Berlin Prenzlauer Berg: Der Nordosten der Modehauptstadt hat einen Concept Store mehr. Recht über- sichtlich gehalten und in der Greifenhagener Straße gelegen, öffnen sich hier die Türen zu Bonnie Stranges schillernder Welt: Welcome to „The Shit Shop“.

Laura Cherrygroove (Tätowiererin), Bonnie Strange (Designerin) und Lena Nussbaum (Drahtzieherin) in ihrem „The Shit Shop“


Fotografin, Model, Mode-Ikone und Bloggerin: Bonnie Strange hat bereits viele ihrer Talente ausgeschöpft, und doch sollte sich ihr kreatives Dasein um eine Tätigkeit erweitern. Während erlernte Designer ganze Monate an ihren Entwürfen herumfeilen, hat die 26-Jährige innerhalb von drei Wochen ein eigenes Label gegründet und erhielt für ihre erste Kollektion tosenden Beifall.
Dass ihr Kindheitstraum vom Designen so schnell in Erfüllung gehen würde, hätte die Vintage-Liebhaberin selbst nicht gedacht – denn eigentlich wollte sie nur einer Freundin Hilfestellung leisten. Laura Cherrygroove, die immer gerne zu Hause tätowierte, spielte mit dem Gedanken, sich endlich selbstständig zu machen. Da die Berliner Mietpreise aber gerne Träume von Existenzgründungen platzen lassen, bot Bonnie ihr an, mit einzusteigen und Kleidung aus ihrem riesigen Fundus zu verkaufen.
Von Kreativität nahezu übersprudelnd blieb es natürlich nicht bei dieser Grundidee: Nach wenigen Tagen stand das Konzept für ihr Label „The Shit“, und Bonnie besorgte Praktikanten zur tatkräf- tigen Unterstützung. Sie reiste nach Paris, kaufte Massen an 80er- Vintage-Klamotten und pimpte diese in ihrem Team mit Nieten, Batik-Techniken und anderem modischen Firlefanz. Als sich dann auch noch ein großzügiger Sponsor beteiligte, war klar: Modernisierte Vintage-Bekleidung würde längst nicht alles sein, was der Shop neben Lauras Tattookünsten zu bieten hat.
The Shit Shop
Innerhalb kürzester Zeit hat Strange eine eigene Kollektion entwor- fen, die zu allem Überraschen weniger nach den 80ern, als viel eher nach den 90ern aussieht. Wo andere der Rave-Mode den Rücken kehren, fängt bei „The Shit“ die Party erst richtig an. Hier werden Kunstfelle, Metallic-Materialien, jede Menge Tüll und Schmuck- steine mit einem Topf voller Neonfarben kombiniert. Basics wie Sweatshirts, Shorts, Radleranzüge und – natürlich bauchfreie – Tops runden das Ganze ab. Eine Kollektion, die mitreißt – denn sie ist abwechslungsreich, farbenfroh und mutig andersartig.
Eben alles, wofür man Bonnie Strange kennt. So ließen es sich hun- derte Modebegeisterte nicht nehmen, am Samstagabend der Berli- ner Fashion Week zum „The Shit Shop Rave“ zu kommen. In einer großen Location mit Lagerhallen-Optik wurde die Kollektion hier erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert. Nach einer dynamischen Runway-Show mit Trash-Sounds aus den 90ern tobten die Mode- menschen, Blogger und Fotografen wie wild. Und mal ganz unter uns: Wir fanden die Klamotten auch geil.
Ein Glück also, dass die Kollektion schon diese Herbst/Winter-Sai- son auf den Markt kommt. Einfach im Shop vorbeischauen oder online bestellen. Stellt sich also nur die Frage, ob IHR bereit für den Scheiß seid?!

Bildschirmfoto 2013-04-27 um 17.33.31THE SHIT SHOP
Greifenhagener Straße 64
10437 Berlin

www.theshitonline.com

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Text/Konzept/Fotografie: Bela Tess Wind 

FAZEmag 006/08.2012