Wem der Name Tim Fehske bislang noch kein Begriff war, der hat sich wahrscheinlich noch nie mit außergewöhnlicher Videokunst oder VJing beschäftigt, bei denen der gebürtige Bonner wohl einer der talentiertesten Künstler ist und damit als ein Wegweiser für neue Kunstformen in unserer Kultur fungiert. Schon in jungen Jahren galt sein Interesse neuen Technologien und modernen Darstellungen, das er in seinem Studium an der Universität zu Köln in den Fächern Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Ethnologie und Pädagogik ausbaute. Zurzeit promoviert Tim Fehske zu der Thematik „Digitale Elite“ und lehrt an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf Visual Music Technik/Produktion. Mit seinen Animationen und Clips bespielte der Künstler bereits neben dem Studium diverse Musikveranstaltungen und realisierte Bühnenbilder für Theaterproduktionen. Und als wäre das alles nicht schon genug, bastelt er zudem seit 2009 an visuellen Darstellungen für das Kölner Label TRAUM Schallplatten, mit dem er bis heute mit großer Freude zusammenarbeitet.

Zum Start des diesjährigen PLATINE Festival in Köln, das sich mit der Schnittstelle zwischen Kunst und Games beschäftigt, haben wir Tim Fehske einmal zum Interview gebeten. Er ist einer von mehreren nationalen und internationalen Künstlern, die rund 20 verschiedene Arbeiten präsentieren.

Vom 13. bis zum 16. August präsentiert sich im Kölner Stadtteil Ehrenfeld die PLATINE, ein Festival, das visuellen Künstlern eine ganz besondere Plattform bietet. Wie wichtig sind Veranstaltung dieser Art für dich und deine Kunst und was erwartest du in diesem Jahr von der PLATINE?

Für mich sind Veranstaltungen dieser Art sehr wichtig, weil sie meiner Kunst einen Rahmen bieten, den ich persönlich als sehr angenehm und bereichernd empfinde. Es macht für mich Sinn, meine Zeit auf einem solchen Festival zu verbringen und ich bin mir sicher, dass ich auch Inspirationen von der Platine in mein weiteres Denken und Arbeiten mitnehmen werde. Von der PLATINE im Speziellen erwarte ich, dem Kölner Publikum, welches mich im Artheater bis jetzt erst als Visual Jockey kennen gelernt hat, einen differenzierteren Einblick in meine Gedankenwelt und Arbeit zu ermöglichen. Außerdem finde ich die Möglichkeit sehr prickelnd, dass ich im Kontext der PLATINE das Artheater, das ich vom Feiern her kenne und liebe, als temporäres Atelier nutzen kann. Ein Atelier in das Menschen kommen und gehen.

Ausstellen wirst du dein Projekt LEINWAND = SCREEN & CANVAS, das Malerei und Videoprojektionen kombiniert. Was erwartet uns bei dieser Arbeit? Wie können wir uns das Ganze vorstellen?

Mein LEINWAND-Projekt hat zwei Ebenen. Einerseits ist es zunächst eine Performance, bei der ich gleichzeitig die Videoprojektion steuere und Elemente des Projizierten als Ausgangspunkt für die Malerei nutze. Andererseits ist es danach ein abgeschlossenes Bild, das durch die Projektion erweitert wird. Ich habe dieses Jahr bereits auf zwei Festivals mein LEINWAND-Projekt realisieren können (auf der B-SEITE in Mannheim und auf dem PLAYGROUND AV in der Nähe von Salzburg). Beim ersten Festival habe ich mich mehr auf die erweiterte Malerei konzentriert und beim zweiten Festival stand die Performance im Mittelpunkt. Das lag hauptsächlich daran, dass ich auf der B-SEITE leider nicht die ganze Zeit vor Ort sein konnte, aber die Ausstellung eine ganze Woche andauerte, wohingegen beim PLAYGROUND AV der generelle Schwerpunkt auf Performances und weniger auf Installationen lag. Auf der PLATINE beabsichtige ich so viel Zeit wie möglich im Artheater zu verbringen und strebe eine Performance an, die sich über die ganzen Tage ausdehnt. Die Besucher können demnach ein dynamisches Arbeiten von mir erwarten, das sich mit den Schlagwörtern „Action Painting“ und „VJing“ zusammenfassen lässt.

Wie bist du darauf gekommen deine Videos und Animationen als Kunstform zu sehen und sie so auch zu präsentieren?

