
Seit einigen Tagen steht nun der Mixer UNION AUDIO AREA.6 in meinem Studio und was soll ich sagen? Er fühlt sich einfach gut an. Entwickelt wurde er von niemand geringerem als Andy Rigby Jones, einem absoluten Innovator aus der DJ-Technik-Welt. Feeling? OK, besser gesagt: Er fühlt sich Hammer an! Ich unterziehe ihn nun einem umfassenden Test und gehe richtig tief rein für Euch. Aber erstmal ein Überblick. Sechs Kanäle, zwölf CV-Eingänge, zwei Aux-Wege, Filter, Drive, Resonanz, 1x Kompressor mit Sidechain. Schon auf dem Papier kann man damit wohl einiges anstellen. Aber in einem modularen Setup wie bei mir ist Papier ohnehin geduldig. Also Kabel rein und los! Was mir sofort aufgefallen ist, sind definitiv nicht die CV-Inputs. Auch nicht der Kompressor. Es sind die Regler. Wer öfter mit Modular-Systemen arbeitet, kennt diese teilweise winzigen Potis, zwischen denen man mit zwei Fingern herumoperiert und dabei möglichst nicht drei Patchkabel aus Versehen mit rauszieht. Beim AREA.6 fühlt sich das irgendwie anders an. UNION AUDIO kommt nämlich aus der DJ-Mixer-Welt und genau hier ist der Unterschied. Die Potis haben einen richtig tollen Widerstand. Sie sitzen fest und fühlen sich total wertig an, während sie sich aber trotzdem superfix bewegen lassen. Vor allem Gain und Tilt-EQ laden dazu ein, wirklich damit zu arbeiten. Also nicht einfach was einstellen und danach vergessen, sondern haptisch anfassen, aufdrehen, quirlig bearbeiten, mal rausdrehen, wieder reinholen. Klingt in Worten beschrieben, als hätte ich einen DJ-Mixer vor mir und genau so fühlt es sich auch an. Nur eben fürs Modular-System. Das macht verdammt viel Spaß. Von Anfang an.
Der AREA.6 ist also ein sechskanaliger analoger Eurorack-Mixer, aber diese Beschreibung wird ihm meiner Meinung nach nicht gerecht. Natürlich kann ich hier sechs Signale zusammenführen. Das können aber auch andere Mixer-Module und dafür braucht man eigentlich keinen Mixer in dieser doch beachtlichen Größenordnung. Interessant ist für mich die Art, wie Union Audio die Kanäle aufgebaut hat. Jeder Kanal fühlt sich wie ein richtiger Mixerkanal an. Gain, Tilt-EQ, Aux-Zugriff und vor allem die Möglichkeit, verschiedene Parameter über CV ins Patch einzubeziehen. Irgendwie fühlt er dadurch eher wie ein Instrument an, weniger wie ein Tool. Ein absolutes Highlight ist für mich der Tilt-EQ. Ich liebe eigentlich klassische EQs, gerade weil ich als DJ natürlich schon fast 30 Jahre damit geübt bin. Aber gerade im Mixen von modularen Signalen ist es in der Performance viel leichter und auch irgendwie fluffiger, mit einem Tilt-EQ zu arbeiten, wo man eben nur mit einer einzigen Handbewegung den Unterschied macht. Signal dunkler und schwerer oder halt mit mehr Präsenz und Luft in einem Regler ist schon amtlicher Luxus, den uns der AREA.6 hier bietet.
Nun kommt das Filter. Und spätestens hier merkt man sofort, dass Union Audio dieses High-End-Produkt nicht als langweilige Summierstation gedacht hat. Das Filter bringt nämlich Resonanz mit und lässt sich zusätzlich auch noch mit einem Drive bearbeiten. Und Drive… ja Drive, … das ist hier das absolut entscheidende Wort. Ich mag Modular-Systeme genau dann am meisten, wenn etwas nicht hundertprozentig sauber bleibt. Ein Sound darf drücken, knarzen, überfahren und auch mal ein bisschen auseinanderfallen. Wenn man den Sweetspot sucht, findet man ihn genau für diese Zwecke hier. Gerade bei rhythmischem Material – ich habe hier mal einen Drumloop aus der Roland TR-1000 genommen – macht das unheimlich viel Spaß. Filter bewegen und Resonanz dazu, Drive vergrößern und plötzlich verändert sich nicht nur die Frequenzverteilung. Der gesamte Charakter bekommt eine neue Färbung. Das fühlt sich schon wieder nach DJ-Mixer an. Der Filter ist kein Werkzeug, das ich einmal einstelle und dann für mehrere Minuten in Ruhe lasse. Wenn der Poti entsprechend robust ist, drehe ich daran. Und zwar konsequent. Bis es nervt. Haha!

