Ich gebe zu, ich habe mich über den kalten April aufgeregt. Da ist es lächerlich, sich ebenfalls über den schwülen Mai zu echauffieren. Ich mache es trotzdem. Ich kann einfach nicht mit 20° in der Nacht umgehen. Da bleibe ich lieber wach und schaue mir schreckliche Filme an. Wie „Livid – Das Blut der Ballerinas“ (Sunfilm), der ein gutes Beispiel für die neue Gore-Geilheit der Franzosen ist, die die Macher des umstrittenen „Inside“ auch hier beweisen. Hier zum Inhalt: Die junge Lucy beginnt als häusliche Krankenpflegerin in der alten Villa von Mrs. Jessel, die bereits seit Jahren im Koma liegt. Als sie sich über den Unfall der alten Dame erkundigt, erfährt sie von einem Schatz, der irgendwo im Haus versteckt sein soll. Zusammen mit ihren Freunden William und Ben bricht sie nachts in die Villa ein. Seltsame Dinge passieren und als die drei fliehen wollen, ist der Ausgang versperrt. Sie sind gefangen und werden gejagt. Nichts für Zartbesaitete. Das trifft auch auf Deutsch-Komödien-Hasser und „Rubbeldiekatz“ (Universal) zu. Ich komme aber mit Matthias Schweighöfer klar, was vielleicht auch an der liebreizenden Alexandra Maria Lara liegen mag, die in dieser deutschen Tootsie-Variante mitspielt. Wo wir gerade bei deutschen Produktionen sind, erwähne ich kurz den DVD-Start der ersten Staffel von „Berlin – Tag & Nacht“ (Edel) und bin auch – schwuppdiwupp – schon beim nächsten Film: „Tage des Verrats“ (Universal) bietet ein perfektes Gegenspiel von George Clooney – in seiner für mich bislang besten Rolle – und Ryan Gosling. Ein wirklicher Knaller. Dieser Gosling bringt mich zum Regisseur der Stunde Nicolas Winding Refn, in dessen phänomenalem „Drive“ Gosling spielte. Dieser dufte Däne erfährt jetzt mit seinem 2002er (!) Drama „Fear X“ (Sunfilm) eine DVD-Premiere und beweist eindrucksvoll seine Ausnahmestellung im internationalen Kino-Geschäft. Dass Roman Polanski ebenfalls ein außergewöhnlicher Regisseur ist, wird kein Cienast abstreiten. Dieser Tage bringt Pierrot Le Fou sein Meisterwerk „Ekel“ mit Catherine Deneuve als Dreifach-Edition in den Handel. Auf zwei DVDs plus Blu-Ray erwartet den Zuschauer digital restaurierter Ton plus Bild. Ein Muss. Ganz so wichtig ist „Snow White“ (Koch) vielleicht nicht zu nehmen, aber für ein wenig Grusel sorgt die moderne Schneewitchen-Variante von Vielfilmer David DeCoteau mit Trash-Granate Eric ‚ich bin der Bruder von Pretty Woman‘ Roberts durchaus. Mehr als nur durchaus gelungen ist überraschender Weise der vierte Teil von Ethan Hunts Mission Impossible-Reihe. „MI 4 – Phantom Protokoll“ (Paramount) ist nicht weniger als der beste Action-Film, den Cruise je gedreht hat und Kenner wissen, dass es bereits einige gewesen sind. Hunt und seine Truppe wird für einen Bombenanschlag in Moskau verantwortlich gemacht und daraufhin weltweit zur Fahndung ausgerufen. Wer ist der geheimnisvolle Drahtzieher dieses Anschlags? Die Suche führt Hunt von Prag über Moskau nach Vancouver und Dubai, und jedes Mal wird es gefährlicher. Bis kommenden Monat.


Euer Fabrizio De Angelis Jr.