Wolle XDP – Berliner Legende zwischen Tekknozid und Apnoe

Wolle XDP – Berliner Legende zwischen Tekknozid und Apnoe

Der Wahlberliner Wolfram Neugebauer – Wolle XDP – ist untrennbar mit den Anfängen der Techno-Kultur in der deutschen Hauptstadt verbunden. Als Mit-Organisator der ersten „XDP“-Techno-Partys in Berlin, Veranstalter der ersten deutschen Raves, den Tekknozid-Partys, Gründer der Hart-House-Reihe im Bunker, Mitbetreiber der Clubs Discount und Pfefferbank sowie Mit-Organisator (von 1999 bis 2001) der Fuckparade. Auch heute, 37 Jahren nach den ersten Partys in Berlin, steht er immer noch regelmäßig hinter den Turntables oder Stems. Allerdings ist er auch in einem anderen Bereich bekannt, und hier sogar am vergangenen Wochenende Deutscher Meister geworden: Im Apnoe-Tauchen. Vergangenes Wochenende gelang es ihm in Zwickau die Deutschen Meisterschaft im Apnoetauchen für sich zu entscheiden. Im Statischen Apnoe hielt er 7 Minuten und 29 Sekunden die Luft an und konnte damit den Meistertitel gewinnen.

Wir haben ihn nach fünf Dingen gefragt, die man über das Apnoe-Tauchen wissen sollte.

1. Als Apnoe bezeichnet man die verlängerte Zeit zwischen einmal Einatmen (Luft anhalten) und wieder Einatmen.
Apnoetaucher sind in dieser Zeit unter Wasser. Manche gucken sich Fische und Pflanzen an, andere jagen auf diese Weise Tiere und oder sammeln sie. Beim Apnoetauchen als Sport geht es darum, diese Apnoe erstens: so lange wie möglich auszudehnen („Toter Mann spielen“ – Fachbegriff „Static“) oder zweitens: soweit wie möglich (Streckentauchen) oder drittens: so tief wie möglich (Tieftauchen) zu tauchen. Wichtig ist, dass man am Ende nicht bewusstlos wird. Denn dann wird man disqualifiziert.

2. Wenn man alleine taucht, ist dieser Sport potentiell tödlich. Im gesicherten Umfeld hingegen ist er fast ungefährlich. Wenn, dann verletzen sich Apnoetaucher beim Tieftauchen. Aber auch das ist sehr selten.

3. Der Sport ist gesund. Es kommen keine Gehirnzellen zu schaden. Auch nicht, wenn mans doch mal versehentlich übertreibt und ohnmächtig wird.

4. Da es beim Apnoetauchen vor allem auf mentale Entspannungstechniken ankommt, können auch ältere Taucher mithalten. Aber auch das hat (außer beim Static) natürliche Grenzen.

5. Wenn man es in eine dieser Tiefenentspannungen schafft, ist das eines der großartigsten Feelings überhaupt. Das ist wie Trancedance oder wie eine Ekstase und da haben wir auch das, warum mich Techno und Apnoetauchen seit so vielen Jahren gleichzeitig begeistern.

 

Techno, Tekno, Tekknozid

Du bist durch die Tekknozid-Partys bekannt geworden. Zuerst in Berlin und dann später überregional. Wie sind Deine Erinnerungen an die erste Tekknozid-Party und was hat sich im Laufe der mittlerweile knapp 40 Jahre Partymachens am signifikantesten verändert? Was macht Dir immer noch am meisten Spaß.

Als wir Anfang 1990 mit den Tekknozid Partys angefangen haben, hat kaum jemand Techno zu unserer Musik gesagt. Mit „Techno“ meinte man damals tatsächlich eher Depeche Mode als Acid House. Nur eben die Amis haben zu Housemusic auch „Tekno“ dazu gesagt (Techno amerikanisch ausgesprochen). Weil unsere Musik sehr stark belgisch und daher noch einen ganzen Tick härter war (also zumindest damals), haben wir unseren Sound Tekkno genannt. Später hiess er dann Technohouse und irgendwann doch einfach nur Techno.
Wir fanden Discos damals total doof und wollten vor allem richtige Ekstasen. Deshalb nannten wir uns auch XDP, was soviel heisst, wie Ekstase Tanz Vorhaben oder auch X-tasy Dance Project. Wir waren davon überzeugt, dass unsere Art Partys zu feiern und unsere Musik die Zukunft sind.
Wir hatten wohl Recht 🙂

Viele Dinge sind seit dem passiert.
Manchmal scheint es heute jedoch, als würden viele gar nicht so richtig wissen, worum es wirklich geht? Sie feiern irgendeinen Star und filmen ihn und sich dabei, während sie selbst irgendwelche Bewegungen machen, die sich von anderen bei Tiktok abgeguckt haben. Ja, auch die haben Spass, aber sorry, das ist kein Techno. Ich will bestimmt niemanden vorschreiben, wie man Spass hat, doch wer sich noch nie in einen richtigen Trance oder in Ekstase getanzt hat, weiss meiner Meinung nach noch überhaupt nicht einmal ansatzweise, wie geil Technofeiern wirklich sein kann.
Aber zum Glück ist das nicht überall so. Ich bin ja noch immer leidenschaftlich und viel unterwegs und feiere immer wieder genauso heftig wie in den Anfangstagen. Solange die DJs nicht der Mittelpunkt der Party sind, sondern die Abfahrt, ist das für mich alles Techno und hat das noch immer nichts an seiner Großartigkeit verloren. Das Beste daran ist, dass an solchen Orten alle zusammen feiern. Zu welchem Technogenre gefeiert wird oder womit die DJs spielen, sind dabei fast egal.

Wenn ich auf Oldschoolpartys spiele, dann spiele ich ganz klassisch mit Vinyl. Wenngegen ich aktuellen Sound spiele, reize ich das technisch machbare gern maximal aus. Seit etwa einem Jahr spiele ich deshalb keine normalen Tracks, sondern nur noch Stems (mit bis zu 16 Spuren gleichzeitig). Ich setze mir so meine Musik aus mehreren Tracks gleichzeitig komplett neu zusammen. Für mich ist Stemsmixing die nächste musikalische Revolution. Denn damit verschwinden nicht nur Genregrenzen, sondern vor allem die Grenzen zwischen DJing und Producing und entsteht tatsächlich mal wieder was richtig Neues.

Loveparade 1991

5 Tracks, die damals liefen und heutzutage immer noch funktionieren.

Es gibt so unfassbar viele neue und großartige Musik, dass ich außerhalb von Oldschoolpartys fast keine alten Tracks in ihren ursprünglichen Versionen spiele.
Aber meine liebsten Techno-Klassiker sind:

1) X-101 – Sonic Destroyer (Underground Resistance)

 

 

2) Phortune – Can you feel the bass

 

 

3) Vainqueur – Lyot

 

 

4) Friends Of Matthew – Out There

 

5) Speedy J – Pullover