
Die Berliner Musikbrauerei steht wegen mehrerer politischer Veranstaltungen erneut in der Kritik. Wie die Berliner Morgenpost berichtet, fanden in der Event-Location in Prenzlauer Berg zuletzt mehrfach Auftritte und Medienproduktionen statt, die Akteuren aus verschwörungsideologischen und rechtsextremen Milieus zugerechnet werden. Besonders brisant: Die Musikbrauerei ist Mitglied der Berliner Clubcommission, die sich in ihrem Leitbild klar gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Hass positioniert.
Zu den Vorfällen zählt unter anderem, dass das rechtsextreme Magazin Compact vor Ort filmen durfte. Auch das als Verdachtsfall eingestufte Medium Auf1 führte Interviews in den Räumen. Bereits 2023 berichtete Compact über eine Filmvorführung im Keller der Location. Zudem trat Verschwörungsideologe Ken Jebsen – laut Morgenpost – im Mai 2025 auf und soll dort am 16. Dezember erneut eine Eröffnungsrede halten. Die Musikbrauerei war zuvor bereits Schauplatz einer Veranstaltung der Partei „Die Basis“ sowie des Mediums „Demokratischer Widerstand“, das im Berliner Verfassungsschutzbericht 2024 als Akteur der „Delegitimierung des Staates“ geführt wird.
Inhaber Jens Reule-Dantas verteidigte die Entscheidungen gegenüber der Morgenpost mit dem Hinweis, die Musikbrauerei verstehe sich als „Ort des demokratischen Austausches“. Politische Buchungen machten nur rund fünf Prozent aller Veranstaltungen aus.
Innerhalb der Clubcommission sorgt dies dennoch für deutliche Irritationen. Ein Clubbetreiber sagte der Morgenpost anonym, er finde es „unmöglich“, dass der Verband Beiträge eines solchen Mitglieds annehme. Ein Ausschlussverfahren sei juristisch jedoch kompliziert, erklärt Clubcommission-Vorsitzender Marcel Weber: Ein Ausschluss könne nur nach einem Vorstandsbeschluss erfolgen und müsse rechtlich abgesichert sein, da der Betreiber gegen eine Entscheidung vorgehen könnte. Der Verband befinde sich laut Weber aktuell in juristischer Beratung.
Zudem spielt die Sorge vor gezielten Kampagnen rechter Medien eine Rolle. Weber betont gegenüber der Morgenpost, dass der Verband als öffentliche Organisation verwundbar sei: „Wir wissen jetzt schon, dass es richtig schlimm sein wird.“
Die Diskussion um die Musikbrauerei war laut Weber eines der zentralen Motive dafür, dass die Clubcommission im vergangenen Jahr erstmals ein offizielles Leitbild verabschiedete. Reule-Dantas habe an der entsprechenden Mitgliederversammlung nicht teilgenommen und im Nachgang keinen Widerspruch geäußert.
Foto: -Valendrizzle- via Google
Quelle: Berliner Morgenpost
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