AKA AKA & Thalstroem by David Rasche FRONT FAZE 25
Wie reagiert man, wenn auf einmal in das gemeinsame Studio eingebrochen wird, das Equipment weg und die Stimmung allgemein im Keller ist? Diese drei Jungs hat dieser Sturz weitergebracht. Mit ihrem zweiten gemeinsamen Album „Connected“ beweisen sie, dass ihre Motivation, ihr Facettenreichtum und ihr Mut zu Neuem nie größer waren. Vor allem im direkten Vergleich zu ihrem ersten Album „Varieté“ kann man sehen, welche Entwicklung AKA AKA und Thalstroem in den letzten fünf Jahren durchlaufen haben. Vom Hoch ins Tief, um danach noch viel höher zu steigen.

Im Jahr 2012 hatten wir die Männer das letzte Mal im Interview. Hannes Bergheim, Holger Kampling und David Thalstroem, wie sie mit bürgerlichen Namen heißen, hatten damals den Download-Mix zu unserem dritten Heft beigesteuert. Kurz zuvor war ihr erstes gemeinsames Album auf den Markt gekommen. „Varieté“ vereinte zum ersten Mal alle drei Charaktere in einer großen Produktion. So unterschiedlich wie ihre Persönlichkeiten, so unterschiedlich sind auch ihre Geschichten. Holger, der um die Jahrtausendwende noch als junger Raver auf NATURE ONE und MAYDAY unterwegs war, wollte einfach nur auf die Bühne. Hannes wurde durch seine Liebe zur Musik zufällig entdeckt und gefragt, ob er nicht mal ein paar Platten auflegen wolle. David hingegen hat in Amsterdam und München Jazz studiert, sich dann aber nach dem Studium der elektronischen Musik verschrieben und mit vielen eigenen Projekten rumexperimentiert. 2008 fanden die Drei schließlich zusammen und musizieren seit dem, was das Zeug hält. 14 frische Tracks haben die sie nun zu einem zweiten Album verarbeitet. Der Titel „Connected“ soll nicht nur die engere Verbindung zu ihren Fans verdeutlichen, sondern auch die untereinander. Mit spürbar mehr gemeinsamer Inspiration, mehr Entwicklung und vor allem mehr Freigeist als noch bei „Varieté“ haben AKA AKA & Thalstroem eine Platte kreiert, deren Tracks bezüglich Stil und Aufbau unterschiedlicher nicht sein könnten. Nach einem majestätisch angehauchten Intro, das ein klares „Wir sind zurück“-Statement setzt, folgen dreizehn Tracks verschiedener Ansätze, die sich klar voneinander abheben. Ob mit pulsierendem Techhouse bei „First Contact“, poppigen Beats mit Ohrwurmgarantie bei „Warten auf Korg“, dem in Zusammenarbeit mit Northern Lite entstandenen und von Daft Punk inspirierten „Stars Aligned“ oder dem souligen Downtempo-Beat von „Faces“ – das Trio liefert knapp 90 Minuten Fröhlichkeit und verpackt die Energie, die es auch live auf seinen Gigs bringt, in ein Album. Mit der Ende September vorab veröffentlichten Single „Never Alone“ konnten sich Fans schon mal einen Vorgeschmack auf das holen, was nun seit Ende Oktober im Handel steht. Die musikalisch verpackte Fröhlichkeit war übrigens auch bei unserem Interviewtermin zu spüren. Sichtlich erleichtert, dass der Produktionsprozess nun abgeschlossen ist, und heiter wie eh und je, standen uns Hannes, Holger und David Rede und Antwort.

Drei Jahre sind vergangen seit wir uns das letzte Mal gesprochen haben. Könnt ihr kurz zusammenfassen, was in der Zwischenzeit bei euch passiert ist?

Hannes: Wir waren verdammt viel auf Tour, und jetzt haben wir uns die letzten Monate echt zusammengerissen, um das neue Album fertig zu bekommen. Wir hatten viel Lust auf neue Musik, doch am Wochenende hatten wir eben Gigs. Von Montag bis Freitag saßen wir dann am Album. Da war schon ganz schön viel, um es kurz zusammenzufassen.
Holger: Die Albumproduktion an sich war sowieso sehr nervenaufreibend. Der herbe Rückschlag, den wir erleben mussten, als wir auf einmal ohne Studio da standen, dann dass Sänger erst zu- und drei Monate später wieder absagten … Also alles in allem könnte man behaupten, das Album hätte auch vor zwei Jahren fertig werden können. Auf der anderen Seite glaube ich, es musste einfach so sein, wie es eben war. Das gehört dazu.

Euer Studio wurde im letzten Jahr ausgeraubt. Habt ihr da eigentlich nochmal etwas gehört? Wurde da je etwas von eurem Zeug wiedergefunden?

