Wiener Szene erhält kostenlose App für sicheres Nachtleben

In Wien startet mit „Neighbourhoods for All“ ein Pilotprojekt, das digitale Sofort-Alarmierung mit gemeinschaftsbasierter Sicherheitsarbeit verbindet.

Initiiert wird es von der Vienna Club Commission gemeinsam mit der Nighttime Foundation und dem Technologieanbieter SafeNow. Zentrales Element ist die kostenlose SafeNow-App.

Gäste und Mitarbeitende in Clubs und Bars können damit per Knopfdruck diskret das lokale Sicherheits- oder Awareness-Team alarmieren, etwa bei Übergriffen, Diskriminierung oder medizinischen Notfällen.

Der Pilot läuft von Juni bis November 2026 und konzentriert sich auf den Gürtel zwischen den U6-Stationen Alser Straße und Thaliastraße. Dieser Abschnitt zählt zu den dichtesten Nightlife-Korridoren der Stadt und steht exemplarisch für urbane Clubkultur.

Innerhalb definierter SafeNow-Zonen in teilnehmenden Locations sowie im öffentlichen Raum soll schnelle Hilfe gewährleistet werden. Außerhalb dieser Bereiche kann die Gruppenfunktion als privates Alarmsystem genutzt werden, etwa auf dem Heimweg.

Die App selbst ist bereits etabliert und wird von über einer Million Menschen genutzt, darunter Besucher im Allianz Stadion Wien, beim Münchner Oktoberfest und im Stonewall Inn in New York. Personenbezogene Daten werden dabei GDPR-konform verarbeitet.

Parallel startet eine offene Umfrage zum Sicherheitsgefühl, die sich an Ausgehende, Beschäftigte und Anrainer richtet. Die Ergebnisse fließen in ein Vor-Ort-Audit durch Experten für urbane Sicherheit ein und sollen konkrete Maßnahmen ermöglichen.

Zusätzlich werden von Mai bis Juli Schulungen für Club-Personal angeboten. Inhalte sind „Deeskalation“, „Harm Reduction“ und „rechtliche Grundlagen“. Sie bauen auf der bestehenden Workshopreihe „Safer Feiern“ der Vienna Club Commission auf.

Das Projekt versteht sich bewusst als Alternative zu rein polizeilichen Maßnahmen. Stattdessen setzt es auf „gemeinschaftliches Bewusstsein, geteilte Verantwortung und Peer-to-Peer-Unterstützungsstrukturen“, um Konflikte nachhaltig zu reduzieren.

In den Projektunterlagen heißt es: „Sichere Nachbarschaften entstehen durch Co-Produktion, Wissensaustausch und lokale Verantwortung“. Dieser Ansatz basiert direkt auf den UN Guidelines on Safer Cities.

Die wissenschaftliche Grundlage liefert eine 2024 veröffentlichte Studie zu urbaner Sicherheit und Nachtleben-Governance. Wien ist damit die erste Stadt weltweit, die diese Erkenntnisse in einem konkreten Stadtteil-Piloten umsetzt.

Quelle: Loop Rituals

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