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Facebook zeigt es an: Geburt am 29. Juli 2006. In wenigen Tagen ist es so weit und Adrian Wöllhaf und Samuel Gmür aka Adrian Flavor und Samy Jackson aka Animal Trainer feiern ihr zehnjähriges Jubiläum. Sie veröffentlichten in dieser Zeit auf Imprints wie Hive Audio, Katermukke, Stil vor Talent, My Favorite Robot und Poker Flat. Aber nicht nur sie feiern Geburtstag, auch der Hive Club – so etwas wie die Geburtsstätte der beiden Züricher – zelebriert ein zehntel Jahrhundert. Neben all den Festlichkeiten verantworten sie in diesem Monat auch den offiziellen FAZEmag Download-Mix. Und ehe ihre neueste Produktion auf mobilee erscheint, haben wir uns mit den beiden Schweizern auf Ibiza zum Gespräch getroffen.

Eine Zeit voller Jubiläen bei euch. Fangen wir bei euch als Act an: wie rekapituliert ihr diese Zeit?

Adrian: Wir haben beide in jungen Jahren in einem Hip-Hop-Club gearbeitet. Ich habe dort die Technik betreut und ab und zu auch Artist-Care gemacht. Irgendwann bei einer Betriebsfeier in einem Wald meinte der Boss, es sollten doch alle etwas Musik mitbringen. Samy und ich standen am Schluss da und haben vor 20 Leuten total besoffen sechs Stunden aufgelegt, das war ziemlich lustig. Generell war der Club damals ziemlich angesagt. Alle zu der Zeit großen Namen wie Grand Master Flash und fast jeder DMC-Champion waren dort. Ich habe mich allerdings nicht lange in der Hip-Hop-Bewegung wohlgefühlt, das wurde mir irgendwann alles zu aggressiv. Irgendwann hat mich ein Kumpel auf einen Rave mitgenommen, da hatte sich die Sache mit dem Hip-Hop dann recht schnell erledigt und ich habe mich eigentlich nur noch mit Techno und House befasst. 1992 war ich dann auch in Zürich auf der ersten Streetparade und ich war völlig hin und weg. Ich habe in kleinen Bars aufgelegt, anschließend wurde ich Resident-DJ bei Fresh & Stable, im Club Supermarket, im Club Q und danach im Spyder Galaxy. Letzterer hat mich wohl neben dem Hive von allen Clubs am meisten geprägt. Man hat dort immer vier bis sechs Stunden gespielt. Wenn ich da samstags einen Slot hatte, bin ich freitags rein und Sonntag hat mich der Club wieder ausgespuckt.

Samy: Als wir vor zehn Jahren mit Animal Trainer anfingen, war ich eigentlich an einem Punkt in meinem Leben, wo ich gar keinen Bock mehr darauf hatte, DJ zu sein. Ich habe in Indie/HC-Bands Gitarre gespielt, war gerade Vater geworden und den Umständen entsprechend war ich zu großen Teilen aus dem Partyleben raus. Auflegen war für mich auch mehr ein Hobby, als dass ich ernsthaft daran gedacht hätte, eines Tages davon leben zu können. Die Gigs fanden in Bars oder als Warm-up-Sets für größere Namen statt. Meine Karriere im Nachtleben ging ganz klassisch auf der untersten Treppenstufe an der Garderobe los, dann habe ich Adrian kennengelernt im jetzigen Hive, das damals UG hieß und wo ausschließlich Hip-Hop lief. Als Freunde von uns dann den Club übernommen haben und das Hive daraus machten, haben wir mit zwei Freunden das Partylabel Rakete gestartet. Wir übernahmen direkt das erste Wochenende nach dem großen Opening. Meine Idee war eigentlich, das Warm-up zu spielen und mich danach hinter die Kulissen als Veranstalter zurückzuziehen. Irgendwann waren allerdings alle Acts durch und der Laden noch voll. Also haben Adrian und ich zum ersten Mal in der Öffentlichkeit ein b2b-Set gespielt – bis in die Mittagsstunden. Genau das hat in mir erneut das Feuer entfacht und war die Geburtsstunde von Animal Trainer.

