Clubkultur und Kino verschwimmen zunehmend – genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich CORPSESHOCK’s Zusammenarbeit an „30 and Wild“. Mit ihrem neuen Track „Berger“ tauchen sie nun in die Welt der Filmmusik ein und gestalten eine Rave-Sequenz im Film, die im JunkYard Dortmund gedreht wurde. Mit einem Sound, der gleichermaßen von nostalgischer Rave-Euphorie wie auch von düsteren, zeitgenössischen Einflüssen geprägt ist, entsteht hier mehr als nur klassische Filmmusik: ein Track, der die Energie der Szene nicht nur begleitet, sondern aktiv formt. Im folgenden Interview geht es um musikalische Referenzen und die Frage, wie ein Song sowohl im Filmkontext als auch auf dem Dancefloor seine eigene Wirkung entfalten kann.
Wie ist die Zusammenarbeit am Film „30 and Wild“ entstanden und welche musikalischen Referenzen haben den Track am stärksten beeinflusst?
Die Verbindung war kein Zufall, eher ein Déjà-vu aus einem anderen Leben: Felix dreht unsere Videos, Felix dreht diesen Film – irgendwann trifft man sich halt wieder in irgendeinem flackernden Raum zwischen Kunst und Kontrollverlust. „Das hier ist eigentlich eine Komödie – und was passiert, wenn du es wirklich ernst nimmst?“ Als die Szene dann bei mir gelandet ist, war klar: Das wird kein Hintergrundrauschen. Das braucht einen Track, der von den Charakteren wirklich Besitz ergreift. Musikalisch steckt in „Berger“ viel Y2K-Geist: Trance-Euphorie, Eurodance-Nachglühen, 2000er-Pop-Dramatik und Klingelton-Silliness – aber eben durch meinen CORPSESHOCK-Filter gezogen. Also klanglich wie Marlon Hoffstadt und Malugi, wenn man sie in eine Geisterbahn schickt. Dafür lieferte ich düstere Basslines und diesen leicht überdrehten Camp, den ich so liebe.
Welche Emotion trägt „Berger“ für euch persönlich – unabhängig vom Film?
„Berger“ ist etwas, das sich wie ein Zustand anfühlt. Euphorie, Nostalgie und Kontrollverlust gleichzeitig, alles zu hell, alles zu laut, alles ein bisschen zu viel – aber genau deshalb richtig. Man weiß gar nicht mehr, wer oder wo man ist, aber alle schreien einem „Yeah!“ ins Ohr. Kennt man doch: offene Jacke, verschwitzter Morgen, Augen müde, aber die Arme immer noch oben. Dieses bittersüße Gefühl, wenn etwas gleichzeitig drückt, strahlt und emotional eigentlich schon über seinem eigenen Limit ist. So einen Song hätte man jetzt nicht direkt von uns erwartet, und ich habe lange nach den richtigen Sounds gesucht, aber so ein bouncy Brett zu bauen, hat mein totes Herz erwärmt!

Clubkultur und Kino verschwimmen zunehmend – genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich CORPSESHOCK’s Zusammenarbeit an „30 and Wild“. Mit ihrem neuen Track „Berger“ tauchen sie nun in die Welt der Filmmusik ein und gestalten eine Rave-Sequenz im Film, die im JunkYard Dortmund gedreht wurde. Mit einem Sound, der gleichermaßen von nostalgischer Rave-Euphorie wie auch von düsteren, zeitgenössischen Einflüssen geprägt ist, entsteht hier mehr als nur klassische Filmmusik: ein Track, der die Energie der Szene nicht nur begleitet, sondern aktiv formt. Im folgenden Interview geht es um musikalische Referenzen und die Frage, wie ein Song sowohl im Filmkontext als auch auf dem Dancefloor seine eigene Wirkung entfalten kann.
Die Filmszene, die ihr bekommen habt, zeigt eine Rave-Sequenz, die im JunkYard in Dortmund gedreht wurde. Inwiefern hat diese Szene euch beim Komponieren und Gestalten des Tracks eingeschränkt oder eher befreit?
Eher befreit. Total sogar. Der JunkYard und die Leute dort bringen ja sowieso schon ihre eigene Textur mit. Das ist kein steriler Raum für Angeber, und die Komparsen waren echte Underground-Clubgänger, keine Poser. Die Szene wurde auf einen 145-bpm-Click gedreht, damit alle den Rhythmus halten, ohne dass Musik läuft, die die Dialoge überlagert. Das stand also schon fest. Und eine Vorgabe war: Mein „Berger“-Track muss in den Hit „Take It Back“ von Janis Zielenski übergehen. Meister hat gesprochen, Corpsi folgt gerne. Am Ende habe ich sogar alle anderen Tracks in der Szene gemacht. Keine alten Skizzen, sondern jeder Track wurde auf die Szene komponiert, um die Storybeats, Gags und Übergänge optimal zu unterstreichen. Daher kommt jetzt erstmal „Berger“ alleine raus – ich muss ja alle Kompositionen für den Film erstmal als ganze Songs ausarrangieren.