Hannes: Das ist weg. Wir hatten zum Glück alles in der Dropbox gespeichert, sämtliche Projekte. Aber eben der Rechner an sich und einiges an Hardware – das war alles einfach weg.
Holger: Das große Problem war, dass wir ab dem Zeitpunkt auch keine Räumlichkeiten mehr hatten. Da die Täter wussten, wo alles stand, konnten wir den Raum einfach nicht mehr nutzen nach dem Vorfall. Dafür hätten wir ihn für ganz viel Geld sichern müssen. Weil aber der Mietvertrag ein Jahr später sowieso auslief, hätte sich das gar nicht mehr gelohnt. Und dann versuch mal, in deinem fünf Quadratmeter großen Büro daheim ein Studio aufzubauen – mit deinen vierhundert Synthesizern. Das war natürlich ein bisschen schwierig. Wir haben alles dann bei mir zu Hause aufgebaut, ich saß ganz allein in einer Burg aus Synthesizern. David und Hannes hatten bei sich noch Workstations aufgebaut, und wir mussten die ganze Zeit über die Dropbox arbeiten. Aber um ehrlich zu sein, es hat dem Album auch keinen Abbruch getan. Im Gegenteil, irgendwie hatte der Vorfall auch etwas Positives.

Inwiefern kann man das positiv auffassen?

David: Es war im Endeffekt eine ganz andere und irgendwie auch erfrischende Art zu arbeiten. Wir hatten plötzlich drei Studios. So hat die Musik, die wir produzierten, einfach mehr Facetten bekommen. Wenn jeder alleine arbeitet, dann verfolgt auch jeder irgendwo sein eigenes Ziel. Und wenn man das alles am Ende zusammenwirft, kommt ganz abgefahrenes Zeug heraus. Dann mussten wir nur noch auf einen gemeinsamen Nenner kommen …
Holger: Das war wirklich so. Wenn man gemerkt hat, jetzt muss der andere seinen Input liefern, dann hat man das Projekt hochgeladen und sich angerufen. So konnte jeder seine Ideen dazu steuern. Das war im Endeffekt total großartig.
Hannes: Nichtsdestotrotz haben wir uns aber dazu entschieden, wieder ein gemeinsames Studio aufzubauen, weil wir uns einfach so vermisst haben. Die räumliche Distanz ist schon ein großer Nach- teil. Auch wenn man jetzt z.B. mit einem Sänger zusammenarbeiten will. Da muss man sich nicht wieder ein externes Studio anmieten, nur um eine einzige Vocal-Aufnahme zu machen.
David: Wobei, dass muss man unbedingt festhalten: Wir hatten die Chance, auf wirklich wunderschönen, alten, analogen Geräten aufzunehmen. Auch das hat das Album ein ganzes Stück nach vorne gebracht, finde ich. Auf einem Pult aus den 70er-Jahren aufnehmen zu dürfen, ist einfach ein Geschenk.

Euer Kalender ist genauso voll wie früher. Da hat sich auf jeden Fall nichts geändert. Genießt ihr das noch genauso wie vor ein paar Jahren. oder hat sich da mit der Zeit etwas gewandelt – zum Beispiel an der Art und Weise, wie ihr euch vorbeireitet oder Gigs angeht?

Holger: Um ehrlich zu sein, es ist viel entspannter geworden. Wir planen unsere Touren und Auftritte viel effektiver. Wir wissen genau, welche Gigs zueinander passen, wie wir am effektivsten und stressfreisten reisen. Man lernt, auch mal Nein zu sagen. Wenn wir zum Beispiel samstags und sonntags Doppelbookings haben, müssen wir den Freitag nicht auch noch irgendwo spielen. Also ich finde es viel entspannter als noch vor drei Jahren. Wir haben zwar nicht unbedingt weniger Gigs, aber wir bekommen die, die wir haben, einfach besser verteilt. 2013 haben wir teilweise sieben Gigs hintereinander gespielt. Das muss echt nicht mehr sein. Da leidet im Endeffekt auch die Musik selbst, und davon hat keiner was.

Wird man bei so einem Zeitplan auch mal wehmütig? Hättet ihr manchmal gerne die Zeit zurück, in der ihr nur zwei Bargigs im Monat gespielt habt und darüber glücklich ward?

Holger: Das war eine total geile Zeit, aber zurückhaben will ich die nicht. Auf keinen Fall.
David: Das passt auch nur zu der jeweiligen Zeit. Das passt nur zu der Zeit, in der du dich aufbaust. Das ist wie die erste Zigarette, die kommt auch nie zurück.
Holger (lacht): Oder der erste Sex. Du fandest ihn total toll, aber du willst ihn auf keinen Fall nochmal so erleben.

Für euer zweites Album habt ihr euch auch völlig artfremde Unterstützung ins Haus geholt. Beispielsweise Sola Plexus bei eurer ersten Single „Never Alone“, umami sind dabei, Chasing Kurt, Northern Lite … Wie lief die Zusammenarbeit mit all denen, und wie kamen diese ungewöhnlichen Konstellationen zustande?

