„Wir waren Schall & Rausch“
– ein Roman erzählt die Geschichte des Kasseler Stammheims

„Wir waren Schall & Rausch“
in Roman erzählt die Geschichte des Kasseler Stammheims. Credit: Sascha Schlegel

Die deutsche Autorin Jasmin Moll hat einen Roman vorgelegt, der tief in die Geschichte des legendären Kasseler Technoclubs Stammheim eintaucht. Für das Buch sprach sie mit Gästen, DJs und Betreibern des Clubs – ihre Erinnerungen verleihen der fiktiven Hauptfigur Charlotte eine spürbare Authentizität. Begleitet wird das Projekt von einem umfangreichen Soundtrack mit 60 Tracks von Chris Liebing, Christian Morgenstern, Carl Craig, Der Dritte Raum, The Advent, Jeff Mills, Plastikman und vielen weiteren. Wir haben mit Jasmin Moll über ihr Buch gesprochen.

Jasmin, was hat dich über 20 Jahre nach dem Ende des Stammheims dazu bewegt, dem Club einen Roman zu widmen?
Die Idee – oder besser gesagt: die Mission – ist so alt wie das Ende des Stammheims selbst. Es war im Februar 2002 und ich stand auf einer der letzten Partys auf dem Big Floor. Der Bass knallte, alle flippten aus, und mir stellten sich (wie so oft) die Armhaare vor Freude auf. Plötzlich wurde mir schmerzlich bewusst, dass es meinen Lieblingsclub bald nicht mehr geben würde. Als Nächstes schoss mir durch den Kopf, dass dieser Ort so einzigartig ist, dass man ein Buch über ihn schreiben muss. Vor drei Jahren war ich endlich bereit, diese Herausforderung anzunehmen.

Das Buch erzählt die Geschichte von Charlotte – dein Alter Ego? Wie viel Fiktion und wie viele reale Erinnerungen stecken drin?
Ich wollte keine autobiografische, sondern eine authentische Geschichte erzählen – auch weil ich erst ab 1999 dabei war. Deshalb habe ich meine eigenen Erinnerungen mit denen von anderen „Heimkindern“ kombiniert und mit der erfundenen Handlung um Charlotte verwoben. Dazu habe ich Insiderwissen, Fakten und Anekdoten von Bringmann & Kopetzki, Chi und Stefan Küchenmeister erhalten.
Trotz aller wahren Begebenheiten überwiegt die Fiktion in „Wir waren Schall & Rausch“, auch wenn mein Technoclub-Roman in das reale Setting des Stammheims und der damaligen Szene mit echten Partys, originalen Line-ups, der jeweiligen Club-Deko und in den Sound aus jener Zeit eingebettet ist.

Gibt es einen Moment aus deiner Stammheim-Zeit, an den du dich besonders gerne zurückerinnerst?
Es gibt viele unvergessene Momente, und einige davon erlebt Charlotte im Buch. Die wohl schönste Erinnerung an diese Ära ist jedoch das Gefühl, das sie hinterlassen hat: Der Stammheim-Vibe und die verrückten Partys haben mich fürs Leben geprägt und mir dicke Freundschaften beschert. Ich bin dankbar, dabei gewesen zu sein.

Erzähl uns von den Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern, mit denen du im Rahmen des Romans gesprochen hast. Welche stechen besonders hervor?
Jedes einzelne Gespräch, ob kurz oder lang, war am Ende wertvoll. Das gemeinsame Schwelgen in Erinnerungen war großartig und förderte einige Storys zutage – egal, ob mit Freund*innen oder mit Fremden, die ebenfalls im Stammheim waren. 
Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle Bringmann & Kopetzki. Die beiden waren nicht nur wertvolle Wissenslieferanten, sondern haben auch den Big Floor des Stammheims für das Cover gezeichnet. Ich hätte mir kein passenderes Gewand für mein Buch vorstellen können.

Bist du heute noch in der Kasseler Feierszene unterwegs? 
Ich gehe bis heute regelmäßig in Technoclubs – allerdings in Berlin. Damals lebte ich an der bayrisch-hessischen Grenze und fuhr nur für das Stammheim ins zwei Stunden entfernte Kassel. Nach seiner Schließung pilgerte ich zu sämtlichen Stammheim-Partys und war in der Frankfurter Szene unterwegs, bis ich 2008 in die Hauptstadt zog.

„Wir waren Schall & Rausch“ kann als Taschenbuch (17,99 Euro) oder als E-Book (5,99 Euro) über diesen Link bestellt werden.

Aus dem FAZEmag 161/07.2025
Credit: Sascha Schlegel
www.technoclubroman.de