Adrian: Man kann durchaus sagen, dass wir über die Zeit mit unseren Partys in der ganzen Stadt, danach in der Schweiz und schließlich auch über die Landesgrenzen hinweg bekannt geworden sind. Wir spielen seit zehn Jahren mit sehr wenigen Ausnahmen immer von 06:00 morgens bis 12:00 mittags auf unserer Party. Bald hatten wir den Ruf der Feierschweine, die ewig spielen, und alle wollten sich das mal anhören oder uns am besten gleich buchen. Irgendwann haben wir Domenico D’Agnelli kennengelernt, der hat uns dann mit zum Thaibreak nach Thailand genommen. Dort haben wir Oliver Koletzki getroffen und ihm eine CD mit Tracks von uns gegeben. Kurze Zeit später hat er sich bei uns gemeldet und schon hatten wir unser erstes Release bei Stil vor Talent. Bis vor drei Jahren haben wir unsere Bookings mit wenigen Ausnahmen alle selbst gemanagt. Dann sagte uns Chris, der zehn Jahre das Booking für den Hive Club gemacht hat, dass er die Seite wechseln will und bei Jackmode als Booker anfängt. Wir sind mit ihm dorthin und seitdem zugebucht bis unters Dach. Wir waren schon immer eher die Typen, die für das Publikum spielen – wenn wir kopflastige Musik hören wollen, die nur wir verstehen, können wir das auch zu Hause machen.

Sammy: Wir spielen halt immer vorwärts und wollen die Tanzenden auch gerne mal überraschen. Es war nie unser Ziel, nur für die DJ-Polizei zu spielen, die sich um die DJ-Booth versammelt – wir sind bis heute sehr gerne Crowd-Pleaser.

Dann lasst uns über den Hive Club sprechen, den es nun auch zehn Jahre gibt. Wie hat sich der Club in euren Augen seitdem entwickelt, wie wichtig war er für eure Karriere und welche Ideen gibt es für die Zukunft?

Adrian: Das Hive war am Anfang nicht mehr als ein zusammengezimmertes Ding. Weiße Wände und alles noch sehr unprofessionell. Durch einen glücklichen Zufall konnte ich mir damals ein paar Prozente an dem Club sichern. Jedenfalls hatten wir eine ganz genaue Vorstellung davon, wie der Laden werden sollte – vor allem auch in musikalischer Hinsicht. Nach sechs Monaten hatten wir 250.000 EUR Schulden, weil sich anscheinend niemand wirklich für unsere grandiose Idee interessierte. Viele Veranstalter sind dann an uns herangetreten und haben mit Weisheiten geglänzt, wir sollten doch mal den Guetta buchen oder andere kommerzielle Acts, um den Laden zu füllen. Wir dachten aber eher: wenn wir untergehen, dann erhobenen Hauptes. Also haben wir unser Konzept durchgezogen. Zum Glück, denn irgendwann ist es aufgegangen. Durch unsere monatliche Reihe waren wir auf einmal auch in der Lage, Künstler zu buchen, die uns richtig gut gefallen, und somit konnten auch wir irgendwann international mitspielen. Von dieser Idee werden wir auch nicht abrücken. Es gibt immer mal wieder Acts, von denen wir wissen, dass sie den Laden nicht füllen, wir wollen sie aber trotzdem einladen, um die Kultur zu fördern. Wir haben im Club immer wieder Kunstausstellungen, Theatervorstellungen, Lesungen, Spieleabende usw. Diese Dinge sind uns wichtig, weil wir großes Interesse daran haben und auch nicht ausschließlich ein Tanzpalast sein möchten. Unser Restaurant im Club erfreut sich auch sehr großer Beliebtheit. Da gibt es hauptsächlich hausgemachte Pasta sowie täglich wechselnde Specials und man wird von Wolo, dem Restaurant-Chef, und seinem Team super umsorgt. Zudem haben wir einen Killer-Burger, der nicht nur schmeckt, wenn man besoffen ist (lacht).

Samy: Alles, wirklich alles haben wir schlussendlich dem Club zu verdanken. Animal Trainer, die Rakete und Hive Audio. Wie wohl jeder eher alternative Club war das Hive am Anfang sehr von „do it yourself“ geprägt: vieles war improvisiert und von Professionalität meilenweit entfernt. Wir mussten uns jeden einzelnen Gast knallhart erkämpfen, aber mit viel Liebe, einem roten Faden im Booking und den Partys hat sich das Hive dann nach ca. einem halben Jahr plötzlich zum Publikumsliebling gemausert. Schlagartig war der Club jeden Donnerstag, Freitag und Samstag brechend voll. Kurz darauf spielten wir auch unsere ersten Gigs im Ausland. Somit könnte man sagen, dass alle zeitgleich gewachsen sind.

