„Zu Boden gedrückt“: Raver & Felix Kröcher über die Loveparade-Katastrophe

Bild: Gabriel Popp / „Zu Boden gedrückt“: Raver & Felix Kröcher über die Loveparade-Katastrophe

Am 24. Juli 2010 wurde die Loveparade in Duisburg zum Albtraum: 21 Tote, über 650 Verletzte. Maximilian Fleischhacker und DJ Felix Kröcher waren unter den Zeugen dieses tragischen Ereignisses.

Für sie war der Tag ein Schock, der bis heute nachhallt. Fleischhacker war 18 Jahre alt, frisch aus dem Abitur und voller Vorfreude, als er mit seinen Freunden aus Dillenburg zur Loveparade reiste.

„Ich war bereit fürs Leben und bereit, auf Festivals zu gehen“, erinnert er sich. Auch DJ Felix Kröcher, damals als Headliner auf dem Line-up, freute sich auf das Event. „Das war ein Traum von mir“, so Kröcher.

Die Loveparade zog in den Jahren nach Duisburg, und an diesem Tag drängten sich tausende Menschen zum Gelände des alten Güterbahnhofs. Doch schon beim Verlassen des Bahnhofs war die Menge spürbar. Maximilian erinnert sich: „Man fühlte sich wie ein Teil einer Demo, die Stimmung war sehr ausgelassen.“ Doch bald veränderte sich das Bild.

Am Tunnel zum Eventgelände stauten sich die Besucher. Maximilian und seine Freunde wurden immer weiter in die Enge getrieben. „Der Ort fing an, immer voller zu werden“, erzählt er. Die Stimmung kippte, als „die ersten angefangen haben zu schreien – und das war kein Feiern mehr, sondern panisches Geschrei.“

Die Polizei konnte den Druck nicht kontrollieren. Maximilian fühlte sich eingeklemmt. „Ich konnte teilweise nur noch atmen, wenn ein Windzug kam.“ Die Menschenmenge wurde von einer Welle erfasst.

Maximilian stürzte und wurde zu Boden gedrückt: „Plötzlich war es ruhig und dunkel.“ Er sah, wie Menschen übereinander stürzten, konnte aber nichts tun. „Wir mussten uns dem Gedränge hingeben und konnten einfach nicht helfen.“

Doch irgendwann gelang es ihm, sich zu befreien und seinen Bruder zu finden. Während er ums Überleben kämpfte, tanzten oben auf dem Gelände viele weiterhin, ohne zu wissen, was wenige Meter entfernt geschah.

DJ Felix Kröcher bekam langsam Wind von den dramatischen Szenen. „Uns wurde gesagt, dass wir trotzdem weiterspielen sollen“, erinnert er sich, „aber Musik aufzulegen hat ja was mit Freude zu tun.“ Erst gegen 17 Uhr begann sich die Masse langsam zu zerstreuen.

Für viele Betroffene war das Unglück nicht nur ein persönliches Trauma, sondern auch ein juristisches Desaster. Sieben Jahre später begann ein Prozess gegen Verantwortliche aus Stadtverwaltung und Veranstaltungsfirma, doch das Verfahren wurde 2020 eingestellt – ohne Urteil. Maximilian Fleischhacker ist enttäuscht: „Es gab nie wirklich eine Aufklärung.“

Immerhin: Die Katastrophe führte zu einem Umdenken in der Veranstaltungsbranche. Felix Kröcher bestätigt: „Für eine Zeit lang war es das Ende von solchen Großveranstaltungen.“

2022 wurden neue Sicherheitsrichtlinien für Großveranstaltungen erarbeitet. Doch auch heute bleibt die Frage: Ist hundertprozentige Sicherheit bei Massenveranstaltungen möglich?

Quelle: Hessenschau

Das könnte dich auch interessieren:

Loveparade-Katastrophe jährt sich zum 15. Mal – ein Kommentar und viele Fragen