
Was im November 2024 mit einer Veranstaltung im Volkshaus Strausberg begann, ist heute weit mehr als eine Eventreihe: Weltenphase hat sich innerhalb eines Jahres zu einem Projekt mit Haltung, Tiefgang und wachsender Community entwickelt. Zwischen 24-Stunden-Raves, Bootspartys und Kollaborationen wie mit Synketik im Orwohaus hat sich ein klarer Kurs abgezeichnet – einer, der bewusst auf Inklusion, Gemeinschaft und ehrliche Clubkultur setzt. Für 2026 stehen große Pläne an. Das Kollektiv will nicht nur ein Geburtstags-Event im Februar feiern, sondern auch mit einem eigenen Float bei Rave The Planet ein sichtbares Zeichen setzen. Im Gespräch blicken die Macher zurück – und gleichzeitig entschlossen nach vorn.
„2025 hat uns als Kollektiv tief geprägt“, heißt es von Seiten des Teams. „Der Moment, der sich unauslöschlich eingebrannt hat, war der 10. Mai in der Malzfabrik – unser erster 24-Stunden-Rave, auf einer riesigen Fläche, mit vier Floors, getragen von einer Community, die genau diese Vision verstanden und gelebt hat.“ Das Event sei mehr gewesen als nur Musik und Licht, sagen sie. „Dieser Tag war ein Gefühl von Freiheit, Zusammenhalt und Vertrauen. Menschen unterschiedlichster Hintergründe, Identitäten und Lebensrealitäten haben gemeinsam getanzt – ohne Grenzen, ohne Bewertungen.“ Genau dort sei spürbar geworden, was Weltenphase wirklich bedeute: ein Raum, in dem jeder so sein darf, wie er oder sie ist. Mit dem Einjährigen steht im Februar nun ein symbolträchtiger Moment bevor. „Für unser einjähriges Jubiläum planen wir eine ganz besondere Veranstaltung, die die Reise der letzten zwölf Monate feiert und gleichzeitig einen Ausblick auf das Kommende gibt“, kündigt das Team an. Neben einem musikalisch starken Line-up soll es künstlerische Installationen und Überraschungen geben. „Wir möchten unsere Community begeistern – und uns gleichzeitig bei ihr bedanken.“
Dass Weltenphase so schnell gewachsen ist, führen die Veranstalter auf eine klare Haltung zurück. „Wir stehen bewusst gegen Ellenbogenmentalität. Weltenphase ist kein Projekt, das auf Konkurrenzdenken basiert, sondern auf Zusammenarbeit, Respekt und gegenseitiger Unterstützung.“ Statt sich abzugrenzen, wolle man Räume teilen, Wissen weitergeben, auf Augenhöhe kommunizieren – mit Artists, Crews und Gästen gleichermaßen. „Wir veranstalten keine Partys, wir schaffen Erfahrungsräume“, sagen sie. „Inklusive, geschützte Räume, in denen man sich sicher fühlt und loslassen kann.“

Auch im neuen Jahr soll diese Linie konsequent weiterverfolgt werden. Besonders im Fokus steht dabei die angestrebte Teilnahme an Rave The Planet mit einem eigenen Weltenphase-Float. „Das ist für uns mehr als ein Projekt – es ist ein Kindheitstraum“, so das Kollektiv. „Für uns geht es dabei nicht um Sichtbarkeit oder Reichweite, sondern um Werte wie Gemeinschaft, Frieden, Inklusion und Respekt.“ Gleichzeitig sei man sich der Verantwortung bewusst: „Größere Locations, neue Konzepte, ein Float – das alles kostet Geld, Zeit und Energie. Deshalb gehen wir diesen Weg Schritt für Schritt, ehrlich und realistisch.“ Es solle wachsen, aber nur auf eine Weise, „die uns selbst treu bleibt“. Neben dem Float ist auch eine neue Bootsparty geplant – bewusst als Gegenpol: klein, nahbar, intensiv. Darüber hinaus wird an weiteren Formaten gearbeitet, die nicht nur neue Impulse setzen, sondern auch die Community stärker zusammenbringen sollen – emotional wie inhaltlich.
Auffällig ist, dass das Wort „Community“ bei Weltenphase nicht als Marketingbegriff verwendet wird, sondern als gelebte Realität. „Die Community ist für uns nicht etwas, das vor der Bühne steht – sie ist Teil von uns. Wir sind nicht im Backstage versteckt, sondern mittendrin: ansprechbar, präsent und aufmerksam.“ Ein zentrales Anliegen sei das Thema Awareness. „Wir wollen Räume schaffen, in denen Menschen sich sicher fühlen, gehört werden und wissen, dass jemand da ist, wenn etwas nicht stimmt.“ Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf der Barrierefreiheit – speziell für gehörlose Menschen. „Inklusion und Zugänglichkeit sind für uns keine leeren Worte, sondern Werte, die wir aktiv leben“, betont das Team. In Planung seien visuelle Signalgeber und gestalterische Maßnahmen, die Veranstaltungen auch ohne Gehör erlebbar machen. „Bei Rave The Planet wollen wir ein Zeichen setzen, das es so in der Form noch nie gegeben hat. Es geht uns darum, dass Inklusion nicht nur auf dem Papier existiert – sondern spürbar wird.“
Was sie sich für 2026 wünschen? Eine Rückbesinnung auf das Wesentliche. „Dass es wieder mehr um das gute Gefühl geht. Nicht nur für Veranstalter, nicht nur für DJs, nicht nur für Gäste – sondern für alle, die Teil dieses Moments sind.“ Dabei gehe es nicht um Perfektion, sondern um Verbindung: „Weniger Ellenbogen, mehr Miteinander. Back to the roots – zu den Anfängen der elektronischen Musik, als es nicht um Status ging, sondern um Emotionen, um Gemeinschaft und dieses besondere Gefühl, wenn Menschen im gleichen Rhythmus zusammenkommen.“ Wenn es Weltenphase gelingt, dieses Gefühl weiterzutragen, dann dürfte auch das zweite Jahr ein starkes werden.
21.02. – Berlin, ORWO Haus, 18:00 – 08 Uhr
Line-up: Haito, Denise Schneider, Dr. Motte, Thomas Schumacher, TAKTSTÖRER, Paula Hilton, SaltySis, K-M3L, Epuls, Chris Veron, Felix Reichelt, Rad Lez, Cat Vermillion, JP Dixen b2b Ironbase, Peer Anhalter
Aus dem FAZEmag 167/01.2026