Was waren die skurrilsten, lustigsten und besten Ereignisse im Hive?

Samy: Da gab es einige, wenn nicht sogar zu viele, um diese hier aufzuzählen. In der Anfangszeit haben wir nach einer Party, nach den Aufräumarbeiten gegen Nachmittag, einen Typen schlafend auf der Toilette gefunden – komplett mit Klopapier eingewickelt. Paul Kalkbrenner hat uns damals immer zweimal im Jahr beehrt, selbst als „Berlin Calling“ schon lange draußen und er in Deutschland ein absoluter Superstar war. Vor acht Jahren gab es auch eine Razzia. Licht an, Musik aus. Alle Gäste wurden kontrolliert und mussten den Club verlassen. Wir beide standen dann draußen und haben umsonst Bier verteilt, um das Prozedere etwas angenehmer zu gestalten. Als die Polizei weg war und die Gäste wieder im Club waren, fegte bei der ersten Kick-Drum eine so unglaubliche Stimmung durch den Laden, dass wir beim Gedanken daran noch immer Gänsehaut bekommen. Und dann gab es natürlich die üblichen Chaoten – Fragen, ob das Licht lauter gemacht werden könne, nach dem Blick auf die Dezibel-Anzeige auch die Frage, ob wir schneller als nur 100 Dezibel machen könnten, und so weiter. Und viele andere tolle Geschichten sind natürlich nicht jugendfrei und erzählen wir dann gerne mal persönlich.

Zeitgleich mit euch und dem Club feiert auch eure Reihe Rakete ihr 10-Jähriges.

Adrian: Unglaublich, aber wahr. Mittlerweile finden bei gutem Wetter auch Open Airs statt. Den Club bauen wir zu einigen Anlässen mit zehn Leuten auch gerne in ein komplettes Labyrinth oder zu einem Wald um. Legendär sind auch unsere Weihnachtspartys, die traditionell 24 Stunden gehen. Erst kürzlich hatten wir unser erstes richtig großes Open Air mit Jamie Jones, Andhim und Dirty Doering.

Samy: Ich erinnere mich noch an die Anfangszeiten, als wir z. B. einen holländischen DJ am Flughafen abholen sollten und dann plötzlich zwei dort standen. Zu der Zeit war es noch nicht so, das man am Züricher Flughafen gewartet hat und – so wie heute – sieben DJs angekommen sind, die man kennt. Jedenfalls dachten wir, das sei wohl ein guter Freund von ihm, den er mitgenommen hat, und alle sind ins Auto gestiegen. Wir hatten einen sehr guten Abend mit viel Wein zum Essen und Schnäpsen danach und sind dann mit den Jungs in den Club. Jedenfalls hat dann der „Freund“ vom DJ gefragt, auf welchem Floor er denn spielen würde. Wir haben dann schnell erfahren, dass auch er DJ ist, aber nicht bei uns spielen sollte. Dann ist er zu seinem Gig in Zürich gefahren und 20 Minuten nach seinem Auftritt stand er auch schon wieder bei uns an der Bar. Wir haben auch mal ein komplett falsches Duo ins Auto geladen, dann aber schon auf der Autobahn gemerkt, dass wir die Falschen hatten, und wir konnten sie gleich wieder zum Flughafen zurückfahren, wo der Promoter schon nervös gewartet hat. Man lernt ja auch dazu. Mit den Jahren wurde dann schon alles professioneller.

Mit eurem neuesten Release seid ihr nun zu Anja Schneider und ihrer mobilee-Familie gestoßen. Wie kam es dazu?

Adrian: Einerseits über die mobilee-Nächte im Hive und andererseits über Lee van Dowski, der ein sehr enger Freund von uns beiden ist. Zusammen hatten wir ja auf seiner letzten EP den gemeinsamen Track „This One Goes To Eleven“, welcher wohl guten Anklang bei Anja und Ralf fand, zumindest gut genug, um uns mal zu einem Gespräch in die heiligen Hallen von mobilee einzuladen. Da haben wir uns dann gut verstanden und beschlossen, fortan auch der mobilee-Family anzugehören, was uns natürlich sehr ehrt! mobilee ist für uns ein Label mit einem extrem guten Standing. Und ganz nebenbei sind z. B. mit Re.You und Rodriguez Jr. Acts auf dem Label, mit denen uns eine langjährige Freundschaft verbindet.

