Credit: Alex Lambert


Ihren musikalischen Weg hatte Emma Kirby ursprünglich als Singer-Songwriterin gestartet, ehe sie 2016 aber den Wechsel hin zur Produzentin vollzog und im gleichen Jahr femme culture gründete – ein Label und Kollektiv, um Frauen und nicht-binäre DJs in der Kunst zu fördern und zu integrieren. Und so schaffte es Elkka, nicht zuletzt durch ihre unglaublich erfolgreiche EP „I. Miss. Raving.“ auf Local Action im letzten Jahr, in die Riege der absoluten Shootingstars in UK, gefeiert von Akteuren wie Four Tet, Floating Points, Caribou und anderen. Ende Mai ist mit „Euphoric Melodies“ eine 5-Track-EP auf dem Ninja-Tune-Sublabel Technicolour erschienen: eine Ode, Instinkten, Impulsen und dem Glauben an sich selbst gewidmet.

Genau dieses Selbstbewusstsein, gepaart mit einem ausgeprägten Vertrauen, treibt Elkka in ihrer Kunst an. Dabei setze sie eher auf Impulse, statt auf Perfektion, erzählt sie. Dinge, die in ihrem Leben auch schon einmal deutlich konträr waren: „Ich würde sagen, ich war ein ziemlich ängstlicher und verklemmter Teenager, was rückblickend wahrscheinlich daran lag, dass ich nicht wusste, wer ich war, und so war es eine sehr verwirrende und unsichere Zeit. Damals gab es nur sehr wenige Beispiele für queere Menschen in den Medien – und mit queer meine ich jede/n, der in das queere Spektrum fällt. Also war es wirklich schwer herauszufinden, wer ich war und was meine Optionen waren. Dieses Gefühl setzte sich dann auf eine andere Weise fort, als ich dem Beruf der Musikerin nachging. Ich wusste, dass ich das machen wollte, aber ich kannte die Optionen nicht, die mir zur Verfügung standen – ich begann als Singer-Songwriterin, trieb von Session zu Session und fühlte mich ziemlich verloren und frustriert, und das änderte sich erst, als ich anfing, für mich selbst zu produzieren. Man könnte also sagen, dass ich mich als queere Person und als Produzentin zu einem ähnlichen Zeitpunkt in meinem Leben geoutet habe. Das war der Zeitpunkt, an dem ich in der Lage war, dem zu folgen, was ich in jeder Hinsicht als richtig empfand und alles begann, an seinen Platz zu fallen.“

Und so waren Familie, Freunde, Intimität und auch der Dancefloor wichtige Parameter bei der Produktion der fünf Tracks, von denen „Alexandra“ sowie „Burnt Orange“ in den letzten Wochen bereits vorab erschienen sind. Zusammen mit dem Release nun Ende Mai veröffentlicht Elkka ein Video für den Titeltrack der EP, unter der Regie von Alex Lambert, Elkkas Lebenspartnerin. Das Video strotzt dabei das nur so vor Wärme und Euphorie – und knüpft damit an die Kernthemen der EP an: „Es ist eine Feier dieser intimen Momente und auch ein Gefühl der Nostalgie für das, was wir in diesem Moment nicht haben konnten. Alex hat die Essenz der Zeit, in der wir lebten bzw. leben, wunderbar eingefangen, denn sie ist auch hoffnungsvoll, was meiner Meinung nach gerade jetzt so wichtig ist.“

Dass sie nun in den Inner Circle der Ninja-Tune-Familie aufgenommen wurde, ehrt die gebürtige Londonerin sehr, hat sie in ihrer Laufbahn doch immer zu diesem prestigeträchtigen Label aufgeschaut: „ … nicht nur wegen der Künstler*innen, die sie veröffentlicht haben, sondern auch wegen des allgemeinen Ethos hinter dem Label. Als Clemmie, mein A&R von Ninja, sich meldete, war ich so aufgeregt! Es fühlte sich wirklich wie ein Schritt vorwärts in die Richtung an, um meine Träume zu erreichen. Es ist nach wie vor irgendwie surreal für mich, aber es bedeutet mir die Welt.“

Ihre Erfolge der letzten Zeit bedurften dabei einiger künstlerischer Freiheiten, die sie sich in den letzten Jahren erst selbst verschaffen musste – eine Art Rückgewinnung der absoluten Kontrolle: „In der Zeit, in der ich nur Singer-Songwriterin war und nicht selbst produzierte, hatte ich das Gefühl, keine Kontrolle über meine eigene Karriere zu haben, da die Musik, die ich machte, stark von jemand anderem abhing. Jetzt habe ich die Freiheit und die Macht, meine Karriere mit der Musik voranzutreiben, die direkt von mir kommt, im Gegensatz zu der, die durch jemand anderen gefiltert wird. Ich habe das Gefühl, mich endlich vollständig ausdrücken zu können.“ Diese Freiheit versucht sie auch auf femme culture anderen Menschen zu geben: „Wir versuchen, eine Szene zu schaffen, in der jede/r seinen Platz und Raum hat, so zu sein, wie er/sie ist. Es ist ein Label, das versucht, Menschen eine Plattform zu geben, sich selbst auszudrücken, da so viele Randgruppen diese Möglichkeit nicht bekommen. Wir tun dies durch Veröffentlichungen, Charity-Compilations, wie z.B. unsere jährliche UN Women Compilation, Events und Radioshows.“

Auch in Sachen Liveshows hat sich in den letzten Wochen einiges bewegt, und so freut sich Elkka bereits jetzt auf bestätigte Shows im Printworks, Phonox sowie beim Brainchild Festival: „Ich plane zu tanzen, bis die Sonne auf- und wieder untergeht, die verlorene Zeit mit meiner Familie und Freund*innen nachzuholen und wieder auf Tour zu gehen (lacht).“

 

Aus dem FAZEmag 112/06.21
Text: Triple P
Credit: Alex Lambert
instagram.com/elkkamusic