Wooden Wisdom & DJ Fitz -25
Eigentlich ist Elijah Wood für den Rest seiner Schauspielkarriere als schicksalsgeprüfter Ringträger gebrandet – wenn der amerikanische Thirty-Something nicht gerade wie für seinen aktuellen Streifen „The Last Witch Hunter“ in Hollywood vor der Kamera steht, rockt sich der notorische Plattenfreak in den Drehpausen mit seinem DJ-Trio Wooden Wisdom völlig unbeeindruckt und überraschend volksnah durch die angesagtesten Clubs der Welt! FAZEmag-Autor Thomas Clausen traf die ungewöhnliche Crew im Berliner Technobunker Berghain im Rahmen des vergangenen Popkultur Festivals zum Acht-Augen-Talk.


Fluch und Segen eines Hollywood-Blockbusters: Seit gut 14 Jahren wird Elijah Jordan Wood mit seiner Leinwand-Rolle in Peter Jacksons Oscar-prämierter Fantasy-Materialschlacht „Der Herr der Ringe“ assoziiert. Kaum bekannt ist allerdings, dass der semi-manische Vinyl-Collector in seiner Freizeit mit seinen beiden Kumpels, dem (Film)Musikberater Zach Cowie und dem Berliner Nightlife-Urgestein DJ Fitz unter dem Künstlernamen Wooden Wisdom globale Dancefloors zum Schwitzen bringt.

Ein Schauspieler, ein Musikberater und ein überzeugter Clubaktivist – klingt nach einer interessanten Gründungsgeschichte!

Elijah Wood: Das stimmt. Ich habe Zach vor ungefähr fünf Jahren durch gemeinsame Freunde, die beiden Designerinnen Kate und Laura Mulleavy, kennengelernt. Er war für die Musik ihrer Runway-Shows verantwortlich und legte auf den Aftershow-Partys auf. Wir haben ziemlich schnell erkannt, dass wir den gleichen Musikgeschmack haben – irgendwann haben wir dann zusammen aufgelegt und tun es seitdem regelmäßig.
DJ Fitz: Ich kenne Zach schon seit mehr als zehn Jahren. Wir waren eine lange Zeit zusammen mit verschiedenen Bands auf Tour. Wir haben als Busfahrer, als Tourmanager oder sogar als Merch-Verkäufer gearbeitet. Eines Tages war Zach mit einer Band in meiner Heimatstadt London zu Gast, dort legten wir zumersten Mal miteinander auf.

Du bist Schauspieler, legst auf und hattest bis vor kurzem noch dein eigenes Plattenlabel Simian Records am Start. Ziemlich viel um die Ohren!

Elijah Wood: Das Leben ist eine vielschichtige Sache; man sollte seine Zeit so gut es geht ausnutzen. Ich habe eine Unmenge verschiedener Interessen und bin in der glücklichen Lage, ihnen auch größtenteils nachgehen zu können.

Was habt ihr drei gemeinsam?

Elijah Wood: Wir sind gute Freunde und mögen die gleichen Dinge: Platten aus aller Welt und verrücktes Essen aus aller Welt. Tagsüber suchen wir nach aufregenden Scheiben und leckerem Essen, nachts legen wir dann unsere neu erworbenen Schätze in den Clubs auf.

Seid ihr auch vor eurem Set in Berlin fündig geworden?

Zach Cowie: Na klar! Wir haben HipHop-Vinyl eingekauft und waren bei Oye, Hard Wax, Musictrain Records und Vinyl-A-Gogo.

Was darf man von einem Wooden Wisdom-Set erwarten? Gibt’s vielleicht während und nach der Show irgendwelche Superstar-Exzesse a la Hollywood?

Elijah Wood: Absolut nicht! Aber wenn man auf Typen steht, die die ganze Zeit in ihren DJ-Koffern nach Platten kramen, dann ist man bei uns an der richtigen Stelle. Wir spielen einfach ein paar gute Scheiben, das ist alles. Wir legen ausschließlich Vinyl auf, da muss man sich ziemlich konzentrieren. Das hält die Möglichkeiten für ausschweifende Rockstar-Exzesse ziemlich niedrig.

Was legt ihr denn so auf?

Elijah Wood: Wir alle mögen ziemlich schrägen Kram. Zeug aus den 70ern und 80er, zu dem man gut tanzen kann. Alles über Funk, Soul, Psychedelic. Sounds aus aller Welt. Wir sind immer auf der Suche nach interessanten Sounds und Styles.

Aber keine Elben- oder Hobbit-Sounds …

Elijah Wood: Nein, definitiv nicht. Wobei ich auch gar nicht wüsste, wie die so wirklich klingen.

Hast du schon mal das Angebot bekommen, auf der Aftershow-Party der „Oscar“-Awards aufzulegen?

Elijah Wood: Nein, bisher noch nicht. Ich könnte aber auch nicht mit Sicherheit sagen, ob ich dort auflegen wollte. Ich beobachte dort lieber, was man so spielt. / Thomas Clausen

Aus dem FAZEmag 046/12.2015
www.soundcloud.com/wooden-wisdom