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Michael Reinboth


Erstmals im Jahre 1995 erschienen und Stücke von Künstlern wie Shantel, The Deep Child, Patrick Pulsinger, Workshop und Jimi Tenor beinhaltend, erlangte die Serie, kurz FSOJ genannt, eine Art Kultstatus. Diverse Magazine, Kritiker und Portale haben die Kopplung als eine der besten Compilation-Serien aller Zeiten gefeiert und gelistet. Das Genre „Future Jazz“ wurde durch sie aus der Taufe gehoben. Nachdem 2012 das Dutzend erreicht wurde, erscheint fünf Jahre später der nächste Teil. Label-Chef und Compost-Mastermind Michael Reinboth hat auch diesmal eine Mixtur aus schlagkräftigen Floorfillern, geisterhaften Tunes sowie Latin- und Funk-Monstern, cinematischen Epen, Balearic, zerfransten Tools bis hin zu bittersüßen Hybriden erstellt. Das Gesamtpaket erscheint auf einer Doppel-CD und 4-LP mit zwei gelben und zwei schwarzen Vinyls.

FSOJ 13 beinhaltet exklusive, gesuchte Tracks und vormals unveröffentlichtes Material. Einige Highlights sind u. a. Van Hai im Ripperton-Remix oder „Wu Du Wu“ von Montezumas Rache, das es bisher nur auf Vinyl gab. Ebenfalls mit dabei ist Karim Sahraoui, ein neuer Stern im Techno-Zelt, der hier mit Detroit-Einschlag nach vorne pusht. Der Track ist von Derrick Mays Transmat-Label lizenziert, eine Nachfolge-Maxi von Karim Sahraoui darf man Anfang 2017 auf Compost Black Label erwarten. Acid Pauli ist mit einem brandneuen und unveröffentlichten dubbigen Remix für die chilenische Live-Band Matanza zu hören, während Peter Kruder eigens für dieses Release „Memento“ produzierte. Neben unbekannteren und größeren Namen wie Axel Boman oder Tony Allen im „Ricardo Villalobos & Max Loderbauer“-Remix wurde auch Material von Imprints wie Studio Barnhus, Innervisions, Lovemonk, Transmat, Mule, Tru Thoughts, Rebirth und Ninja Tune lizenziert. „Die letzten drei, vier „Future Sounds Of Jazz“-Compilations kamen alle in einem Abstand von drei bis fünf Jahren, weil ich die doch erfolgreiche Serie nicht kommerziell ausreizen wollte. Ich möchte erst dann eine machen, wenn ich das Gefühl habe, genügend gute Tracks zu haben, und zu guter Letzt, wenn es der Zeitgeist hergibt, dass sehr viele DJs wieder rechts, links, über, unter und zwischen House verstärkt Hybride spielen oder eben einfach mal was anderes wagen. Mich hatten einige bekannte DJs, Labelmacher und Journalisten, die ich sehr respektiere, angesprochen, dass sie derzeit einige neue Tracks hören, die gut auf eine FSOJ passen würden. Ich hatte das gleiche gute Gefühl. Zudem war auch die Vielfalt in Tempo und Ästhetik aus housigen, technoiden, downbeatlastigen Tracks da. Somit habe ich mich entschieden, das neue Jahr mit einer neuen Ausgabe zu starten“, erzählt Michael Reinboth. Stilistisch sieht Reinboth auf Vol. 13 den gesamten Bogen von Vol. 1 bis 12 vertreten. „Optisch hat die Serie keine Linie. Das hat Vor- und Nachteile. Vorteil ist die werkimmanente Vielfalt und Freiheit. Nachteil ist die geringe Wiedererkennbarkeit. Inhaltlich hat sich nicht unbedingt viel verändert, samplebasierte Tracks wie Falty DLs „Some Jazz Shit“ könnten sich auch auf Vol. 3 befinden, die Tracks von Butch & C Vogt oder Axel Boman könnten auch von Vol. 6, 7 oder 9 stammen. Wobei man durchaus sagen kann: Heute klingen die Produktionen zum Teil noch besser als vor 15 Jahren.“ Für die kommenden Ausgaben, die nicht wieder so lange auf sich warten lassen sollen, hat Reinboth erstmals befreundete Künstler gebeten, eine eigene FSOJ zu kompilieren. „Eigentlich habe ich die Serie ja geprägt, aber ich bin da offen, flexibel und fände es sogar spannend, wenn man das mal auflockert. Insofern wird sich die Frequenz wieder erhöhen.“

Für die kommenden Wochen steht bei Compost die Veröffentlichung von Longplayern von Ströme und Marsmobil an. „Ströme sind etwas ganz Besonderes. Ein 100 % analoger Live-Act, der mit zwei A-100 Modularsystemen spielt. So was gibt es seit den Neunzigern kaum oder gar nicht mehr. Es ist spannend, dass die beiden Ex-LaBrassBanda-Musiker jetzt schon vor und mit nur einer Maxi im Gepäck so viele Festivals und Clubs bespielen. Sie waren Band der Woche im BR, bei Pulse, spielen demnächst Live bei FM4 und sind auch schon als neues deutsches Aushängeschild beim Goethe Institut im Gespräch, weil es außer Kraftwerk wenig derartige analoge Live-Techno-Musik gibt. Das Album entstand aus zig Live-Sessions, eine Session lief auch mit Multi-Instrumentalist und Jazz-Keyboarder Wizzard Roberto Di Gioia, der für Compost sein viertes Marsmobil-Album fertig hat. Für mich bisher das beste, homogenste und schönste Album von Marsmobil. Ich bin auch mit Roberto und Jan Krause im Studio, um an neuen Beanfield-Tracks zu basteln.“ Außerdem in der Pipeline: Rainer Trüby mit Glücklich Vol. 6, Eno Elia sowie Willie Graff und DJ Pippi auf Compost Disco, inklusive Remixen von Ron Basejam und Siren.
/ Triple P

Aus dem FAZEmag 060/02.2017

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www.compost-rec.com

Foto: Angela Sandweger