
Ein beliebter Szene-Treff in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg schließt seine Pforten – ab sofort. Grund ist nicht etwa die Clubkrise, sondern Anfeindungen wie Cybermobbing. Was steckt dahinter?
Über eine Dekade zählte das White Noise, das sich in der Suttgarter Eberhardstraße befindet, zu einer beliebten Anlaufstelle fürs dortige Nachtleben. Zum White Noise gehörten neben einer Club-Location auch eine Bar-Location. Beide Räume haben von nun an nicht mehr geöffnet.
„Wir machen dicht und das fällt uns nicht leicht“, so der Wortlaut auf der offiziellen Website des Kulturortes. Das heißt auch, das zukünftig geplante Events, wie etwa Chiral für den 10. Oktober oder die queere Reihe LOVEPOP für den 8. November, nicht mehr stattfinden werden.
Während in den vergangenen Monaten noch Veranstaltungen wie Orange Utopia (noch am letzten Wochenende), PLATTENTAKTIK, DACHSESSION, The Hard Side of The Force oder White Noise Invites Acts verschiedener Couleur das White Noise mit Leben erfüllten, wurde es jetzt in die Knie gezwungen.
An den geschlossenen Türen hängt inzwischen ein Statement, das man auch online nachlesen kann. Dort begründet die Betreiberin die praktisch plötzliche aber inhaltlich zu erwartende Schließung:
„Wir machen dicht,
- weil wir in den letzten Monaten gezielt angegriffen wurden,
- zum Canceln und Boykott unserer Institution aufgerufen wurde ,
- Communities durch Falschaussagen instrumentalisiert wurden,
- unser Publikum und unsere Kulturschaffenden durch Fehlinformationen verunsichert wurden ,
- bestimmte Personen das digitale Zusammenleben als Waffe nutzen, um unseren Ruf zu schädigen und die eigene Karriere zu pushen“.
Was ist passiert? Vor wenigen Monaten soll es laut Ninette Sander, der Betreiberin des White Noise, zu einer Auseinandersetzung zwischen einer Künstlerin aus Stuttgart und Security-Personal an der Tür gekommen sein.
Seitdem erlebe man anhaltend Cybermobbing via Social Media sowie weitere Anfeindungen. Die Gegner des White Noise hätten Gäste und eine ganze Community verunsichert. Dadurch sei es auch zu kurzfristigen Absagen seitens Veranstalter, die die Location für ihre Events nutzen wollten, gekommen.
Das Resultat: An manchen Abenden waren nur zwei oder drei Besucher da. Dadurch könne Ninette Sander die Miete nicht mehr bezahlen und, zudem durch die Unsicherheiten manche Abende kurzfristig nicht mehr belegen. Außerdem habe die angespannte Lage für sie emotional eine große Belastung dargestellt.
Sander: „Es ist schon verrückt, was man sich über elf Jahre aufbaut und innerhalb eines halben Jahres wird alles zerstört“. Sander bedankte sich bei allen Gästen der vergangenen Jahre. Für die Zukunft kann sie sich vorstellen, andere Kulturräume zu schaffen. Zunächst zieht sie sich aber erstmal zurück.
Währenddessen sind für das Areal rund um das nun ehemalige White Noise Sanierungs- und Umbaumaßnahmen geplant. Was genau mit der Location passiert ist unklar.
Quelle: Stuttgarter Zeitung, Resident Advisor
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