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In welch anachronistischen Zeiten wir leben, macht neben Pioneer Akai deutlich. Beide japanischen Companies traten einst an, den DJ- und Produktionsalltag zu digitalisieren. Und beide vollziehen nun die analoge Rolle rückwärts. Pioneer mit dem PLX-1000 Turntable. Akai mit der analogen Drummachine Rhythm Wolf. Dabei machten sich bereits in den 90ern ganze Sounddesign-Heerscharen daran (übrigens auch Akai selbst), ihre analogen Drumboxen in allen Facetten zu samplen, um sie auf dem weitaus flexibleren MPC verfügbar zu machen. Alles für die Katz? Der Wolf muss es zeigen.

Harter Retro-Hund
An der Verarbeitung des Wolfes gibt es absolut nichts zu mäkeln: Zwei Kilogramm analoge Hardware-Kultur verpackt in ein flaches Metallgehäuse hinterlassen einen ebenso formschönen wie stabilen Eindruck. Die angenehm zu führenden Potis sind ebenfalls über jeden qualitativen Zweifel erhaben, zudem wurden sie im fingerfreundlich weiten Abstand aufgebracht. Am unteren Geräterand warten 16 Stepbuttons auf klassische Schritt-für-Schritt-Eingabe der Klänge. Als Highlight hat Akai seinem Vierbeiner schließlich noch ein drucksensitives Pad pro Instrument spendiert. Kurzum: So stellt man sich eine auch für den Live-Einsatz geeignete Drumbox vor. Anschlussseitig hat das Gerät ebenfalls mehr zu bieten, als man es für einen Klopfer derr 200 EUR-Preisklasse erwarten könnte: Sowohl klassische Midi-Ports wie auch ein USB-Anschluss und sogar jeweils ein Gate-In und –Out sind vorhanden.

In der Bedienung angenehm handzahm
Die Drumprogrammierung direkt amGerät ist in weiten Teilen eine einfache und vor allem spaßbringende Angelegenheit. Entweder man entscheidet sich für die klassische Lauflicht-Programmierung oder anschlagdynamische „Performance“-Eingabe mittels der Pads, welche dann bei Wechsel in den Lauflicht-Modus wieder als Steps dargestellt werden. Zwischen den Modi lässt sich im laufenden Spielbetrieb umschalten. Das ist auch notwendig, denn im Performance-Mode lassen sich die Eingaben wieder „abräumen“. Die Steps der Drumsounds können übrigens auch nachträglich nicht wertdefiniert im Lautstärke-, Tonhöhen- oder sonstigem Verhalten editiert werden. Das Drehrad im linken oberen Eck samt dreistelligem Display ist fast ausschließlich der Einstellung der BPM-Geschwindigkeit vorbehalten. Ausnahme bildet der Bassklang. Dieser lässt sich, auch im laufenden Spielbetrieb, durch Halten des gewünschten Steps und Drehen des Temporades in der Tönhöhe verändern. Was bei allen Instrumenten als Alternative zur wertegenauen Lautstärkeeinstellung pro Stepmöglich ist, ist die Intensität des Anschlagverhaltens in vier festgelegten Velocity-Stufen.Wenn man sowill, eine Art erweiterte Accent-Vergabe, wie man sie von klassischen Drumboxen kennt. Die Pattern lassen darüber hinaus in der Länge verkürzen, automatisch fillen und je zwei Variationen auf einen der insgesamt 16 Speicherplätze legen. Eine da Verknüpfung zu Songs ist allerdings nicht vorgesehen.

