Alle farbenMorgen, Freitag den 23. Mai 2014 erscheint das langersehnte Debütalbum von Alle Farben mit dem Titel „Synesthesia“.
Wir haben Frans Fragen zu seinem Album gestellt.


FAZEmag: Bei deinem Künstlernamen hast du dich von dem österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser inspirieren lassen. Erst nanntest du dich ‚Hundert Farben‘, dann bist du zu ‚Alle Farben‘ gewechselt. Wie kam es dazu, wieso genau Hundertwasser? Was macht deine Faszination zu ihm aus?

Alle Farben: Meine Namenswahl hat eigentlich mehr mit meiner eigenen Geschichte zu tun. Ursprünglich wollte ich Malerei studieren und habe mich dabei von Künstlern wie Friedensreich Hundertwasser inspirieren lassen, der mir als Künstler einfach sehr gefallen hat. Auf der Suche nach meinem ersten Künstlernamen habe ich sehr naiv gesucht, muss ich aber auch sagen. Irgendwann habe ich mich dann in ‚Alle Farben‘ umbenannt, weil ich den Namen schön fand und er auch viel mehr ausdrückt, wie ich finde. Eigentlich hantierte ich ja mit allen Musikrichtungen herum, darum wurde aus ‚Hundert‘ irgendwann ‚Alle‘. Und heute passt der Name besser als je zuvor.

FAZEmag: Wie erklärst du deinen überaus rasanten Erfolg und und wie kommst du selber damit zurecht?

Alle Farben: Rasant ist immer eine Frage der Perspektive, immerhin arbeite ich schon seit fünf Jahren in Vollzeit an meinem Projekt. In diesem Zeitraum gab es auch Rückschläge und nicht nur immer den Aufwind; es gibt Phasen, in denen einfach mal nichts passiert.
Und schlussendlich wandelt sich ja mit dem Erfolg auch dein Alltag oder dein Berufsleben. Da kannst du nicht nach dem Wochenende mit den Auftritten einfach mal die Woche blau machen und nicht ans Telefon gehen. In der Woche stehen ja dann Studiostunden und Bürozeiten an, das unterschätzen viele. Ich genieße den Erfolg natürlich, diese Anerkennung zu bekommen, ist ja schließlich eine Bestätigung meiner Arbeit. Also das ist genau das, was glaube ich jeder Künstler möchte. Dass die Musik gemocht wird. Und dass man sich damit auseinandersetzt.

FAZEmag: Wer viel Erfolg hat, hat auch viele Feinde. Das ist ja allgemein bekannt. Im Internet wird dein Sound auch gerne als ‚Kuschel-Techno‘ bezeichnet. Wie gehst du damit um?

Alle Farben: Klar, ich bin nicht ‚Everybody’s Darling‘, man kann es natürlich nie allen Recht machen. Aber das ist auch gut so, immerhin reden auch diese Leute über mich und tragen mich weiter. Und der Erfolg gibt mir dann auch den Rückenwind zu sagen, ‚Hey, da stehe ich drüber!‘. Wenn einer schreibt, ‚Dieser Alle Farben hat überhaupt keinen Geschmack‘ und 100 seiner Freunde lesen das, sind das vielleicht wieder 10 Leute mehr, die mich neu kennenlernen, aber nicht geschmacklos finden.

alle farben live

FAZEmag: Deine Musik lässt sich nur schwer in eine bestimmte Schublade stecken. Du bist ein Fan davon, Genres verschmelzen zu lassen. Inwiefern denkst du, dass allgemein betrachtet dieses mittlerweile für Deutschland klassische Schubladendenken (‚Techno ist Techno‘, ‚Hip Hop bleibt Hip Hop‘) immer weiter in den Hintergrund rücken wird?

Alle Farben: Ja, da bin ich ein Fan von (lacht). Dieses Schubladendenken wird früher oder später komplett überholt sein. Ich gehe zum Beispiel gerne auf Rock’n’Roll-Parties, auch um mal aus meiner Technoclub-Schublade herauszukommen. Und genauso präsentiere ich Musik in meinen DJ-Sets – außerhalb von Schubladen. Nicht zuletzt merkt man das vielleicht auch dadurch, dass elektronische Musik immer mehr in den Charts zu finden ist und inzwischen einfach diese breite Masse an Menschen erreicht. Das wäre vor 15 Jahren noch undenkbar gewesen, da war die Love Parade ein Raver-Phänomen.

FAZEmag: Früher warst du Konditor, heute kochst du sehr gerne. Ist das für dich eine Art abzuschalten und was hast du sonst noch für Hobbys?

