Deborah de Luca im Interview

Deborah de Luca im Interview


Deborah de Luca gibt nicht viele Interviews. Die einen sagen, weil sie arrogant ist. Wir wissen jedoch, dass sie schüchtern und ein wenig gehemmt ist, da sie nur wenig Englisch neben ihrer Muttersprache Italienisch spricht. De Luca, die im wenig mondänen Stadtteil Neapels Scampia geboren wurde, zog als Teenager in den Norden Italiens nach Modena, um Modedesign zu studieren. Sie arbeitete eine Zeit lang als Kellnerin und später auch als Tänzerin in unterschiedlichen Nachtclubs. Musik war schon immer ihre große Leidenschaft, weswegen sie 2008 begann, als Deejane zu arbeiten und im März 2013 ihr eigenes Musiklabel Sola_mente Records gründete .

Anlässlich ihres Gig im Kesselhaus in Augsburg an der Seite von Felix Kröcher haben wir der schönen Neapolitanerin ein paar Fragen gestellt, die sie gerne beantwortet hat.

felix

FAZEmag: Deborah, du bist in Neapel geboren, aber mittlerweile in der ganzen Welt unterwegs. Was vermisst du an deiner Heimat, wenn du von Club zu Club reist?

Deborah de Luca: Normalerweise versuche ich mich immer so zu organisieren, dass jede Tour maximal 5-6 Tage dauert, auch wenn Locations mit 15 – 18 Flugstunden Anreise dabei sind. Ich habe immer das Bedürfnis, in meine vier Wände zurückzukehren und mich um meine Dinge zu kümmern, wie z. B. meine Hunde. Zudem wohne ich direkt am Meer und wenn ich in der Frühe aufwache und das Meer nicht sehe – ja, das fehlt mir dann schon sehr.

FAZEmag: Du bist bereits seit vielen Jahren als Produzentin und Deejane aktiv, aber in den vergangenen beiden Jahren hast du nochmals einen großen Schritt in Richtung ‚Superstar‘ gemacht. Wie erklärst du dir deine so stark gestiegene Popularität?

Deborah de Luca: Dieses Jahr im März werden es 10 Jahre seit meinem ersten Bühnenauftritt. Diejenigen, die mich nicht so gut kennen, sehen nur die letzten Jahre, in denen es wirklich steil nach oben ging. Die meisten denken, ich lege erst seit kurzem auf. Das stimmt natürlich nicht. Für den langen Weg, den ich gegangen bin, bin ich aber sehr dankbar. Jeder einzelne Schritt, den ich in den letzten 10 Jahren gemacht habe, um das heutige Niveau zu erreichen, war wichtig. Das beinhaltet natürlich auch alle Fehler, die passiert sind, der Verzicht auf Privatleben und die ganzen versäumten Familienfeste, während ich rund um die halbe Welt gereist bin. Es ist richtig, in den vergangenen Jahren habe ich unheimlich an Popularität gewonnen. Das liegt zum einen vielleicht daran, dass ich eine Frau bin in einer noch immer Männer dominierten Welt, aber sicherlich spielen hier auch meine häufig sehr mutigen Eigenproduktionen, die eng mit dem Gefühl für meine Heimat zu tun haben, eine große Rolle.

FAZEmag: In Deutschland kann man dich in der letzten Zeit immer häufiger erleben. Was gefällt dir an den deutschen Fans?

Deborah de Luca: Die Deutschen haben immer noch mit dem Vorurteil zu kämpfen, sie wären etwas unterkühlt. Das habe ich aber bei meinen Gigs ganz anders in Erinnerung. Im Gegenteil, ich bin begeistert wie die Leute hier im Club auf Techno abgehen und auf die positive Resonanz, die die Crowd mir vor allem auch auf meinen Sound gibt. Gerade auch hier im Kesselhaus.

FAZEmag: Dein Sound ist Techno mit melodischen Momenten. Welche anderen DJs inspirieren dich und welche Produzenten findest du großartig?

Deborah de Luca: Ich liebe es, bei meinen Produktionen häufig Melodien und Vocals einfließen zu lassen. Wenn ich im Studio arbeite, versuche ich mir immer vorzustellen, was für Leute auf meine Gigs kommen. Einerseits sollen sie bei meiner Musik natürlich tanzen aber auf der anderen Seite sollen sie sich auch von den Rhythmen und Melodien treiben lassen können, so dass die Leute einfach eine gute Zeit haben. Vielleicht denken sie dann sogar, wenn die gleiche Musik im Autoradio läuft auf dem Weg zur Arbeit Montagfrüh nochmal an diese schönen Momente. Die Produzenten, die mir sehr gut gefallen, machen vom Stil her eher anderen Sound als ich.
Auch wenn ich mal selbst zum Feiern und abtanzen gehe, höre ich mir ganz andere Stilrichtungen an. Ich liebe die verschiedensten Musikgenres und will mich auch gar nicht auf nur einen Stil beschränken. Nina Kraviz, Solomun, Tale of Us und Nick Curly sind meine Favoriten, aber nichts von ihnen würde man in meinen Produktionen wiederfinden. Bewundern heißt noch lange nicht nachmachen. Eher sollte der eigene Geschmack die Produktionen von einem selbst auf eine unverkrampfte und positive Art beeinflussen.

Das könnte euch und Deborah auch interessieren:
15 Vorurteile, mit denen Deejanes zu kämpfen haben