Seit mittlerweile 20 Jahren heizt Etienne de Crécy die Dancefloors weltweit mit seiner Musik an. Ob zusammen mit Philippe Zdar als Motorbass, mit seiner Compilation „Superdiscount“, dem legendären Album „Tempovision“ oder seinen zahlreichen weiteren Tracks und Remixes – der Franzose hat Musikgeschichte geschrieben und macht es immer noch. Nun erscheint erstmals eine umfassende Retrospektive seines bisherigen Werks, aus dem er nun hier sein „Essentials“ EXKLUSIV für FAZE kommentiert.

Teil Zwei mit den Wegweisern gibt es HIER

 


01. Les Ondes – Motorbass (1996)

1992 habe ich mir mit Philippe Zdar am Fuße des Montmartre eine Wohnung geteilt. Dort sind auch die ersten beiden Motorbass-EPs entstanden. Auf das Album packten wir dann auch ein paar nicht ganz so technoide Tracks wie „Les Ondes“, damit unsere „normalen“ Freunde, die „normale“ Musik mochten, das auch hören konnten und uns nicht komische Blicke zu warfen.

 


02. Le Patron Est Devenu Fou – Superdiscount (1996)
Das war eine der ersten Veröffentlichungen auf Solid, das von Pierre-Michel Levallois, Alex Gopher und mir gegründet wurde. Die Pariser Techno-Szene war sehr klein und nahm sich selbst sehr ernst. Das ist der Grund dafür, warum ich beschlossen hatte, die EP unter einem unglaubwürdigen Namen wie „Superdiscount“ zu veröffentlichen. Aber ich bin musikalisch sehr anspruchsvoll. Ich wollte sehr vollblütigen House machen, der gleichzeitig abstrakt und elegant ist.

 


03. Prix Choc – Superdiscount (1996)

Der Releaseplan sah vier Superdiscount-EPs vor. Mit meinen Ambitionen, rassige und abstrakte Musik zu machen, versagte ich komplett. Ganz recht so, denn die EPs erzielten großen Erfolg, so dass wir die Idee hatten, alles zusammen auf eine CD zu packen, die zu unserer Überraschung sogar in Supermärkten verkauft wurde.

 


 04. Am I Wrong – Tempovision (2000) 
Vergiss DIY! Wir sind in die Musikindustrie katapultiert worden und die verstanden keinen Spaß. Housetracks landeten in den Top-50, Air und Daft Punk verkauften Millionen von Alben und der Druck wuchs. Es ging nicht mehr darum, Musik nur für ein paar Fans verstreut über den Globus zu machen. Es wurden Marketingpläne gemacht, Radiosingles und Videos angefragt.

 


05. Days Week-End – Tempovision (2000)
Aus zwei Hauptgründen hatte ich eine harte Zeit, als ich „Tempovision“ machte: Ich kaufte mir ein digitales Mixing Desk, als die Technologie noch nicht so weit war zu scratchen. Mixen war aufwändig und ich kann heute immer noch den Mangel an Spontanität auf dem Album hören. Und nach dem Erfolg von „Superdiscount“ fühlte ich mich so, als würden die Leute darauf warten, dass ich etwas falsch mache würde! Dadurch baute ich mir selbst viel Druck auf! Aber da liege ich falsch und es ist beides eine Abhilfe und eine Enttäuschung, dass niemand wartet, um es zu sehen.

 


06. Scratched – Tempovision (2000)
Die positive Seite des Erfolgs des French Touch waren, dass ich die Möglichkeit hatte nach New York zu fahren und Vocals mit Michael Clip Payne und Belita Woods aufzunehmen. Zum ersten Mal wurden meine Tracks zu Songs. Ich beware kostbare Erinnerungen an diese Sessions in mir.

 


07. Apretime – Renault AD
Wir waren sehr gefragt in dieser Zeit. Jeder Pariser, der was von sich hielt, sah eine Compilation als Selbstläufer und Einnahmequelle an. Fashion-Designer schikanierten uns, Werbeleute riefen uns an, und jeder äußerte seine Meinung ungefragt zum French Touch! Mein Freund Antoine Bardou-Jacquet hatte gerade ein Video für Alex Gophers „The Child“ gemacht und hatte keine Bedenken mich auszuwählen, um die Musik für einen Werbespot zu machen. Er hat einen guten Geschmack und so wählte er natürlich auch den besten Track von den Demos, die ich ihm gegeben hab. 

 


08. Someone Like You (Fast Track Vocal Mix) – Superdiscount 2 (2005)
House wurde ab 2004 uncool und French Touch stank zum Himmel. Das öffnete eine Tür für mich, denn ich wollte fürs Radio Musik ohne Computer oder Samples oder Singles machen. Ich benutzte die Beat-Boxen und Synthesizer, die den Job in den Techno-Anfangszeiten gemacht haben, um die Sounds zu produzieren, die mich dazu gebracht haben, Techno zu lieben. zu dem Zeitpunkt, als ich keine Singles mehr machte, fragte ich Camille, ob sie auf „Fast Track“ singen wollte – und machte es prompt zu einer Single!