Alle Farben: Dadurch, dass ich ‚DJing‘ irgendwann zu meinem Beruf gemacht habe, habe ich es natürlich als Hobby verloren. Ich komme nach einem Wochenende nicht mehr nach Hause und denke mir als erstes, ‚Boah, jetzt mal ne Platte drehen.‘ Andersherum habe ich dann aber das Kochen wieder zu einem Hobby machen können, ich habe es wieder neu entdeckt. Für mich ist das die perfekte Art abzuschalten. Ich habe damit etwas gefunden, was ich für mich behalten kann, auch wenn ich es mit viel Elan und Können mache, aber ich muss das niemandem präsentieren, wie z. B. meine DJ-Sets.

FAZEmag: Synesthesia ist der englische Ausdruck für Synästhesie und bezeichnet die Kopplung zweier oder mehrerer physisch getrennter Bereiche der Wahrnehmung, z.b. Farbe und Temperatur, im engeren Sinne die Wahrnehmung von Sinnesreizen durch Miterregung der Verarbeitungszentren im Gehirn eines Sinnesorgans, wenn ein anderes gereizt wird. Warum genau dieser Album-Titel?

Alle Farben: Auf den Namen Synesthesia bin ich gekommen durch den Arbeitstitel vom Album. Der war nämlich: ‚I think in colours that don’t exist.‘ Googelt man das, kommt man ganz schnell auf Synesthesia und Synästhesie. Das war so schlüssig für mich, dass ich gesagt habe, das passt wie die Faust aufs Auge. Das ist genau das, wie ich mein Album nennen möchte.

FAZEmag: Das Album hast du, sehr klassisch, mit Musikern bzw. einer ganzen Band im Studio aufgenommen, anstatt auf dem Computer. War das für dich wichtig hier einen klassischen Weg zu gehen? Erzähle uns doch ein wenig über den Entstehungsprozess.

Alle Farben: Ja, das war sehr wichtig für mich. Ein Album oder ein Song klingen einfach anders, wenn man es live einspielen lässt. Das Wichtigste aber war das, was beim Aufnehmen passiert. Zusammen hat man im Studio eine ganz andere Energie, als ein Samplepack auf deinem Rechner erzeugen kann. Erst diese Art zu arbeiten, gemeinsam über den Songs im Studio zu sitzen, hat das Album schlussendlich auch zu dem werden lassen, was es am Ende geworden ist. Man geht mit seinem Songs ins Studio, und dann kommen erst die Instrumente dazu. Zum Beispiel bei ‚On And On‘, da war ein Vocal-Intro mit Synthie-Melodie geplant, aber als der Cellist es dann einmal eingespielt hatte, war es einfach viel besser ohne die Vocals. Und diese Momente verpasst du halt, wenn du nicht ausprobieren kannst. Insgesamt hat die Arbeit am Album knapp 10 Monate gedauert, von den ersten Ideen bis hin zum Mastering. Und auf dem Weg dahin gab es einfach viele glückliche Zufälle.

FAZEmag: Ein Debüt-Album ist ja in gewisser Weise immer etwas Besonderes und kann andere Reaktionen hervorrufen als eine Single oder ein Remix. Was erwartest du für Reaktionen von dem Album, was für ein Gefühl hast du?

Alle Farben: Das Album ist ein ganz neuer Weg für mich als Künstler. Vorher war ich ja vor allem DJ und habe auch Remixes und einzelne EPs gemacht. Jetzt gehe ich mit diesem Album doch ein Stück weit raus aus dem Club, obwohl ich für den Club bekannt bin. Aber das mache ich auch sehr bewusst. Ich wollte gezielt etwas Neues machen, den Bandcharakter verfolgen, mit Instrumentalisten arbeiten, einen Sänger auf Songs holen. Ich glaube, es wird natürlich geteilte Meinungen geben, aber generell doch gute. Meine persönlichen Erwartungen sind auf alle Fälle übertroffen.

FAZEmag: Die Vorab-Single ‚She Moves‘ ist sehr erfolgreich und wird voraussichtlich Top Ten in Deutschland gehen. Das Timbre der Vocals erinnert ein wenig an ‚One Day‘ von Wankelmut bzw Asaf Avidan. Stört dich diese Assoziation oder ist sie beabsichtigt?

Alle Farben: Also da muss ich vielleicht auch noch eine Anekdote aus der Studiozeit erzählen, was die Entstehung des Songs angeht.
Ursprünglich war das Stück mit dem Piano eingespielt und klang noch viel clubbiger, das war ein vollkommen anderes Lied. Der Gitarrist, der für andere Songs im Studio war, fing irgendwie einfach an dazu zu jammen, und wir haben das aufgenommen. Das hat uns vollkommen überwältigt. Zu dem Zeitpunkt gab es auch noch keinen Sänger, und dann sagte er: ‚Hey, ich kenne da jemanden, der würde voll gut passen‘, und so lernte ich Graham kennen. Es hat alles zusammengepasst, und am Ende war der fertige Song einfach so stark, da haben wir gesagt: Das wird die erste Single.

 

Und hier könnt ihr in die aktuelle Single hineinhören:

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