Euer Debütalbum „WIDE“ ist im Jahr 2014 erschienen. Wie sieht es mit einem Nachfolger aus?

Samy: Sehr gut. Wir haben mit der Arbeit für unser zweites Album begonnen und erste Resultate und Ideen sind festgehalten. Auch wenn das Produkt „Album“ für und von DJs eventuell nicht für jedermann Sinn macht, ist es uns doch ziemlich wichtig, auch Musik veröffentlichen zu können, die nicht auf den Dancefloor muss und keinen Regeln und Schemata unterworfen ist. Wenn man Musik für DJs produziert, ist man bis zu einem gewissen Grad eingeschränkt, und da ich einen sehr großen musikalischen Background habe, genieße ich es umso mehr, wieder „richtige“ Musik machen zu können, um da auch etwas mehr meinen eigenen Ansprüchen an die Musik als Ganzes gerecht zu werden. Deutlich vom Debütalbum unterscheiden wird es sich wohl auch bzw. der rote Faden, den ich im Nachhinein bei „WIDE“ nicht mehr sehe, wird sehr viel konsequenter sein. Vielleicht wird es schon fast eine Art Konzeptalbum, wo wir mit befreundeten Musikern sowie Sängern arbeiten werden. Meine Vision wäre, das Ganze dann auch live umzusetzen. Nicht als fixes Projekt, aber für wenige ausgewählte Shows mit Musikern und Visuals. Also kein Laptop-plus-Ableton-Live-Act, sondern ein richtiges Konzert. Release dann irgendwann 2021 oder so (lacht).

Mit welchen Tools arbeitet ihr am liebsten bzw. wer ist für was verantwortlich?

Samy: Ich glaube, eines der „Erfolgsgeheimnisse“ von Animal Trainer war schon immer, dass wir uns sehr gut ergänzen. Jeder hat seine Stärken und davon profitieren wir beide. Adrian kann z. B. viel besser Business machen, ich bin auf dem Gebiet eher eine Niete und würde wohl jedes Mal für zu wenig Gage spielen und jeden Remix machen, weil ich einfach zu nett bin oder nicht nein sagen kann (lacht). Im Moment haben wir unheimlich viel um die Ohren und da ist Adrian etwas an der Businessfront absorbiert und ich mehr im Studio, aber schlussendlich ist alles, was wir machen, ein demokratisches und gemeinsames Produkt – bei den Bookings für die Raketen-Partys, der A&R-Arbeit für Hive Audio und den Tracks, die wir produzieren. Da ich gelernt habe, Instrumente zu spielen, ist mein melodischer Input in den Tracks eventuell größer, aber Adrian ist dann auch immer meine wichtigste neutrale Bezugsperson, wenn man das so sagen kann. Es passiert, dass ich lange an einem Track arbeite, dann kommt er dazu und meint „Alter, das ist totale Scheiße“. Dann bin ich für einen Moment beleidigt, um schließlich zu merken, dass er in den meisten Fällen recht hat bzw. hatte. In Sachen Produktionstools habe ich aktuell meine Liebe zum Juno60 wiederentdeckt. Auch der Moog Voyager ist in sehr vielen Tracks zu hören. Ansonsten alles von u-he, Arturia, Spectrasonic und zum Mischen viele Waves sowie UADs, wobei die ständig Stress machen! Ich bin von Natur aus ein ungeduldiger Mensch und kann unmöglich drei Stunden an einer Kick rumnerden. Wenn es mir passt, dann lasse ich es so. Ich bin auch der Meinung, dass Musik immer eine Momentaufnahme darstellen soll und das „Unfertige“ eventuell auch etwas Schönes hat. Es gibt den Moment, wo ein Song oder ein Track nicht mehr besser wird, sondern nur noch anders. Diesen Moment zu erwischen, erachte ich als eine der größten Künste.