Soll der Soundtrack mit „Berger“ auch außerhalb des Films eine eigene Wirkung entfalten oder ist der Track ausschließlich an den Film gebunden?
Wenn ein Track nur mit Bild existieren kann und ohne Leinwand zusammenfällt, fehlt ihm etwas. Klar, im Film erfüllt er eine sehr konkrete Funktion, aber die Songs sollten immer als echte Clubtracks wahrgenommen werden. Genau das ist für mich der Reiz an solcher Arbeit – wenn etwas aus einer Szene kommt, aber danach ein Eigenleben entwickelt. Das Coole ist, dass schon in den Testscreenings und Sneak Previews Leute im Kino ihre Handys rausgeholt haben, um den Song zu shazamen. Damn?! Da wusste ich: Es lebt.
Wie fühlt sich der Track für euch an? Ist „Berger“ eher ein klassischer Soundtrack-Moment oder ein eigenständiger Club-Release?
Eher ein eigenständiger Club-Release. Der Track hat diese direkte Vorwärtsbewegung, die man von einem Club-Track erwartet – er will nicht im Hintergrund bleiben, sondern nach vorne. Und er macht Spaß! DJ Highscore aus Münster hat für das Release extra einen Vocal-Remix gezaubert, mit cheesy Streicherarrangements und allem, was man an den 2000er-Dance-Hymnen so geliebt hat. Richtig geiles Teil, das sich ins Ohr frisst. Und das Ding wird gerade richtig viel auf Social Media verwendet, wurde im neuen Filmtrailer gefeatured, und die Streams liegen weit über unserem Durchschnitt. Krank!
Wie balanciert ihr zwischen Club-Track-Funktionalität und emotionalem Storytelling?
Wahrscheinlich genau dadurch, dass wir beidem ein bisschen misstrauen. Sobald etwas zu clean wird, wird es uninteressant. Ein Track, der nur noch funktioniert, wird leer. Und Storytelling, das mich belehren will, ist cringe. Auf Nummer sicher gehen langweilt mich einfach. Ich sehe unsere Musik ja eher als Einladung: „Hier ist der Vibe, tanzbar ist es eh, und jetzt bist du dran.“ Wir wollen genug Platz für den Hörer lassen, dass er den Song zu seinem eigenen Soundtrack machen kann. Egal ob im Club, im Kino oder auf dem Friedhof.
Oft ist es – besonders im Kinokontext – ungewohnt, sich selbst auf der Leinwand zu sehen. Die Frage wäre, ob das im musikalischen Bereich ähnlich ist. Wie verändert sich euer Blick auf den Track, wenn ihr ihn im Kino-Kontext hört?
Der Moment, in dem man den Track dann im Kino hört, verändert die Wahrnehmung nochmal komplett. Im Studio gehört er dir – dein eigenes Monster. Im Kino passiert plötzlich etwas anderes: Er verbindet sich mit Bildern, mit Figuren, mit Raum, mit Publikum. Er wird Teil von etwas Größerem. Im Club spürt man bei „Berger“ wahrscheinlich zuerst den Druck, die Energie, die Bewegung. Im Kino ist das auch so, der Song wird aber auch nochmal anders mit dem emotionalen Stress der Story aufgeladen. Und glücklicherweise ballert der Track im Kino total. Oft wirken Clubszenen im Film lahm. Zu clean, zu leise. In „30 and Wild“ überhaupt nicht, sondern es fühlt sich an, als wärst du um 3 Uhr nachts im JunkYard.
Abschließend wäre interessant, wie ihr die Zusammenarbeit mit dem Film erlebt habt und ob ihr euch vorstellen könnt, erneut Musik für einen Film, eine Serie oder auch nur eine kurze Rave-Sequenz zu produzieren?
Die Zusammenarbeit war 1A, weil sie sich nicht wie Dienstleistung angefühlt hat, sondern wie eine echte Herausforderung. Was passiert, wenn man diese Szene musikalisch wirklich ernst nimmt und nicht nur bedient? So arbeite ich gern. Ich produziere ja eh eher Stimmungen als Basis für unsere Tracks. Ich habe richtig Bock, einen Horrorfilm oder Thriller zu vertonen. Corpseshock-Style. Die Gruft ist ja jetzt offen.
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