„In meiner Jugend hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich einmal Künstler werde und aus meiner Passion einen Beruf machen kann. Viele Dinge, die ich in den letzten Jahren erleben durfte, sind unglaublich, aber dass ich bei diesem Projekt mit Hans Zimmer zusammenarbeiten kann, ist eine schon spirituelle Erfahrung auf einem noch einmal ganz anderen Level. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein riesiger Fan von Hans Zimmer bin. Seine Arbeiten haben bei meiner musikalischen Reise immer eine große Rolle gespielt. Ganz besonders ›Time‹ – ich glaube, das ist mein Lieblingsstück überhaupt. Dass meine Version davon nun als offizieller Remix eines Werks von Hans Zimmer veröffentlicht wird, ist der schiere Wahnsinn. Für diese Möglichkeit bin ich so unendlich dankbar!” (Alan Walker)


Er ist der „Michael Jackson der Filmmusik“. Seine Meisterwerke kennt jeder, der schon einmal einen internationalen Blockbuster gesehen hat. Außerdem ist er einer der Deutschen, die es im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten” geschafft haben, in den USA. Hans Zimmer ist zweifelsfrei der „Godfather of Film Scores“. Von Klassikern wie „Rain Man“, „Thelma & Louise“ und „Der König der Löwen“ bis hin zu „Interstellar“, „Fluch der Karibik“ und „12 Years a Slave“ – der Sound des gebürtigen Frankfurters und Oscar-Preisträgers ist von den weltweiten Kinoleinwänden nicht mehr wegzudenken. Seine klassischen Filmkompositionen sind klanglich mal bombastisch, brachial und exzessiv; mal zutiefst emotional, gänsehauterregend, zu Tränen rührend. Sie begeistern alle Generationen. So auch einen jungen Norweger, der in Sachen Erfolg ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt ist. Sein Nummer-1-Hit „Faded“ führte wochenlang die globalen Charts an, verkaufte sich bis heute knapp neun Millionen Mal, ist in Heavy Rotation der internationalen Radiostationen und zählt zu den meist gespielten Club-Tracks überhaupt. Alan Walker hat eine beachtliche Bilanz vorzuweisen – und das mit gerade einmal 22 Jahren. Aber auch mit 22 Jahren hat man noch Träume. Ein ganz großer Wunsch wurde dem jungen Mann mit dem Hoodie erfüllt, als er „Time“ aus dem Science-Fiction-Streifen „Inception“ von Regisseur Christopher Nolan ein neues musikalisches Gewand verpassen durfte. Wir haben uns in Zeiten der Corona-Krise mit dem sympathischen Freigeist in sicherem Abstand getroffen: virtuell. Und ihm ein paar Fragen gestellt.

 

Alan, schön, dass du Zeit hast. Am 15. Mai kam mit „Time” deine neue Single auf den Markt, eine Koproduktion. Erzähl doch bitte etwas über die Idee dahinter, den Entstehungs- und Produktionsprozess und wie lange am Song gearbeitet wurde.

Schon von klein auf wurde ich beim Musikmachen immer von verschiedenen Elementen inspiriert. Filmmusik und Soundtracks waren für mich enorm wichtig. Und die Sounds von Hans Zimmer spielten eine große Rolle in meiner musikalischen Reise. „Time”: Es war ein interessanter Prozess, an dem ich einige Jahre gearbeitet habe. Ich kreierte einen Edit vom Originalstück. Und diesen Cut habe ich dann bei meinen Shows gespielt. Später hatte ich das Glück, bei einem Konzert von Hans Zimmer dabei sein zu dürfen. Und ich bekam sogar die Gelegenheit, ihn zu treffen. Wir beschlossen, den Remix als ganz offizielles Release zu veröffentlichen. Aber alles in allem hat es schon lange auf sich warten lassen.

Eine Woche später erschien das Musikvideo zum Track. Hans Zimmer spielt Klavier, du legst auf. Im Hintergrund: eine surreal wirkende Kulisse. Wie seid ihr in Sachen Planung und Umsetzung in Zeiten der Corona-Krise vorgegangen?