Raus und Rein. Die Aux-Wege sind der nächste Punkt, der das Konzept aufgehen lässt. Aux 1 und 2 lassen sich gezielt einsetzen, um einzelne Signale aus dem Mix in externe Effekte zu schicken und wieder zurückzuholen. Gerade im Modular-System unheimlich interessant, um mal eben ein Delay, Reverb oder anderes Effektmodul in den Mix zu holen. Funktioniert unheimlich toll. Falls man noch etwas mehr Platz gehabt hätte, hätte ich mir noch 2 getrennte Send-Regler für beide Aux-Wege gewünscht. Aber passt auch so mit der Option ½-Taste.
Zwölfmal CV
Mit 12 CV-Eingängen sprengt er hier die Grenze zwischen Mixer und Patch-Tool. Pegel- und Mixbewegungen müssen also nicht alle von mir gesteuert werden, sondern lassen sich auch über CV steuern. Vor allem LFOs, Envelopes, Sequencer-Bewegungen oder Modulationsquellen können Aufgaben übernehmen, die bei einem Mixer sonst einfach statisch bleiben würden. Und genau das macht hier den Unterschied. Mit Modulen wie Pamela’s Pro Workout habe ich hier Crossfade-Modulationen gepatcht. Ein Channel rein, einer raus. So schnell kannst du mit deinen Fingern keinen Mix machen wie mit CV. Hammer. In meinem System wird er dadurch zum absoluten Gamechanger. Eine Kombination, die mir unheimlich gut gefällt: außen DJ-Mixer, innen absolut durchdachtes Performance-Modulartool.
Und dann…
Der Kompressor. Den hätte man eigentlich auch weglassen können. So viel Gutes habe ich hier bislang schon entdeckt! Aber sie haben es nicht getan und ich bin sehr dankbar dafür. Für mich gehört der Kompressor zu den Funktionen, die aus sechs einzelnen Signalen am Ende tatsächlich einen gemeinsamen Mix machen können. Ich habe oft das Gefühl, dass jedes meiner Module ein eigenes Universum aufmacht: Klingt einzeln alles interessant, aber dadurch nicht unbedingt zusammengehörig. Ein bisschen Kompression bewirkt hier wahre Wunder. Alles ein bisschen zusammenkleben macht den Unterschied. Und wenn man dann noch Sidechain benutzen kann, schlägt jedes elektronische Musikherz höher. Kick rein, alles andere geht raus und daaaaaaaa ist sie: die Bewegung im gesamten Patch. Kann man subtil einsetzen, muss es aber nicht. Ich hatte in einem meiner letzten Tests schon mal über das Bohmforce-Modul geschrieben und auch dort ist der Sidechain ein unheimlich toller FX, den ich bislang im modularen Universum so noch nicht oft erlebt habe. Wenn auf einmal alles um die Kick herum atmet, entsteht schnell was, was nach fertigem Track klingt. Du musst einfach nur noch die Gesamtsumme recorden, ein bisschen schnibbeln, mastern und dein neues Release ist fertig. Es gibt noch viele weitere Features wie z. B. einen Kopfhörerausgang oder einen Master-Insert, aber darauf muss ich hier nicht weiter eingehen. Es ist ein Mixer für Leute, die mixen wollen.

Fazit
Nach einer langen, mehrstündigen, aber sehr tollen Session mit dem AREA.6 ist mir eine Sache klar geworden. Ich möchte damit gerne langfristig arbeiten und hoffe sehr, irgendwann einen eigenen zu besitzen. Es klingt vielleicht merkwürdig, ist aber ein riesiges Kompliment: Ich hab so viele Module, die technisch wahnsinnig komplex sind und unheimlich viel können. Meistens ist es aber so, dass ich sie irgendwann wieder vergesse, mir was Neues kaufe und sie dann irgendwann nur noch Staubfänger sind. Beim AREA.6 habe ich das Gefühl, dass es anders ist. Dass er wirklich wie so eine Zentrale eine sehr wichtige Stelle in meinem Studio einnehmen könnte. So eine Stelle, die sich jedes andere Modul bis jetzt nicht erarbeiten konnte. Ich muss ihn ständig anfassen. Immer und immer wieder. Er ist einfach toll. Vielleicht liegt es daran, dass Union Audio seine DNA nicht verstecken kann. Die Firma denkt offensichtlich in Mixern und nicht nur in Eurorack-Modulen. Das merkt man an der Haptik, an der Übersicht und vor allem daran, wie schnell ich auf das zugreifen kann, was ich gerade brauche. Ich muss nicht durch irgendwelche Menüs springen. Ich sehe Regler, ich drehe daran. Herrlich. Er will nach vorne und ich hoffe sehr, er darf nach diesem Test noch eine Weile bei mir bleiben.