Wieder Untergrund-Rave statt Clubsterben: Legendärer Club „dreht Spieß rum“

Wieder Untergrund-Rave statt Clubsterben: Legendärer Club „dreht Spieß rum“

Die Clubkultur steht an einem Wendepunkt – mit diesen drastischen Worten wendet sich nun ein Club an die gesamte elektronische Musikszene. Die steigenden Kosten, überhöhte Gagen und ein von großen Namen dominiertes Booking-System hätten die Szene aus dem Gleichgewicht gebracht.

Clubbetreiber des „Mauerpfeiffer“ in Saarbrücken veröffentlichen einen ausführlichen Aufruf an die Szene. Sie sähen sich gezwungen, neue Wege zu gehen, um das Überleben ihrer Kultur zu sichern.

Lange hätten der Club versucht, Lösungen zu finden, Kompromisse einzugehen und sich den Gegebenheiten anzupassen. Doch die Realität sei ernüchternd: Während Eintrittspreise bereits ans Maximum angepasst wurden, explodieren die Gagen vieler Künstler weiter.

„Künstler / DJs, die einst für zB. 1.000 Euro spielten, sind plötzlich erst ab 10.000 Euro oder noch mehr buchbar – eine Summe, die fernab jeder realistischen Clubgage liegt“, heißt es in dem Statement auf Facebook und Instagram.

Doch nicht nur die finanziellen Zwänge würden dem Clubs zusetzen. Auch das Verhalten der Gäste habe sich verändert. Wo früher die Musik, das Erlebnis und die Nacht selbst zählten, dominieren heute Fragen wie: „Welcher große Name spielt?“, „Wird das ein Hype-Event?“ oder „Sind alle anderen auch dort?“. Das Resultat sei eine Clubkultur, die sich zunehmend vom Wesentlichen entferne.

Viele Clubs hätten „mitgezogen“, um überleben zu können, doch der Preis sei hoch. Die Spirale aus steigenden Gagen und Hype-getriebenen Bookings habe einen Punkt erreicht, an dem sich alles nur noch um Prestige und Profit drehe.

„Es geht nicht mehr um Nächte, die unvergesslich sind – sondern um Namen, die man kennt. Doch genau das zerstört, was diese Szene einst stark gemacht hat. Unsere Antwort: Ein radikales aber uns altbekanntes Konzept.“

Dieses Konzept sehe folgendes vor: „Return to the Underground – RawPureRave“.

• Kein Eintrittsgeld – Der Zugang zur Musik soll nicht von Geld abhängen.
• Unannounced Line-ups–kein Hype. Gute Musik zählt, nicht Prestige.
• Unterschiedliche Bookings, die erst im Timetable am Abend im Club einzusehen sind.
• Lokale Artists & echte Talente – nicht der nächste Social-Media-Star.
• Zusammenhalt statt Kommerz – wer spielt, spielt aus Überzeugung, nicht für den höchsten Preis

Dieses Modell sei keine neue Idee, sondern eine Rückbesinnung auf das, was die Clubszene einst stark gemacht hat. Der Mauerpfeiffer erinnert sich an seine Anfänge, als Partys noch aus Leidenschaft organisiert wurden und Musik das verbindende Element war.

Nun sei es an der Zeit, dieses Prinzip erneut zu leben – immer dann, wenn die wirtschaftlichen Zwänge keine andere Wahl lassen. Doch der Club geht noch weiter und ruft die gesamte Szene zum Umdenken auf.

Schluss mit dem Gagenwahnsinn, ein respektvollerer Umgang mit Clubs und mehr Mut zur Veränderung. Agenturen und Künstler sollten sich fragen: Warum habe ich mit dem Auflegen angefangen? Worum geht es in dieser Szene wirklich?

Die Gäste spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie hätten die Möglichkeit, eine Veränderung aktiv mitzugestalten. Der Appell des Mauerpfeiffers ist unmissverständlich: Kommt wegen der Musik, nicht wegen der Namen. Kommt, weil ihr Teil von etwas Echtem sein wollt, nicht nur, um einen Trend mitzugehen.

Ob dieses Modell langfristig bestehen kann, bleibt offen. Doch eines ist sicher: Der aktuelle Weg führt in eine Sackgasse. Der Mauerpfeiffer wagt den ersten Schritt – jetzt liegt es an der Szene, zu entscheiden, ob sie diesen Weg mitgeht.

In den Kommentarspalten erfahren die Veranstalter jedenfalls bereits große Zustimmung und Unterstützung. „Ein notwendiger Schritt. Clubs sind die Basis unserer Szene! Wenn wir die Clubs verlieren, verlieren wir auch die Kultur“, schreibt dort u. a. Björn Torwellen.

Quelle: Instagram

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