Durch den weltweiten Lockdown standen wir vor offensichtlichen großen Herausforderungen, was den Videodreh angeht. Wir haben uns jedoch entschlossen, genau das zu unserem Vorteil zu machen, um eine Geschichte zu erzählen, die in die gegenwärtige Zeit und Situation passt, in der wir aktuell alle leben. Ich arbeite seit geraumer Zeit eng mit Kristian Berg zusammen, der bei vielen meiner Musikvideos Regie geführt hatte. Seine Idee war, Bilder von Hans und mir zu nehmen, plus atemberaubendes Bildmaterial aus einer ganz anderen Welt. Da niemand von allen Beteiligten aus den bekannten Gründen reisen konnte, mussten wir rund um den Globus Leute finden, die uns helfen konnten.

Pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum von „Inception” erscheint „Time” auch als Doppel-Vinyl-Special. Hast du selbst das DJ-ing an den Turntables erlernt oder bereits mit den digitalen Medien?

Als ich ein Teenager war, interessierte ich mich sehr für die Musikproduktion. Und ich kann sagen, dass ich alles über das Internet gelernt habe. Ich glaube, mit den Ressourcen, die wir heute haben, ist es für jeden möglich, Musik zu produzieren. Die Kunst des Auflegens habe ich später gelernt, als ich erste Anfragen für Shows bekam. Und ich lerne immer noch und versuche, mein Handwerk stets zu verbessern.

Hans Zimmer ist ein Idol für dich. Was fasziniert dich an seinem Sound? Schließlich seid ihr in völlig unterschiedlichen Musiksparten unterwegs.

Schwierig, das genau zu sagen, aber ich liebe definitiv die Melodien und die Melancholie in seinen Werken. Und mir imponiert, welch große Rolle sie zur Formvollendung von Filmen spielen. Der Sound von Hans Zimmer ruft in mir eine ganz neue Dimension von Gefühlen hervor.

Warum hast du dich für „Time” entschieden und nicht für ein anderes Werk des Filmkomponisten?

Das ist einfach: „Time” ist mein absolutes Lieblingslied.

Wird es weitere Remixe von Hans-Zimmer-Stücken geben?

Da wäre ich auf jeden Fall sofort dabei!

Hans Zimmer sitzt im Video am Klavier. Du spielst selbst auch Piano. Wie wichtig sind „echte” Instrumente in der elektronischen Musik?

Ich habe das Gefühl, dass „richtige” Instrumente in der elektronischen Musik eine Schlüsselrolle spielen. Und ich versuche oft, verschiedene Sounds und Elemente zu integrieren und verschmelzen zu lassen. Ihr findet in meiner Musik immer wieder organische Elemente, sprich echte und live eingespielte Instrumente.

Wenn du im Studio bist: Womit beginnst du die Produktion? Beat, Melodie, Vocal-Line? Und welche Technik setzt du ein?

Kommt darauf an. Wenn ich bei null starte, dann ist das Erste, was ich in einem neuen Projekt mache: eine Melodie zu finden, die mir gefällt. Ich glaube, das ist das wichtigste Element in einem Song. Anschließend versuche ich, die Melodie mit einer passenden Cord Progression auszubauen, um die Stimmung zu beeinflussen und zu erzeugen. Danach geht es darum, die richtigen Klänge zu finden, um die Produktion „rund” zu machen. Ich arrangiere alles so, dass es perfekt miteinander harmoniert.

„Mit jemandem zu arbeiten, dessen musikalischer Werdegang von meinen frühen Werken beeinflusst wurde, macht mich wirklich demütig. Ich bin stolz darauf, gemeinsam mit Alan Walker seinen Remix von ›Time‹ zu veröffentlichen. Das Stück bedeutet mir sehr viel, und ich freue mich wahnsinnig, es in dieser Version mit der Welt teilen zu können. Wir müssen jetzt mehr denn je junge Köpfe inspirieren, die Gestalter von morgen zu sein – und ich hoffe, dass dies hier ein Beispiel dafür ist.“
(Hans Zimmer)

Seit mehreren Wochen steht die Welt still. Wie wichtig ist es für dich in dieser Zeit, über die sozialen Medien den Kontakt zu deinen Fans und Followern zu wahren? Viele Acts legen zu Hause auf und streamen ihre Wohnzimmer-Gigs. Wie ist das bei dir?

