Verbindungen ins rechte Milieu: Berliner Clubcommission schmeißt Venue raus

Die Musikbrauerei ist raus – Berliner Clubcommission hat sich entschieden

Der Auschluss der Musikbrauerei markiert den ersten Rauswurf einer Venue seit Gründung der Berliner Clubcommission. Grund dafür ist der Vorwurf, dass Gründer Jens Reule Dantas seine Räumlichkeiten rechtsextremen Projekten, Gruppen und Musiker zur Verfügung gestellt habe. Über die Entscheidung berichtete zunächst die Berliner Zeitung, die auch mit Dantas gesprochen hat.

Die Musikbrauerei ist seit 1997 Teil der Berliner Clublandschaft und war 19 Jahre lang Mitglied der Berliner Clubcommission. Über die Jahre war die alte Brauerei nicht nur ein Ort für elektronische Musik, sondern auch Schauplatz für Live-Konzerte, Ausstellungen und zahlreiche weitere Projekte. Seit einigen Jahren jedoch steht die Venue in der Kritik.

Der Ort wurde immer wieder für Veranstaltungen genutzt, die als rechtsextrem gelten beziehungsweise dem neurechten Spektrum zugeordnet werden. In einem Schreiben an den Anwalt des Gründers nennt die Clubcommission laut Berliner Zeitung insbesondere drei Veranstaltungen, darunter die „Erste Alternative Medienmesse“. Diese wurde unter anderem von Akteuren wie dem Demokratischen Widerstand, Compact und der Partei dieBasis veranstaltet. Der Demokratische Widerstand wird vom Verfassungsschutz als zentraler Akteur im Bereich der „verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung des Staates“ bezeichnet.

Auch ein Treffen zur generellen Vernetzung neurechter Medien sei in dem Schreiben als Beispiel genannt worden. Unter den Teilnehmern war demnach auch Kayvan Soufi-Siavash, bekannt als Ken Jebsen. Ken Jebsen wird von Verfassungsschutzbehörden und Medienexperten dem rechtsoffenen bis rechtsextremen beziehungsweise verschwörungsideologischen Spektrum zugeordnet. Seine Inhalte beinhalten häufig antisemitische beziehungsweise delegitimierende Narrative.

Auch das Konzert der Band Drudensang war ein Kernpunkt des Schreibens. Die Clubcommission verweist auf Verbindungen der Band zur rechtsextremen Musikszene, unter anderem durch das Eternal Hate Fest und ein früheres Label. Auch eine Ausstellung wurde erwähnt. Bei „Dystopie meets Utopie“ ging es  um Meinungsfreiheit, Krieg und Corona-Maßnahmen. Jedoch führte die Berichterstattung des rechten Mediums Compact TV zur weiteren Erwähnung eines möglichen Regelverstoßes.

Für Dantas seien die Anschuldigungen hingegen maßlos übertrieben. Er verstehe die Musikbrauerei als neutralen Ort des demokratischen Austauschs und lehnt eine politische Einteilung seiner Räumlichkeiten in „links“ und „rechts“ ab. Gegenüber der Berliner Zeitung betonte er außerdem, dass er bei den Veranstaltungen keine Gewaltaufrufe oder menschenverachtenden Äußerungen festgestellt habe.

Gleichzeitig räumt er allerdings ein, dass er die Veranstaltung von Drudensang inhaltlich nicht problematisch genug eingeschätzt habe. Die dort aufgestellten Tierskelette bezeichnete er als geschmacklos. Auch habe er Compact TV nach eigener Aussage später ein Filmverbot erteilt, weil er die Berichterstattung über eine Veranstaltung als provokant und überspitzt empfunden habe.

Nun kündigte Dantas rechtliche Schritte an. Ein solcher Ausschluss könnte den Ort als nicht besuchbar abstempeln. Dies würde nicht nur zu zahlreichen finanziellen Folgen führen, sondern könnte auch das generelle bestehen des Ortes gefährden.

Die Clubcommission äußerte sich gegenüber der Berliner Zeitung nicht zu dem Vorfall.

Quelle: Berliner Zeitung

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