Blawan: die toxischen Seiten des DJ-Lifestyles

Blawan: die toxische Seiten des DJ-Lifestyles. Foto-Quelle: Facebook

Auch wenn es uns Freude bereitet, dass eine echte Techno-Größe, die dem Popkultur-Mainstream außerhalb der Techno-Szene wohl nicht so bekannt ist, in einer überregionalen Tageszeitung auftaucht, so hat der dortige Artikel inhaltlich doch einen ernsten Hintergrund: Der britische Techno-Produzent und -DJ Blawan, der seit geraumer Zeit in Berlin ansässig ist, hat die toxischen Seiten des DJ-Lifestyles und des Techno-Business erfahren – und spricht nun ausführlich in einem Interview darüber.

Zwei Jahre lang zog sich Jamie Roberts, so der bürgerliche Name des experimentierfreudigen Musikers Blawan, der Industrial Techno wieder an die Oberfläche hervorholte, von Tour-Gigs zurück. Der Grund: eine chronische Erkrankung, di bei ihm bereits im Jugendalter festgestellt wurde, brachte ihm ins Krankenhaus. Davor: der typische Lifestyle eines gut gebuchten Techno-DJs, zwischen jeder Menge Gigs, Partys, Hin- und Herreisen, chronischer Übermüdung, lautem Techno-Gehämmer (wovon wir ja eigentlich nie genug haben können) und Stress – die toxischen Seiten des DJ-Lifestyles.

Das Resultat: Blawan zieht sich aus der Öffentlichkeit weitestgehend zurück und sorgt sich um seine mentale und körperliche Gesundheit. Ein typisches Phänomen, das vielen überlasteten DJs in der Techno-Szene früher oder später droht? Auf jeden Fall diskutabel. Gerade erst verkündete der Berliner Techno-DJ Drauf und Dran sein Karriere-Ende. Der Grund: seine Gesundheit und Psyche würden vorgehen. Auch Szene-Liebling Monika Kruse zog sich 2022 aus dem Business zurück, verkündete im Oktober desselben Jahres, dass sie alle weiteren Gigs gecancelt haben.

Auch hier spielte die psychische Gesundheit die tragende Rolle. Umso mehr freuten wir uns, als Monika Kruse im Dezember ihr DJ-Comeback verkündete: sie wolle nur „einige wenige Gigs“ im Sommer spielen und hat Zuflucht in der Natur und in ihrer Tierliebe gefunden.

Bei Blawan hatte die Auszeit ebenso Auswirkungen. Er etablierte sein eigenes Label Ternesc im Jahr 2015 und fand sein eigenes Tempo – auch musikalisch. Ein gediegeneres Tempo und ein neuer „Fokus auf modulare Synthesizer“ gingen damit einher, wie die Süddeutsche berichtet. All das ist schon länger her. Es scheint so, als habe Blawan seine Balance gefunden, zumindest musikalisch.

Auf Reddit gibt es zwar Diskussionen von vor einem Jahr, darüber, ob Blawan der „Techno’s King of the No-Show sei“, da er wohl einige Shows cancelt. Einige Nutzer regen sich darüber auf, andere zeigen Verständnis und argumentieren mit den medizinischen Bedingungen und Angstproblemen, die Blawan habe. Für uns hingegen steht fest: Gesundheit geht immer vor. Props an alle, die auf ihre eigene Gesundheit achten, gerade in einem stressigen Business.

Anlass für die Süddeutsche über Blawan zu berichten, war wohl sein heutiger Gig im BLITZ in München, bei dem neben Blawan auch Polygonia (Live) und Stenny spielen. Tickets für die Veranstaltung findet ihr hier.

Zuletzt veröffentlichte Blawan übrigens die EP „BouQ“, die am 6. Dezember 2024 auf seinem Label Ternesc erschienen ist. Hört doch mal rein:

Quellen: Süddeutsche, Reddit

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