Über meine Social-Media-Plattformen war ich schon immer sehr eng mit meinen Fans verbunden. Dank der jüngsten Entwicklungen ist der Kontakt aber noch viel wichtiger geworden, dass wir online in Verbindung bleiben. Deshalb investiere ich viel Zeit und Energie, um mich ganz aktiv mit meinen Fans auszutauschen.

Das Virus trifft die Eventbranche mit voller Härte. In Deutschland sind alle großen Events, Festivals, Konzerte und Co. bis mindestens Ende August verboten. Wie ist der Status quo in Norwegen momentan?

Die Situation in Norwegen ist der in Deutschland ziemlich ähnlich. Langsam beginnt sich die Lage wieder zu normalisieren, aber Live-Events und Festivals werden definitiv für eine ganze Weile noch nicht stattfinden.

Wie gehst du persönlich mit dem Thema Corona um? Wie schützt du dich und wie sieht dein derzeitiger Tagesablauf aus? Fühlst du dich „eingesperrt”?

Ich denke, ich gehe ähnlich damit um wie alle anderen Menschen. Ich versuche, mich an die bestehenden Richtlinien und Einschränkungen zu halten und stelle sicher, dass ich sowohl immer etwas zu tun habe als auch mit meinen Freunden und meiner Familie in Verbindung bleibe. Ich fühle mich nicht eingesperrt, weil ich mich relativ frei bewegen kann, solange ich mich an die Regeln der Regierung halte.

Glaubst du, die Weltbevölkerung wird etwas aus der Corona-Krise lernen? Wird man nach der Krise bewusster und intensiver feiern gehen und das Leben mehr genießen?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Situation den Menschen auf der ganzen Welt eine krasse Lektion erteilt hat.

 

 

Alan Walker x Hans Zimmer “Time (Alan Walker Remix)” ist in folgenden Formaten erhältlich:
Digital Audio Bundle (VÖ: 15.05.2020)
Video (VÖ: 22.05.2020)
12’Inch-Vinyl-Sleeve-Jacket (VÖ: 03.07.2020)

 

 

Hans Zimmer – Live 2021: Europe Tour
11.02.2021: Mercedes-Benz Arena, Berlin
13.02.2021: O2 Arena, Prag (CZ)
14.02.2021: Stadthalle, Wien (AT)
17.02.2021: Olympiahalle, München
19.02.2021: LANXESS arena, Köln
21.02.2021: Sportpaleis, Antwerpen (BE)
23.02.2021: SAP Arena, Mannheim
25.02.2021: Schleyer-Halle, Stuttgart
27.02.2021: Ziggo Dome, Amsterdam (NL)
28.02.2021: Ziggo Dome, Amsterdam (NL)
02.03.2021: 3Arena, Dublin (IR)
05.03.2021: The O2, London (UK)
07.03.2021: Arena, Manchester (UK)
11.03.2021: AccorHotels Arena, Paris (FR)
12.03.2021: AccorHotels Arena, Paris (FR)
14.03.2021: Hallenstadion, Zürich (CH)
15.03.2021: Hallenstadion, Zürich (CH)
17.03.2021: Unipol Arena, Bologna (IT)
18.03.2021: Mediolanum Forum, Mailand (IT)
20.03.2021: König-Pilsener-Arena, Oberhausen
22.03.2021: Barclaycard Arena, Hamburg
23.03.2021: Royal Arena, Kopenhagen (DNK)
31.03.2021: Telenor Arena, Oslo (NOR)
01.04.2021: Ericsson Globe, Stockholm (SWE)

 

Aus dem FAZEmag 100/06.2020
Text: Torsten Widua
Foto: Pal Hansen/Tore Odiin/Mohammed Sarmadawy