutzräume sein, in die betrunkene Menschen nicht hineinpassten, so Dr. Motte. Ein generelles Alkoholverbot auf Technoveranstaltungen halte er allerdings für unrealistisch. „Leider unmöglich, deshalb setze ich auf Aufklärung.“

Warnhinweise seien zwar sinnvoll, doch „das bringt ja schon bei Zigaretten nichts“. Als besonderes Problem sieht er die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol. „Mit dem Alkohol ist es noch schwerer, weil er gesellschaftlich so tief etabliert ist. Er ist überall, man findet quasi an jeder Straßenecke Drogenhändler.“

Laut Spiegel kritisieren auch Forschende die leichte Verfügbarkeit und die vergleichsweise niedrigen Preise von Alkohol in Deutschland. Das Jahrbuch Sucht der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen führt jährlich rund 44.000 Todesfälle und sieben Millionen Krankenhausbehandlungen auf Alkoholkonsum zurück.

Die direkten und indirekten volkswirtschaftlichen Kosten werden auf etwa 57 Milliarden Euro geschätzt. Zu anderen Drogen äußerte sich Dr. Motte in dem Interview nur kurz. Er bezeichnete es als „Vorurteile“, dass Techno mit „extremem Kontrollverlust, Kommerz, Hörsturz und Drogen“ verbunden werde.

Gleichzeitig verweist der Spiegel auf Studien und Befragungen, nach denen Besucher von Technoveranstaltungen häufiger MDMA, Amphetamin, Kokain und Ketamin konsumieren als die Allgemeinbevölkerung. Das gelte jedoch ebenso für Alkohol und Nikotin.

In einem älteren Interview mit dem Spiegel Anfang des Jahres sprach bereits CSD-DJ Caroline Harant aka gem.ini offen über Alkohol und Drogen, die für sie lange Teil des Szenealltags waren (FAZEmag berichtete).

„Ich würde nicht sagen, dass in der Techno-Szene alle konsumieren. Aber es stimmt, dass viele es tun und man sich daran gewöhnt. Irgendwann merkt man nicht mehr, dass das eigentlich nicht normal ist.“

Quelle: Spiegel

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