Seit über 15 Jahren ist Ron Flatter im Geschäft und aus der Szene nicht mehr wegzudenken. Nach „Growth Rings“ erscheint nun sein zweites Album „Muscle Of Synths“, und zwar ebenfalls auf dem hauseigenen Label Pour La Vie.

Ron Flatter - Soulport 55

Nach einer Reihe von Veröffentlichungen auf Labels wie Einmusika Recordings, Katermukke oder Definition:Music hat sich Ron abermals dafür entschieden, die Zügel selbst in der Hand zu halten und sein Album in der eigenen Soundschmiede zu veröffentlichen. „Ich wollte die komplette Kontrolle und Freiheit haben, kein Einmischen und keine Auseinandersetzungen wegen der Grafiken, des Sounds oder des Release-Dates“, erzählt der Hallenser. Er veröffentliche gerne auf anderen Labels, doch ein Album sei etwas ganz Persönliches für ihn und genieße daher einen höheren Stellenwert.

Bekanntlich steckt in Klingeldrähten ja auch Strom. Doch versteht sich „Muscle Of Synths“ eher als eine riesige Kabelpeitsche mit einem sehr dicken Bizeps an Sounds. „Die Stärken eines Synthesizers wollen gefunden werden und für alle Album-Tracks habe ich die für mich persönlich stärksten Muskeln gefunden. Hinter dem Titel verstecken sich zehn energiegeladene Tracks mit vielen unterschiedlichen Synthesizern, an denen ich die Muskeln spielen ließ“, schwärmt Ron vom Ergebnis. Und diese Energie spürt man durchweg. Alle Tracks sind tanzbar, es gibt keine Pausen, keine Chill-out-Tracks oder Interludes, wie für ein Album sonst typisch. Für Ron ist es „wie auf den Dancefloor zu kommen. Es geht gleich zur Sache.“ Der erfahrene DJ und Produzent versteht es, die Tanzflächen dieses Planeten auch ohne großes Geplänkel zum Kochen zu bringen: „Die Tracks kann man getrost hintereinander spielen, ohne dass die Leute das Gefühl bekommen, gleich einzuschlafen.“
Trotz der Erfahrung aus knapp zwei Dekaden und mittlerweile über 150 Releases ist es für Ron immer wieder eine Herausforderung, sich neu zu erfinden und noch mal einen drauf zu setzen. „Über die Jahre ist da eine Menge zusammen gekommen und ich muss selbst sagen, dass ich sehr überrascht und auch stolz bin, auf so viele Releases zurückblicken zu dürfen. Doch ich wollte nun etwas Zusammenhängendes schaffen, etwas, das nicht zerteilt wird und auf unterschiedlichen Labels erscheint.“ 

Ein ganzes Album produziert man natürlich nicht am Stück. Inspiration und Schaffenskraft müssen schon im Einklang sein, um daraus ein großes Ganzes zu formen. „Jeder von uns hat ja mal eine Schaffenskrise und man weiß nicht, ob das alles noch cool ist oder ob es überhaupt das ist, was man will. So ging es mir mit dem Album zur Halbzeit. Wenn man diese Phase einmal überwunden hat und daran gewachsen ist, geht es mit großer Geschwindigkeit weiter.“ 

Es war ein Hoch der Gefühle für Ron, der selbst heute bei unzähligen Nachtschichten nie müde wird. „Na klar werde auch ich müde, aber nur dann, wenn es Zeit wird, schlafen zu gehen. Ich glaube, dass ich sehr neugierig und zielstrebig bin und immer nach rechts und links schaue, was mich beflügelt und mein Antrieb ist“, so Flatter. Seine Inspiration holt er sich aus dem Alltag, was für ihn aber schwer in Worte zu fassen sei, denn „manchmal kann es auch nur eine Fliege sein, die am Fenster vorbei fliegt“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Fliegen ist ein gutes Stichwort, denn zu jedem Album gehört auch eine Tour. Nachdem er zuletzt in Tel Aviv (Israel) und Jakarta (Indonesien) gespielt hat, treibt es den Muskelmann unter anderem nach Moskau (Russland), Zürich (Schweiz) und natürlich auch zu vielen Events und Festivals hierzulande. „Ich lasse meine Muskeln spielen, wo sie gebraucht werden“, sagt er lachend und betont, dass er sich sehr darauf freue, viele alte Gesichter zu treffen und neue Leute kennenzulernen.

 Auch die Zeit nach dem Album ist bereits durchgeplant. „Es stehen schon die nächsten Releases und Remixe auf verschiedenen Labels vor der Tür und auch für das Album wird es Remixe geben – darauf bin ich schon sehr gespannt.“ Und genauso gespannt sind wir auch.

Aus dem FAZEmag 074/04.2018
Text: Marcel Sterling

 

 

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