 


09. Overnet – Superdiscount 2 (2004)                      
Auch wenn die Musik verschieden ist, wurde diese Platte in derselben Stimmung gemacht wie „Superdiscount 1“ – schnell, für Clubs und mit anderen Leuten. Philippe Zdar und Hubert Boombass von Cassius, sowie Alex Gopher und Julien Delfaud kamen mit ihren Synthesizern rum. DJ Mehdi brachte seine Gitarre mit, Alex Gopher half mir sehr viel an der Platte und so kamen er und Julien mit, um das Album mit mir live zu performen. Wir streiften in Europas Clubs umher und teilten besondere Momente zusammen. Aber darüber hinaus sehen wir die Rückkehr der elektronischen Musik, wo sie wirklich hingehört – in die Clubs und erst dann auf die Festivalbühnen.

 


10. Punk – Commercial EP 2 (2007)
Ich habe vor „Superdiscount 2“ an verrückten Plänen für ein Musical gearbeitet. Es hat eine lange Zeit gedauert und es hat vor allem lange gedauert zu organisieren. Ich habe zwei EPs rausgebracht, „Commercial EP“ 1 und 2, um mich zu beschäftigen und beharrlich zu bleiben. Es war die Art von funky Musik, die ich für meine DJ-Sets brauchte.

 


11. Funk – Commercial EP 2 (2007)
Eine neue Generation übernimmt die elektronische Musik. Eine sehr junge Generation, denen das Digitale angeboren ist, die keine Tabus kennt und denkt, dass guter Geschmack eine langweilige Option ist. Sie bringen einen Hauch frischer Luft in die ganze elektronische Szene. Ich hörte meinen ersten Bloody Beetroots-Track auf dem Fluokids Blog. Ich fühlte mich so als würde mein Trommelfell meinen Kopf innen berühren! Ich denke, sie sind ein bisschen überrascht, wenn ich sie nach einem Remix frage – und ich bin dann noch überraschter, wenn ich sehe, wie populär dieser Remix bei der  jungen Generation ist.

 


12. France – Great Summer Games Stuff (2008)
Mein Freund Rainer Weichhold lud mich netterweise ein, um Frankreich auf seiner „Great Summer Games“-Compilation zu vertreten. Er fragte Produzenten auf der ganzen Welt, ihm ein Original-Track für die Olympischen Spiele in Peking zu geben. Ich repräsentierte Frankreich, damit hatte ich eine große Verantwortung! Es ist ein deutsches Technolabel und ich gab mein Bestes, um einen minimalen Techno-Track zu machen. Seltsamerweise … habe ich das nicht gut hinbekommen! Die Leute mögen die Complilation, aber niemand nimmt irgendeine Notiz von meinem Track!

 


13. Welcome (Live Version) – Beats’n’Cubes 1.0 (2010)
Es war Emmanuel Ferrier, der vorgeschlagen hat, dass ich eine Live-Show mache sollte,  als „Superdiscount 2“ erschien. Eine merkwürdige Idee hatte mein Leben verändert! Als Alex, Julien und ich aufhörten zu touren, wusste ich, dass ich weiterhin meine Musik so präsentieren wollte. Emmanuel Baron stellte mich Pier Schneider und Francois Wuschel vor, eine merkwürdige Idee hat mein Leben verändert! Als sie die Kontrolle über den Cube übernommen haben, designten sie meine Konzerte, was heute noch genau so aufregend ist wie damals.

 


14. Binary – Beats’n’Cubes 2.0 (2010)
Nach zweijährigem Touren mit dem Cube hatte ich beschlossen das Ganze auszubauen. Ich benutzte die Ausrüstung, die ich bei mir hatte, um neue Tracks zu machen. Sie waren für Live-Performing gemacht. Es ist Musik, die in einer sechs mal sechs Meter großen Struktur gespielt werden muss, entweder in großen Venues oder auf großen Festivalbühnen. Das sind Tracks, die das Publikum vorher noch nie gehört hat und denen sie direkt verfallen waren. Keine Zeit für Feinheiten!

 


15. No Brain – Beats’n’Cubes 2.0 (2010)
Alex Courtès machte die Bilder für die Cube Version 2.0. Ich gab ihm ein Drehbuch, das seine Vorstellungen förderte. Es ist nicht wichtig, dass die Crowd die Geschichte versteht, aber es ist wie ein roter Faden gemeint, der die Show drum herum bildet. Es ist die Geschichte eines Super-Computers, der die Macht aller mit dem Internet verbundenen Computer nutzt. Diese Macht ist so groß, dass die Maschine das intelligenteste Wesen der Welt wird. Er erlangt Bewusstsein und modifiziert dieses, was auch die Suche nach einer digitalen Droge erklärt. „No Brain“ war offensichtlich der Beginn der Geschichte.

 


16. Ash Sync (Air, Alex Gopher & Etienne de Crécy Version) – H5 Single (2009)
Ludovic Houplain, ein Mitglied des H5 Kollektivs, das meine Cover von Anfang an designt hat, fragte Air, Alex Gopher und mich nach ein paar Orginal-Tracks für eine CD in ihrem Buch „This is the End“. Es ist eine Retroperspektive ihrer schönsten Plattencover. Wir beschlossen, dass wir alle einen Track zusammen machten und nicht einzelne Demos abgeben würden. Also, 15 Jahre nach Airs erstem Track trafen wir vier uns im Studio wieder. 

 


17. Fermeture Definitive – Superdiscount 
Ich glaube „Superdiscount“ wäre weniger einflussreich gewesen ohne Mr. Learns Intervention. Mein tief empfundener Dank geht an ihn.


„My Contribution To The Global Warming“  (HIER geht es zur Review) ist am 27. April als Box-Set (CD & Vinyl) auf Pixadelic erschienen.

„Zehn musikalische Wegweiser“ gibt es in Pt. 2.