Jetzt heißt es Zähne zeigen: Der Klang
Gerne würden wir berichten, wie durchsetzungsfähig und weitreichend veränderbar die Klänge durchweg sind. Sind sie aber nicht. Sechs Instrumente lassen sich insgesamt anwählen, darunter zunächst die 808-weiche Kick, die im Grundsound ebenfalls brauchbare Snare und ein Clave-naher Percussion-Sound. Vier Regler stehen diesen ersten drei Instrumenten jeweils zur Verfügung; zieht man allerdings Volume, Tune und Decay ab, bleibt nicht viel zur Klanggestaltung. Bei der Bassdrum hat man lediglich noch Zugriff auf den Attack und bei Snare sowie Percussion auf die Noise-Einstreuung. Hinzu kommt, dass die Sounds nur sehr begrenzten Einstellungsbereichen wirklich gut klingen. Etwas enttäuschend fallen die Instrumente vier und fünf (Open- und Closed Hi-Hat) aus. Diese teilen sich neben dem Lautstärke-Poti auch die einzigen Klangregler für Tune und Decay. Was dazu führt, dass sich Open und Closed im sehr metallischen Klang bis zu einem gewissen Decay-Grad kaum unterscheiden. Hier wäre eine Regelertrennung der beiden Instrumente, und sei es über Shift, wünschenswert gewesen. Ob das, wie vielleicht auch einige andere nicht direkt am Gerät vollziehbare Einstellungen (Panoramaposition o.ä.) über externe Midiansteuerung möglich ist, konnten wir leider nicht detailliert prüfen. Die im Handbuch versprochene Midi-Implementierungstabelle war bis zum Redaktionsschluss* auf der Akai-Homepage leider nicht hinterlegt. Gehen wir einfach mal davon aus, dass sich der Wolf über Midi ebenso weitreichend im Klangverhalten steuern lässt, so wie sich selbst bestens als Controller für andere Hard- und Software-Tools eignet.

Nicht unterschlagen wollen wir noch den Bass als sechstes Instrument. Mit insgesamt sechs Reglern ist dieses vergleichsweise üppig ausgestattet, zudem lässt sich der Oszillator im Schwingungsverhalten zwischen Rechteck und Sägezahn umschalten. Solange man sich im tieffrequenten Bereich bewegt, klingt das zweipolige 12dB Tiefpassfilter auch wirklich anständig. Die Steigerung der Resonanz führt jedoch nicht zum erhofften Zirpen oder wölfischem Knurren, stattdessen fällt die Signallautstärke überproportional stark ab. Wer nach einem aggressiven Schmatz- und Zwitscherbegleiter, wird nicht befriedigt. Allerdings lässt sich der Basssound durch Einstecken eines Kabels in den Synth-Out vom Gesamtsignal abziehen und beispielsweise durch externe Filter nachschärfen. Schön wäre es gewesen, wenn man auch die anderen Instrumente über den Einzelausgang hätte routen können. Aber wir wollen mit den Wünschen angesichts des nochmals betont moderaten Wolfpreises nicht unfair werden. Der Rhythm Wolf besitzt übrigens selbst auch noch eine globale Verzerrerstufe namens „Howl“ (Geheul). Diese ist im niedrigen Einstellungsbereich auch auch sehr gut geeignet ist, um den Gesamtsound emehr Ausdruck und Kompression zu verleihen. Spätestens ab halber Regleröffnung macht sich allerdings ein deutlich vernehmbares Grundrauschen bemerkbar.

Das Fazit: Eine haarige Sache
Was unter dem Strich bleibt, ist ein hervorragend verarbeitetes Einsteigerinstrument, dass in den Disziplinen Verarbeitung, Ausstattung und Bedienung sowie der damit verbundenen Controllereigenschaft eine mehr als preisadäquat gute Figur abgibt. Anlass zur Kritik geben die Sounds. Den Rhythmiker als Wolf im Schafspelz zu bezeichnen, wäre übertrieben, die Instrumente lassen an Durchsetzungsfähigkeit, Abstimmung und Flexibilität vermissen. Da ist auch nichts dabei, was man als klanglich „unique“ bezeichnen könnte. Hier wäre es besser gewesen, den Bass-Bonus einfach wegzulassen und sich voll auf die Eigenschaften als Drummachine zu konzentrieren.

Akai Rhtyhm Wolf
Analoge Drummachine mit Basssynthesizer
Schlaginstrumente: Kick, Snare, Percussion (Clave), Open/Closed Hi-Hat
Synth: Zweipoliger 12 db LP-Filter mit Rechteck/Sägezahn
Step Sequencer mit 2x 16 Steps, Fill-Funktion
6 anschlagdynamische MPC Pads
Step- und Performace-Mode
4-stufiges Velocity pro Step
Tie (Bindebogen) für Basssynth
Intsrument Mute und Solo
16 Pattern speicherbar
Swing Funktion
Howl-Verzerrer
USB-MIDI, 5-pol. MIDI In/Out/Thru, Gate Trigger
Preis: 199 EUR UVP
www.akaipro.com

* FAZEmag Ausgabe 033/11.2014