Tom Pandzic

Balance Music – Eine Compilation geht um die Welt


In einer Ära, in der SoundCloud, YouTube, Spotify und Co. für ein gänzlich neues Musikverständnis sorgen, physikalische Tonträger zu Raritäten und Release-Formate wie Alben und Compilations zu gewagten Projekten werden, gelingt es Balance Music, ein gefragtes Medium in der Szene und am Puls der Zeit zu bleiben. Das in Melbourne, Australien, sitzende Brand veröffentlichte erst kürzlich eine von Alex Niggemann – unserem Cover-Act im vergangenen Monat – kuratierte Kopplung. Die erste Ausgabe kam im Jahr 2001 von Sean Quinn. Mittlerweile zieren Namen wie Agoria, Joris Voorn, Nick Warren, GusGus, Deetron, Radio Slave, Kölsch, Stacey Pullen, Patrice Bäumel und Danny Tenaglia die Katalognummern des von Tom Pandzic gegründeten Labels.

Musikalisch ist Pandzic in den 70er-, 80er- sowie 90er-Jahren groß geworden. Dabei übte eine ganze Reihe kultureller Einflüsse Wirkung auf ihn aus: „Ich erinnere mich noch an meine erste Schallplatte sowie das Grammofon, das meine Eltern mir 1980 gekauft haben. Zu diesem Zeitpunkt konnte natürlich niemand ahnen, dass ich nur wenige Jahre später vollkommen in die Musik eintauchen würde. Ich fing an, im damals neuen Nu-Wave-Synth-Pop aufzugehen und während meiner rebellierenden Phase in der Pubertät Punk-Bands zu feiern. Die erste richtige Begegnung mit elektronischer Musik hatte ich 1990, als ein guter Freund eine Vinyl-Kollektion voller Italo-House und Acid-Hip-House mit zu mir brachte. Diese Sounds machten für mich damals plötzlich viel mehr Sinn als alles vorher Gehörte. Ich schloss mich der Rave-Bewegung in Melbourne an, begann irgendwann selbst mit dem Auflegen und ging meine ersten Schritte in der Musikindustrie.“ Sein Konzept zur Mix-Serie, die nur ein Jahr später an den Start ging, entstand bereits im Jahr 2000. Damals war Pandzic noch bei einem anderen australischen Vertrieb tätig. Das Label Balance Music startete er nach seinem dortigen Ausstieg vor sieben Jahren. „Nach zwölf Jahren habe ich mich entschlossen, meinen eigenen Vertrieb inklusive Label zu gründen. Die Idee dahinter war, qualitativ hochwertige Musik von guten, unter Umständen auch befreundeten Künstlern zu veröffentlichen. Auch war es mir wichtig, etwas anderes zu machen, als Global Underground und auch Renaissance zu der Zeit gemacht haben. Heute führt Balance Music zahlreiche wichtige Labels im Vertrieb für den australischen Markt, darunter Fabric, Monkeytown, Kompakt und Late Night Tales.“ Definitiv ein Schlüssel zum heutigen Erfolg sei die konstant gelungene Auswahl der Künstler zur richtigen Zeit gewesen, sagt er. „Es ging noch nie darum, immer den aktuell größten Namen zu gewinnen, sondern es stand eher im Fokus, einen roten Faden zu präsentieren und einen Zeitgeist zu treffen. Dazu gehörten auch Mut und Entschlossenheit, nicht nur mit den vorherrschenden Trends zu gehen.“

Einen speziellen Mix aus der Reihe auszuwählen, fällt Pandzic selbstredend schwer. Dennoch benennt er einige, deren Wert für die elektronische Szene in seinen Augen doch besonders war. „Dazu zählen sicherlich die 014 von Joris Voorn und auch die 005 von James Holden. Diese Mixe sind zweifelsohne in die Geschichte eingegangen, zumal sie auch zu den meistverkauften Compilations der Musik-Geschichte gehören. Darauf ist man natürlich extrem stolz. Auf der anderen Seite – und da bin ich ehrlich – waren auch welche dabei, die nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit abgreifen konnten, aber für mich unfassbar gut sind. Damit meine ich beispielsweise die 019 von Henry Saiz oder die 020 von Deetron. Wir sind noch immer glücklich über jedes Release und stolz, mit so vielen tollen Künstlern bislang gearbeitet zu haben. Dazu zählt auch das aktuelle Release von Alex Niggemann. Für mich ein wahnsinnig deeper und emotionaler Mix, der zeitgleich auch technoid und progressiv daherkommt. Für 2017 sind ebenfalls einige großartige Namen dabei.“

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Aus dem FAZEmag 058/12.2016
Text: Rafael Da Cruz
www.facebook.com/balanceseriesmusic