In den letzten zehn Jahren hat sich die Szene extrem entwickelt. Vinyl war gestern, digital inkl. Social Media ist heute. Wie habt ihr als Animal Trainer diese Entwicklung erlebt?

Samy: Am nervigsten empfinde ich es, dass man mittlerweile allein für ein Facebook-Posting einen Doktortitel in neuen Medien haben muss, um die Leute zu erreichen, die man gerne erreichen möchte. Die Vorteile von der ganzen Digitalisierung liegen wohl auf der Hand: Man kann einen Track produzieren, diesen ins Netz stellen und binnen Sekunden können ihn sich Menschen auf der ganzen Welt anhören. Jemand hat mal gesagt „Vermarktung ist der Tod der Kunst“, was ich bis zu einem gewissen Grad unterschreiben kann. Vieles findet auch in unserer Szene mittlerweile auf einer anderen Ebene statt. Via Vermarktung, Management und gezielte Produktplatzierung. An schlechten Tagen sträube ich mich dagegen, was vielleicht von meinem Hardcore- und Indie-Background kommt. Dann empfinde ich vieles als falsch, sage mir aber, dass ich ja doch den tollsten Job der Welt habe, da ich nicht in einem Büro hocken muss, das mich ankotzt, und ich die Chance habe, die ganze Welt zu bereisen, um mich in aller Öffentlichkeit zu betrinken. Dann geht’s wieder (lacht).

Adrian: Mein erster Sampler hat damals 3000 Franken gekostet und konnte vier Sekunden aufnehmen und wiedergeben. Ich wiederhole: vier Sekunden! Zu dieser Zeit habe ich auch mein erstes Handy bekommen, heute rennt ja jeder 10-Jährige mit einem Smartphone rum. Man ist halt heute in der Lage, aus seinem Schlafzimmer heraus eine Karriere zu starten. Es ist viel einfacher geworden, was aber nicht bedeutet, dass man einfacher Musik „machen“ kann. Ein Vorteil ist, dass man heute alles im Laptop hat, wofür man früher ein ganzes Zimmer gebraucht hat. In den Clubs spielen wir schon lange digital. Ich war einer der Ersten in Zürich, der mit dem Laptop angekommen ist, und natürlich haben mich alle ausgelacht. Danach war ich auch wieder der Erste mit einem USB-Stick. Da haben mich dann alle Ex-Vinyl-DJs, die nun einen Laptop hatten, ausgelacht. Ich glaube und hoffe aber, dass in der Zwischenzeit alle geschnallt haben, dass es keine Rolle spielt, wie man auflegt, sondern eher, was zu welchem Zeitpunkt.

Im „tollsten Job der Welt“ erlebt man auf Tour wohl eine Menge Positives wie auch Negatives …

Samy: Touren ist oft anstrengend, aber in erster Linie Spaß! Man muss schon beachten, dass wir hier auf sehr hohem Niveau jammern. Ich habe mir kürzlich eine Dokumentation über Iron Maiden reingezogen – eine meiner absoluten Lieblingsbands als Teenager – und diese Typen waren im Schnitt neun Monate im Jahr non-stop auf Tour, kamen nach Hause und gingen direkt ins Studio, um das nächste Album aufzunehmen, und dann ging das Ganze von vorne los. Das machen sehr viele große Bands so. Wir DJs weinen, wenn wir an einem Wochenende mal vier Gigs spielen „müssen“ und nicht allzu viel Schlaf abkriegen. Als wir neu waren bei Jackmode, mussten wir unsere Reisewünsche angeben. Nach einer Weile fanden wir heraus, dass bei mir steht: „Möchte gern im Flugzeug nicht neben Adrian sitzen“ Und bei Adrian stand: „Möchte gern im Flugzeug neben Samy sitzen“ Das hat wohl einige Veranstalter äußerst verwirrt (lacht).

