aphex_twin_syro_artwork
Die Inszenierung war durchaus gelungen. Ein Blimp über London, ein falsches (?) ebay-Angebot tauchte auf, gesprühte Logos und ein Link im Deep Web. Ganz wie es sich gehört für diesen mysteriösen Richard D James, der in den 90er Jahren wohl zu den wichtigsten Vertretern der elektronischen Gattung gehörte, sich aber nach dem Millennium, genauer gesagt nach 2001 und seinem Album „Drukqs“, rar machte. Nun also „Syro“ und nicht wenige fragen: „Was macht Aphex Twin denn hier im Jahre 2014?“. Ein gutes Album abliefern, um es vorwegzunehmen. Das hier keine Revolution erwartet werden kann, sollte jedem klar sein. Ich habe auch die Hoffnung, das evt. die, ähm … jüngere Generation diesen exzellenten Klangarchitekten für sich entdeckt und dann auch ein bisschen im Backkatalog schnuppert. Mir hat er damals Tour und Tür geöffnet, das war mein Einstieg ins elektronische Business. Nun aber, ran an „Syro“ und los mit dem ersten Track „minipops 67“, der ja schon veröffentlicht wurde. Herrliches Geblubber und Gebrabbel (Ja, Vocals), Schrägness Galore, lässig und unverkrampft. Guter Einstieg und Vorgabe für den Rest. „XMAS_EVET“ geht etwas mehr aus sich raus, klingt weiter, halliger, weltschmerzender, aber auch hier Vocalfragmente und immer wieder diese Themensprünge. Bäumchen, wechsle dich. Und während „produk 29“  im Downtempo sehr retro daherwatschelt, ist „4 bit 9d api+e+6“ – die etwas merkwürdig anmutende Namensgebung, die schon auf „Drukqs“ zelebriert wurde, findet hier einen vorläufigen Höhepunkt – etwas kosmisch ausgerichtet, macht dennoch viel Quatsch. „180db_“, da wird der Name zum Programm und mit 130bpm geht es hier in den Technobunker, der mit ein paar rollenden Breaks gewürzt wird. Stroboattacke, der Altraver kommt. „CIRCLONT6A“ im syrobonuks mix erinnert mich an die Musik von Derrick in den 80ern, bevor Herr James, na klar, die Richtung dreht und irgendwelche Knöpfe nicht zurückdreht. Nach dem Intermezzo „  fz pseudotimestretch+e+3“ kommt nun „CIRCLONT14“ im shrymoming mix. Hektische Triebsamkeit, ein bisschen der Windowlicker’schen Aggressivität, ein bisschen R2D2, goaesk. Nun kommt der Titeltrack „syro u473t8+e“ und der ist so unverschämt funky, dass man schon überlegen muss, ob man im richtigen Panzer sitzt. Das Gefühl erledigt sich aber auch so schnell, wie es aufgetreten ist, auch hier kommt der konsequente Bruch, der zwar nicht weniger Funk, aber mehr Bleeps und auch ein bisschen Straßen von S.F. anschiebt. „ PAPAT4“ ist dann ein krachendes Hufschlaggewitter, mit Ecken, Kanten, Geklöppel. Auf die Zielgerade mit „s950tx16wasr10“, das etwas an seinem unmittelbaren Vorgänger in Sachen Breaks anknüpft, bevor wir dann beim finalen „aisatsana“ landen, das sich hier auch als klassisch ausgeprägter Epilog darstellt. Nur Piano. Eine Melodie. Es ist schön, dass er wieder da ist. Ein alter Bekannter, auf den man sich wirklich freut. Der nicht irgendeine recycelte Scheiße veröffentlicht, sondern unbeirrt seinen Weg weitergeht. Weitere Musik hat er ja angekündigt, das kann ja was werden … was soll der Geiz. Volle Punktzahl. 10/10 dr.nacht

Spaß mit Wackelaugen: Aphex Twin – Windowlicker (auf VHS!)
Aphex Twin – wie der Vater, so der Sohn …