Zu wenig Sanitäter? Kritik an Techno-Festival in Völklinger Hütte

Symbolbild

Nach dem ersten „Ferra“-Festival in der Völklinger Hütte im August gibt es Kritik am Sanitätskonzept. Die Saarbrücker Zeitung hat dazu Veranstalter, Sanitätsdienstleister, Stadt, Völklinger Hütte und einen Fachplaner für Veranstaltungssicherheit befragt. Ihre Einschätzungen dazu, ob vor Ort genügend medizinisches Personal im Einsatz war, gehen auseinander.

Ein Hinweisgeber aus dem Umfeld des Katastrophenschutzes bezeichnete den privaten Sanitätsdienstleister X-Sani laut Bericht als „nahezu handlungsunfähig“. Ein erhöhtes Patientenaufkommen hätte der Dienstleister demnach nicht bewältigen können. Veranstalter Permanent Entertainment erklärte dagegen, die Versorgung sei gewährleistet gewesen. Auch X-Sani sagt, während des Festivals seien keine zusätzlichen Kräfte nötig gewesen.

Stadt und Veranstaltungsort äußern Bedenken

Die Stadt Völklingen schreibt, die sanitätsdienstliche Ausstattung sei zeitweise an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt. Die Völklinger Hütte erklärt, das vorab geprüfte Sicherheitskonzept habe einen umfangreicheren Sanitätsdienst vorgesehen als den, der letztlich vor Ort gewesen sei. Die Stadt gab an, dass laut Konzept auf dem Gelände ein Arzt, ein Notfallsanitäter und vier Sanitäter ständig anwesend sein sollten.

Die Stadt verweigerte die Herausgabe des vollständigen Sanitätskonzepts mit Verweis auf sensible Sicherheitsinformationen. Fachplaner Marten Pauls betont, ohne Einsicht in das Konzept lasse sich die Besetzung nicht abschließend beurteilen. Die von der Stadt genannte Personalzahl erscheine ihm jedoch gering. Nach seiner Berechnung wären mindestens zehn Sanitätshelfer, darunter drei Rettungssanitäter, ein Arzt mit Notarztqualifikation und eine technische Einsatzleitung nötig gewesen.

Widersprüche und Zweifel an der Kommunikation

X-Sani hält dagegen, die Zahl der Helfer allein sei kein geeigneter Maßstab. Je nach Veranstaltungsphase seien mindestens acht Kräfte im Dienst und weitere auf Abruf gewesen. Spezialisierte Fachkräfte könnten nicht einfach rechnerisch durch eine bestimmte Zahl weniger qualifizierter Helfer ersetzt werden, argumentiert der Dienstleister.

Die Dienstleistungsfirma sei erst drei Wochen vor dem Festival ausgewählt worden; deshalb habe es keine vorherige Begehung des Geländes gegeben. Auch die Kommunikation mit dem Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Saar sei laut Zweckverband nur indirekt über die Feuerwehr gelaufen. Kritik gab es zudem an der einsehbaren Sanitätsstation und an Absprachen zwischen Sanitäts- und Sicherheitsdienst.

Der Chef des Sicherheits-Service-XXL sagte, er habe an der Qualität des Sanitätsdienstes gezweifelt. Eine Notsituation habe es jedoch nicht gegeben, und die Gäste hätten von den Problemen nichts mitbekommen. Für die nächste Ausgabe soll Permanent Entertainment den Sanitätsdienst vollständig neu organisieren. Auch die Stadt will die Abläufe auswerten.

Quelle: Saarbrücker Zeitung

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