Adrian: Ich mag das Touren sehr, unterwegs sein gehört irgendwie zu mir. Immer in Bewegung. Mit wenig Schlaf komme ich super klar, dafür schlafe ich dann mal auf einen Montag 14 Stunden am Stück durch. Samy geht nach dem Auflegen immer gerne ins Hotel, wenn ich mal drüber bin, ziehe ich meistens noch weiter. Einmal haben wir im Watergate gespielt und wir hatten einen sehr frühen Rückflug. Jedenfalls habe ich mir auf meinem Handy noch während des Abendessens einen späteren Flug gebucht, weil ich unbedingt einen DJ am Vormittag im Berghain hören wollte. Als dann die Bestätigung kam, habe ich geschnallt, dass ich mir einen Flug von Zürich nach Berlin gebucht habe statt von Berlin nach Zürich. Und da bei eBookers am Wochenende natürlich auch kein Schwein ans Telefon geht, habe ich mir einfach noch mal einen Flug gebucht. Nach unserem Gig im Watergate sind wir natürlich noch dort versackt und ich war irgendwann so betrunken, dass sie mich mittags nicht mehr ins Berghain reingelassen haben. Shit happens.

Animal Trainer mal ganz privat: jetzt, wo ihr schon unser Cover ziert, her mit den Geheimnissen! Was hört ihr privat am liebsten? Was sind eure Hobbys, die ihr noch nie jemandem erzählt habt? Lieblingsessen? Macken?

Samy: Ich bin grundsätzlich ein Langweiler und ein Stubenhocker. Ich lese gerne Bücher, trinke viel Tee, schaue mir gerne schlaue Dokus an und höre immer wieder gerne meine Lieblingsmusiker wie z. B. Keith Jarret, Steve Reich oder Duke Ellington. Auch stehe ich total auf Post-Rock aus Japan und besitze wohl die größte Sammlung trauriger Musik: traurige Männer, die über das Leben und die Liebe singen, dazu Whisky trinken und den Zustand der Welt beklagen. Total un-DJ-like. Drogen nehme ich auch keine, spreche nach den Partys tendenziell mit den falschen und unwichtigen Menschen, kann mich ganz schlecht vermarkten und trinke auch gern mal ein Glas zu viel. Ich wohne zwar mitten in der Stadt, aber eher zurückgezogen und genieße die Stille unter der Woche abseits vom DJ-Zirkus. Ich bin ein Stadt-Eremit und ein Szene-Rentner im Ruhestand. Ich hasse Events, auf die man nur geht, um sich sehen zu lassen. Dennoch liebe ich das Nachtleben und bin mit Leib und Seele DJ und Rampensau. Vielleicht etwas schizophren, da ich abseits der Bühne doch eher scheu und ruhig bin. Rampenlicht ist aber ein schönes Licht und alle, die diesen Job machen, lieben es.

Adrian: Ich kann mich manchmal stundenlang in Google Earth verlieren. Das ist ein fieses Hobby, welches sehr zeitaufwendig ist. Und doof. Ich höre privat viele Bands: Talk Talk, The Cure, Fleetwood Mac, Chromatics, Timber Timber – Sachen, die ich halt immer wieder hören kann. Meistens auch ältere Sachen. Womöglich bin ich einer der größten Supertramp-Fans auf Erden – die ganzen Alben höre ich mir immer wieder an und habe die Musik immer dabei. Ich mag auch die ganzen Pop-Ikonen wie Madonna, George Michael, Prince, Queen oder auch mal Phil Collins. Ist das peinlich? Ein Lieblingsessen habe ich nicht, ich bin gelernter Koch und esse praktisch alles. Am liebsten, auch noch nach 20 Jahren, haue ich mir mit Auflegen und gelegentlicher Feierei die Nächte um die Ohren.

Apropos Feierei, der Sommer ist in vollem Gange. Wie war das Jahr bislang für euch und auf welche Highlights freut ihr euch in den nächsten Wochen?

Adrian: Die Streetparade und natürlich SonneMondSterne. Auf der Streetparade haben wir dieses Jahr eine eigene Stage, bei SMS dürfen wir wieder auf der Katermukke-Stage spielen. Beim Montreux Jazz Festival haben wir die Ehre, eine Nacht zu hosten, und das Berlin, Beats and Boats finden wir immer sehr cool, da haben wir dieses Jahr auch ein eigenes Boot. Am 3. Juli feiern wir am Zürich See im Quai 61 „10 Jahre Animal Trainer“ und am 23. Juli haben wir noch ein Open Air mit unseren Freunden von der Kiste in Baden. „Zuflucht“ wird das heißen und wir haben ein sehr schönes Line-up mit Jan Blomqvist, Rodriguez Jr., Bedouin und ein paar lokalen Freunden. / Rafael Da Cruz

Aus dem FAZEmag 053/07.2016