
Bevor der heutige Boros Bunker zu einem der bekanntesten Orte für Gegenwartskunst in Berlin wurde, war das massive Betongebäude in Mitte einer der kompromisslosesten Clubs der Stadt. Zwischen 1992 und 1995 befand sich dort der legendäre Bunker – ein Ort, der wie kaum ein anderer für die rohe, frühe Techno-Ära nach dem Mauerfall stand und noch härter als der Tresor galt.
Die Geschichte des Gebäudes reicht allerdings deutlich weiter zurück. Errichtet wurde der Bunker 1941/42 als Reichsbahnbunker Friedrichstraße nach Plänen von Karl Bonatz. Während des Zweiten Weltkriegs sollte er Reisenden und Beschäftigten der Reichsbahn Schutz vor Luftangriffen bieten. Nach Kriegsende nutzte ihn die Rote Armee zeitweise als Gefängnis, später diente das Gebäude als Textillager und ab den 1950er-Jahren als Lager für importierte Südfrüchte aus Kuba. Daher stammt auch der bis heute bekannte Spitzname „Bananenbunker“.
Seine Clubgeschichte begann Anfang der 90er-Jahre. In einer Stadt voller leerstehender Räume, provisorischer Clubs und neu entstehender Szenen wurde der Bunker zu einem Treffpunkt für harten Techno, Industrial-Sound, Fetischkultur und Underground-Exzesse. Die massive Architektur passte perfekt zur Ästhetik der Zeit: dicke Betonwände, niedrige Räume, Kälte, Dunkelheit und ein Sound, der kaum Zugeständnisse machte. Der Bunker galt nicht als bequemer Club, sondern als Gegenentwurf zu allem Glatten und Erwartbaren. Zu den wichtigsten Protagonisten und Resident-DJs zählten WolleXDP, Tanith, Clé und Rok
Gerade dadurch wurde er prägend. Während andere Orte stärker vom Aufbruch und der Offenheit der Nachwendezeit erzählten, stand der Bunker für die härtere, düsterere Seite der Berliner Technokultur. International wurde der Club schnell mit jener Radikalität verbunden, die Berlin in den 90ern zum Sehnsuchtsort der elektronischen Musik machte. Sein Betrieb endete 1995, doch sein Ruf blieb.
Heute befindet sich in dem Gebäude die Boros Collection. Seit 2008 ist der umgebaute Bunker als privater Kunstort geöffnet. Die Sammlung von Karen und Christian Boros umfasst rund 500 Werke internationaler Gegenwartskunst, von denen jeweils etwa 120 gezeigt werden.
Quelle: Secret Berlin
Foto: Jörg Zägel
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