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Und plötzlich war er da, dieser nicht mehr zu erscheinen geglaubte Sommerhit. Dafür verantwortlich zeichnet der in Nizza geborene The Avener mit „Fade Out Lines“, eine poppigangehauchte Elektronik-Version des Originals von Phoebe Killdeer and The Short Straws aus dem Album „The Singers“. Phoebe Kildeer ist besser bekannt als Sängerin der französischen Kult-Band Nouvelle Vague. Bereits im Alter von sechs Jahren erlernt der französische Produzent das Klavierspiel. Die Ausbildung am traditionellen Piano brachte ihn nicht nur mit klassischer Musik in Berührung, im Alter von 15 sollten Jazz und die französische Schule ebenfalls Teil seiner musikalischen Sozialisierung werden.

Zur elektronischen Musik fand er tatsächlich aus Langeweile. „Ich war angeödet und wollte etwas Neues anbieten, das nicht so hart, sondern smooth und elegant klingt”, sagt The Avener, dessen Name sich auf die britische Geschichte bezieht. Denn ein Avener war die rechte Hand des Königs und sorgte außerdem für die richtige Reihenfolge beim Ausritt der königlichen Pferde. In den vergangenen Jahren sorgte der 27-Jährige allerdings mehr für den Erfolg anderer Künstler. „In den vergangenen fünf Jahren habe ich für viele Künstler als Ghost-Producer gearbeitet. Das war super, denn so konnte ich mir einige musikalische Skills aneignen. Es liegt nicht in meiner Natur, das groß breitzutreten, aber man könnte sagen, dass ich für eine Handvoll weltbekannter DJs aus dem elektronischen Bereich gerarbeitet habe.“ Die Idee, nun selbst in den Vordergrund zu treten und ausgerechnet diesen Song neu aufzusetzen, ereilte ihn im Urlaub. „Ich saß am Computer und habe mir auf Youtube einige Songs angehört, plötzlich wurde mir das Original von Phoebe Killdeer & The Short Straws vorgeschlagen. Ich habe mich innerhalb weniger Sekunden verliebt und mein Label 96 Musique sofort darum gebeten, den Kontakt herzustellen. Tatsächlich hat das auch innerhalb weniger Tage geklappt. Im Studio selbst dauerte es nur wenige Stunden, bis meine Version fertig war. Es war diese eine ganz bestimmte Idee, die unbedingt in die Tat umgesetzt werden wollte. Wenn ich glücklich bin, mache ich funkige Tracks mit viel Groove. Wenn ich traurig bin, dann zieht es mich eben in die Dunkelheit. Bei diesem Song gab es absolut keine Grauzone und ich bin glücklich, dass er viel Akzeptanz findet.“ Dieser Tage wird ihm auch bewusst, wie es sich anfühlt, die Lorbeeren für erledigte Arbeit auch selbst zu ernten. „Ich wünschte, jeder könnte genau das fühlen, was ich in den letzten Tagen und Wochen fühlen durfte. Wenn man jahrelang hinter den Kulissen gearbeitet hat und immer jemand anderes im Rampen- licht stand, ist es schon komisch, plötzlich selbst dort draußen zu stehen. Nun verstehe auch ich endlich die ‚Freude des Erfolgs‘. Auch wenn es eine sehr stressige Zeit ist, könnte ich gerade nicht glücklicher sein. Das Team, das mir Tag für Tag den Rücken frei hält und mir so Platz für Kreativität gibt, leistet einen großartigen Job.“ Und so kann The Avener im Studio nun befreit an seiner eigenen Karriere feilen. „Ich bin der Typ Produzent, der sich Tagelang einschließen könnte und noch nicht einmal die Außenwelt um sich herum bemerken würde. Mein Setup im Studio ist dabei wirklich überschaubar. Ich nutze Logic 10 mit zahlreichen Plug-Ins und ein paar VST, mehr ist es nicht.“

Basierend auf seiner Liebe für Deep House und dem Retro-Sound von R’n’B und Soul erzielte der Song auf Youtube nicht nur weit mehr als eine halbe Millionen Views, es ist gerade die Stimme von Phoebe Killdeer von den grandiosen Nouvelle Vague, die „Fade Out Lines“ zu einem leichtfüßigen Groover macht, der das Lebensgefühl einer ganzen Generation widerspiegelt. „Vocals sind mir sehr wichtig, weil sie Geschichten erzählen können. Das Album ist für mich ein Regenbogen aus unterschiedlichen Vibes, denn ich bin an Vielfalt interessiert.” Moment mal, das Album? Wir haken nochmals nach und tatsächlich arbeitet der Soundtüftler schon jetzt an seinem Debütlongplayer. „Da habe ich es wohl verraten (lacht). Es soll noch Ende des Jahres erscheinen. Es soll ein farbenfrohes Album werden, mit einigen neuen Versionen von älteren und auch neuen Tracks, sehr bekannten aber auch weniger bekannten. Von Folk bis hin zu Blues, Soul, über Pop oder auch Funk, ich denke ich tobe mich gerade ziemlich aus im Studio. Dennoch wird alles meine eigene Handschrift tragen und dem Deephouse angelehnt sein. In Bezug auf Kollaborationen kann ich aktuell noch nicht viel sagen. Aber auch nur, weil wir da einige sehr spannende Sachen planen.“

Generell fühlt sich The Avener dem Genre Deephouse bzw. gefühlvolleren Genres sehr verbunden. Claptone, Purple Disco Machine, Jungle, Robin Schulz, Flume – all das sind Künstler, die auf seinem iPod aktuell in der Hot Rotation laufen. „Ich denke, ich höre jeden Tag mindestens 50 Songs. Das ist meine tägliche Dosis (lacht).“ Für „Fade Out Lines“ holte er sich bereits zwei Acts ins Boot, die ihn schon länger inspirierten. „Ich verfolge die Arbeiten von Alle Farben und Chopstick & Johnjon seit einigen Monaten und ich bin sehr großer Fan. Als 96 Musique mir sagte, dass sie überlegen, den Song remixen zu lassen, habe ich sofort diese beiden Namen in den Raum geworfen. Beide haben ihren eigenen Style und mit den Remixes ist ‚Fade Out Lines‘ ein absolut rundes Paket geworden.“ Für 2015 ist eine große Tour geplant, die The Aveners Live-Show mit Musikern und visueller Performance auf zahlreiche Bühnen bringen wird. Wenn man so will, schließt sich hier der Kreis für den über mfm Booking verbuchten Künstler: „Gerade auf Reisen sammele ich viele Eindrücke, die in meine Musik fließen“, sagt der Südfranzose. Los gehts – und nun auf der Bühne, statt dahinter.

 

 

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