Als heranwachsender Schüler habe ich mich schon für die Wechselwirkungen zwischen Kunst und Kommerz begeistert und für mich selber beschlossen, dass ich es erstrebenswert finde, die Person zu bleiben, die ich bin. Deswegen ist meine derzeitige Definition von Kunst auch: KUNST IST MAN SELBST ZU SEIN. Also ohne irgendjemanden gefallen zu wollen oder für einen Markt zu produzieren. Mir ist es wichtig ein „Kind meiner Zeit“ zu sein und Themen, Techniken und Technologien in meiner Kunst zu verwenden, die typisch für den Anfang des 21. Jahrhundert sind, um so etwas in die Welt zu bringen, was auch für kommende Generationen als Zeitdokument herhalten kann. Graffiti und VJing sind für mich solche Bereiche, die meiner Meinung nach verdeutlichen, wie nahe sich Kunst und Kommerz häufig sind.  Deshalb habe ich in meiner Magisterarbeit, in der ich VJing mit Graffiti verglichen habe, auch die Überschrift „Musikvisualisierungen zwischen Reklame und Videokunst“ gewählt. Demnach bin ich nicht erst darauf gekommen meine Videos und Animationen als Kunst zu sehen und sie auch so zu präsentieren, sondern mache sie aus diesem Bewusstsein heraus, weswegen ich auch schon mehrere Projekte verlassen habe, wenn andere Beteiligte nicht den Schneid hatten, sie selber zu sein.

Als VJ gibst du unterschiedlichen Partys einen ganz besonderen Charakter. Was ist das Besondere an der Tätigkeit als Visual Jockey und wie unterscheidet sich dies von Ausstellungen oder anderen Kunstveranstaltungen?

Bei Partys kommen die Leute natürlich wegen der Musik und ich bin nur ein zusätzlicher Künstler unter vielen, der eher am Rande wahrgenommen wird. Dort ergänze ich nur die außeralltäglichen Erfahrungen der Besucher und ordne mich freiwillig der Musik unter. Bei Veranstaltungen wie der PLATINE ist dies anders. Wenn Besucher meinen Ausstellungsraum betreten, dann stehe ich im Mittelpunkt und die ganze Aufmerksamkeit gilt meinem Schaffen. Vor allem während meiner Performance auf der Vernissage der B-SEITE habe ich es sehr genossen mit den Besuchern in direkten Kontakt zu treten, was bei Partys meistens nur auf einer nonverbalen Ebene und mittels meiner Projektionen geschieht. Grundsätzlich sind die Besucher und ich auf einer Kunstveranstaltung auch etwas nüchterner ;)

Seit einiger Zeit entwirfst du auch Clips für das Kölner Plattenlabel TRAUM Schallplatten. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

2009 wurde ich von Uli Sigg, einem befreundeten Kölner Künstler, kontaktiert und gefragt, ob ich Interesse hätte einen Videoclip für TRAUM zu machen. Riley Reinhold von TRAUM hat nämlich früh erkannt, wie wichtig die visuelle Ebene ist und hat deswegen nach Videokünstlern gesucht, die Veröffentlichungen des Labels visualisieren. So habe ich dann Jacqueline und Riley Reinhold kennengelernt und arbeite bis heute glücklich mit Ihnen zusammen.

TRAUM Schallplatten ist dafür bekannt erstklassige elektronische Musik zu produzieren. Inwieweit inspiriert dich diese bei deinen Arbeiten und wird uns bei der PLATINE auch musikalische Untermalung erwarten?

Das LEINWAND-Projekt ist ein sehr persönliches Projekt, das viel früher angefangen hat, als meine Kooperation mit TRAUM. Deswegen habe ich bis jetzt auch absichtlich keine Musiker in das Projekt einbezogen. Es wird sicherlich Musik im Artheater laufen, aber es ist keine audiovisuelle Performance geplant. Natürlich inspiriert mich aktuelle elektronische Musik und ich empfinde es immer als sehr erfrischend mit den Musikern zusammenzuarbeiten und sich über jegliche Themen auszutauschen.  Bei meinem LEINWAND-Projekt ist Musik allerdings hauptsächlich auf der formalen Ebene von Bedeutung. Damit meine ich, dass mein Ansatz sich am Komponieren orientiert und nicht am Bebildern von Geschichten. Zumindest bei diesem Projekt ist mir die Komposition mittels Abstraktion und das Bauen von frei interpretierbaren Welten eindeutig wichtiger, als Narration mittels Realismus.

PLATINE Festival Köln
Datum: 13. – 16. August 2012, täglich von 19 bis 23 Uhr
Locations: Arttheater, Club Bahnhof Ehrenfeld, Design Quartier Ehrenfeld, Buchal & Krings, Plattforms Gallery

www.platine-cologne.de