Hannes: Mit umami haben wir schon häufiger zusammengearbeitet, und da war es die logische Konsequenz, dass wir sie auch aufs neue Album packen. „Never Alone“ ist ebenfalls eine Nummer, die schon ganz lange auf unserer Festplatte herumschwirrt, und die jetzt in der Endversion allerdings nicht mehr viel mit dem Original zu tun hat. Naja, vielleicht ein bisschen. Sola Plexus hatten wir mal live gesehen und fanden den so geil, dass wir den unbe- dingt dabei haben wollten.
Holger: Der ist echt ein super Entertainer, eine richtige Rampensau. Er hat so gerockt, den mussten wir haben! Dann haben wir ihn eingeladen und ein paar Aufnahmen gemacht. Er ist einfach auch ein cooler Typ. Das mit Northern Lite ist so eine Alkoholstory. Man trifft ständig immer mal Leute, sieht sich wieder und irgendwann macht es halt Klick. Bei uns war da viel Alkohol im Spiel, das muss ich zugeben (lacht).
Hannes: Und mit Northern Lite wollten wir eigentlich nur eine Nummer machen. Die ist dann aber so cool geworden, dass wir noch zwei weitere zusam- men produziert haben. Sie alle sind aber in Sachen Stil und Charakteristik sehr unterschiedlich, das macht die Zusammenarbeit zusätzlich zu etwas ganz Besonderem.
Das stimmt. So ist ein wirklich abwechslungsreiches Ergebnis entstanden.

Die Tracks auf „Connected“ sind alle sehr unterschiedlich und heben sich voneinander ab. War es für euch wichtig, diese Abwechslung zu wahren und mehere Stile zu verfolgen, damit es nicht langweilig wird?

Holger: Das Ding ist, dass wir drei völlig unterschiedliche Charaktere sind, die auch noch einen komplett unterschiedlichen Background haben. Das ist der Grund für die Art von Musik, die wir machen. Wir haben es dieses Mal besser hinbekommen als bei „Varieté“. Das erste Album war zwar super, aber da waren wir noch ziemlich am Anfang und auch produktionstechnisch noch nicht so weit. Dieses Mal konnten wir zu 100 Prozent das umsetzen, was wir schon immer machen wollten.
David: Es ist auf jeden Fall eine krasse musikalische Weiterentwicklung. Die Reise ist irgendwie stimmiger, finde ich. Ich würde sagen, ein Album, das nur aus einer Schiene besteht, würde uns auch gar nicht zu Gesicht stehen. Unsere Shows sind auch nicht einseitig, wenn man sich das mal vor Augen hält. Wenn wir jetzt ein reines Technoalbum gemacht oder generell nur einen Stil verfolgt hätten, dann wäre es wahrscheinlich super langweilig geworden und hätte nicht so viele Facetten gezeigt, wie wir sie üblicherweise live zeigen.
Hannes: Es ist wichtig, die Leute bei einem Album mit auf eine Reise zu nehmen. Und das schaffen wir auch live ganz gut.
Holger: Aber was denkst du denn darüber? Erkennst du uns da in jedem Song wieder?

Schwierige Frage. Man erkennt auf jeden Fall eine riesige Weiterentwicklung. Der „Hupdiwup-Sound“ von damals ist auf jeden Fall weg.

Hannes: Wir haben tatsächlich einen Ordner auf der Festplatte, der „Hupdiwup“ heißt.
Holger (lacht): Genau, Humpa Humpa. Aber ich glaube, dass ist eben genau das. Wenn man einen Longplayer macht, ist es eine totale Freude, dass die BPMs keine Rolle mehr spielen. Bei der Albumproduktion kannst du sagen: Lass uns mal was anderes machen. Wir haben in den Jahren viele Skizzen angefertigt, viele Tracks produziert – aber die meisten davon haben nicht mehr zu unserem heutigen Stand gepasst und sind daher nicht fertiggestellt geworden.
David: Aber da ist noch unglaublich viel anderes Material, das bei uns rumliegt. Der Plan ist, immer ein wenig nachfeuern zu können.

Das heißt, über einen Mangel an Neuem von euch brauchen wir uns auch in Zukunft keine Sorgen zu machen?

Holger: Auf keinen Fall! Also nächstes Jahr soll es mal wieder clubbiger werden. Das Album sollte ein wenig konzeptionell sein. Deswegen haben wir uns gesagt, dass wir im nächsten Jahr auch mal wieder etwas für die Clubs an den Start bringen.
David: Wir haben wie gesagt vieles ausgeklammert, das nicht auf das Album passte. Aber ich bin letztens die ganzen Sachen noch einmal durchgegangen. Dabei habe ich noch so einige Perlen entdeckt. Holger: Mit dem ganzen Material, das wir noch auf Lager haben, könnten wir im nächsten Jahr vermutlich noch zwei weitere neue Alben raushauen. / Janosch Gebauer

Review: AKA AKA & Thalstroem – Connected (Burlesque Musique)
Aus dem FAZEmag 045/11.2015
Foto: David Rasche