Wegweisende Releases auf Underground Resistance und Tresor: Scan7 im Interview

Scan 7 zählt zu den Projekten, die den Detroit-Techno der 90er aus dem Underground heraus entscheidend mitgeprägt haben. Entstanden Ende der 80er, erschien der erste Track „Voices Beyond“ auf der Submerge-Compilation „Escape Into The Void“, bevor mehrere Veröffentlichungen auf Underground Resistance folgten. Über Blake Baxter kam TrackMasta Lou später mit Dimitri Hegemann und dem Tresor in Berlin in Kontakt – eine Verbindung, aus der prägende Releases wie „The Dark Territory“ und „Resurfaced“ hervorgingen. Düster, direkt und tief in der Detroiter Maschinenästhetik verwurzelt, tragen Scan 7 rund um Mitgründer ‚TrackMasta‘ Lou Robinson bis heute jene Handschrift, die das Kollektiv unverkennbar macht. Wir haben mit ihm gesprochen.

Lou, wie hat alles angefangen? Erzähl uns ein bisschen etwas über dich, deinen Hintergrund und wie du zur Musik und zu Underground Resistance gekommen bist. und wie sich dein erster Gig angefühlt hat?

Ich wurde in Detroit geboren und bin dort aufgewachsen. Meine Reise begann Ende der 80er. Ich habe in Detroit schon immer viel Musik gehört. Wir waren damals wirklich verwöhnt und hatten das große Glück, einen lokalen Radio-DJ namens The Electrifying Mojo zu haben. Er hatte eine Late-Night-Show und durfte spielen, was immer er wollte. So wurde ich mit Kraftwerk und vielen anderen europäischen Künstlern vertraut.

Erinnerst du dich noch an deinen ersten Gig?

Mein erster Gig fand im Ausland statt. Es hat mich überrascht zu sehen, wie viele Menschen etwas hörten und dazu tanzten, das ich geschaffen hatte. Da dachte ich: Daran könnte ich mich definitiv gewöhnen.

Wie entstand das mysteriöse Underground-Kollektiv Scan 7? Woher kommt der Name, und wie wurden die Mitglieder ausgewählt?

Richtig lebendig wurde Scan 7 im Jahr 2000, als Carl Craig uns fragte, ob wir die Underground Stage beim ersten D.E.M.F., dem Detroit Electronic Music Festival, gestalten wollen. Das war eine große Ehre und ein Privileg.

Die Mitglieder wurden nach ihrem Talent ausgewählt – und danach, ob sie bereit waren, Teil von etwas zu sein, das größer ist als sie selbst. Denn am Ende des Tages geht es um die Musik und darum, die Menschen zum Tanzen zu bringen.

Manche wissen vielleicht nicht, was Scan 7 bedeutet: „Scan“ heißt, etwas genau zu betrachten und zu überprüfen – also: scan yourself. Das Wort Detroit hat sieben Buchstaben. 313 ist die Vorwahl von Detroit, und 3+1+3 ergibt 7. Der siebte Buchstabe im amerikanischen Alphabet ist G, und G steht für Gott – den Schöpfer.

Scan 7 steht für viele großartige Releases, die Detroit im Kern tragen – etwa ‚Dark Territory‘, ‚The Black Moon Rising‘ oder ‚Orchestrated Reality‘ von 2022. Außerdem ist das Kollektiv seit Langem mit Tresor und der UR-Familie verbunden.

Arbeitet ihr aktuell an ähnlichem Material? Können wir bald mit einem neuen Scan-7-Release rechnen?

Auf zwei so historischen Labels auf beiden Seiten des Atlantiks zu veröffentlichen – zu sagen, das sei eine Ehre, wäre noch untertrieben. Und ja, wir arbeiten an neuen Releases, die noch vor Jahresende und dann weiter im neuen Jahr erscheinen sollen. Haltet also definitiv die Augen offen.

Was ist die wichtigste Quelle deiner Kreativität? Viele Künstler sagen ja, dass die Motor City selbst ein wichtiger Teil ihrer künstlerischen Identität ist und dass das Leben in Detroit ihnen geholfen hat, ihren eigenen Stil zu entwickeln. Stimmt das?

Die wichtigste Quelle meiner Kreativität ist es, meine Umgebung zu beobachten – in Detroit und außerhalb der Stadt.

Welches Ziel möchtest du als Künstler im Leben noch erreichen? Gibt es einen lang gehegten Traum, der sich musikalisch noch nicht erfüllt hat?

Mit der Botschaft durch Musik so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Und ich wünschte, Musik könnte für diejenigen kostenlos sein, die sie sich nicht leisten können.

Welche kleine Sache in deinem Leben bringt dich immer zum Lächeln?

Anderen zu helfen, so gut ich kann. Ich wurde gesegnet, also ist es schön, auch für andere ein Segen zu sein.

Was war der größte Moment deiner Karriere – und warum?

Als meine Mutter mich beim ersten Detroit Electronic Music Festival im Jahr 2000 spielen sah. Ich musste meiner Mutter zeigen, worum es bei all dem Lärm, wie sie es nannte, eigentlich ging. Nichts auf der Welt kann den Moment übertreffen, als ich sie ganz vorne stehen sah.

Wenn du auf dein Leben zurückblickst: Was ist das Wertvollste, das du getan hast und das dich mit echtem Stolz erfüllt?

Musik zu machen, die Menschen aus allen Lebensbereichen zusammenbringt.

Zum Schluss: Was bedeutet Techno für dich?

Techno bedeutet für mich bedingungsloser Fortschritt mit endlosen Möglichkeiten.