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Bei einer Wanderung durch meine schöne Heimat, streift der Weg ein Getreidefeld. Wie funkelende Kunstwerke wiegen sich die Ähren in einem Meer aus goldenen Wellen im sanften Wind. Doch was ist das eigentlich genau Getreide? Wo kommt es her und warum ist es zu dem wichtigsten Nahrungsmittel für uns Menschen geworden?


Unter Getreide versteht man eine Gruppe von gezüchteten Gräserpflanzen, deren Samen, die Getreidekörner, wichtigster Bestandteil der menschlichen Nahrung sind. Das Wort Getreide kommt von dem mittelhochdeutschen getregede und bedeutet so viel wie das (von der Erde) Getragene. Ist das Korn reif, wird es geerntet, gedroschen, die „Spreu vom Weizen getrennt“, gemahlen und schließlich landet es als frisch gebackenes Brot auf unserem Frühstückstisch.

Sieben Gattungen gehören zur Getreidefamilie. Ohne die drei am meisten angebauten Sorten Reis, Mais und Weizen wäre es kaum möglich, die heutige Weltbevölkerung zu ernähren. Mit Roggen, Gerste, Hafer und Hirse gibt es noch vier weitere Getreidegattungen, die aber zusammen gerade mal rund 10 Prozent der Weltgetreideproduktion ausmachen. Andere bekannte Namen wie Dinkel, Einkorn oder Emmer, die vor allem als Biogetreide vertrieben werden, sind Unterarten des Weizens.

Es existiert kein anderes Nahrungsmittel, das wir jeden Tag so ausgiebig verzehren und so vielseitig zubereiten wie Getreide. Schon im „Vater unser“ ist die Urbitte des Menschen verewigt: „Unser tägliches Brot gib uns heute“. Im Durchschnitt verzehrt ein Bundesbürger über 90 Kilogramm Getreideerzeugnisse pro Jahr. Der Grund warum Getreide für uns als Lebensmittel so unentbehrlich ist liegt in zwei Eigenschaften begründet:

Zum einen weil Getreide einen sehr ausgewogenen Nährstoffgehalt und eine extrem hohe Nährstoffdichte besitzt, da es nur zu 15 Prozent aus Wasser besteht. Die restlichen 85 Prozent bieten fast alle zum Leben notwendigen Nähr- und Vitalstoffe. Es enthält hochwertiges pflanzliches Eiweiß, wichtige Kohlenhydrate, lebensnotwendige Fettsäuren, viele B-Vitamine für das Nervensystem sowie Mineralstoffe für ein gesundes Wachstum. Vor allem Eisen ist in Getreide reichlich vorhanden und kann so die Energiespeicher des Körpers effektiv auffüllen. Zum anderen besitzt Getreide sehr gute Lagereigenschaften. Obwohl Getreide über mehrere Jahre gelagert werden kann, lässt sich aus den Kornfrüchten jeden Tag aufs Neue frisches Brot backen.

Getreide, das auf unseren Feldern wächst und gedeiht ist bereits seit Jahrtausenden keine natürliche Pflanze mehr, sondern ein durch menschliche Eingriffe manipuliertes Gras, aus der Familie der Süßgräser. Getreidesorten sind also Varianten und auch Mutationen von Gräsern. Es sind uralte, immer wieder beeinflusste Kulturpflanzen. Durch Züchtung und Kreuzung nimmt der Mensch  Einfluss auf den Wuchs der Getreidearten, um möglichst große Pflanzen mit möglichst vielen Körnern zu züchten, die sich als möglichst resistent gegen Klimaschwankungen, Krankheiten und Schädlinge erweisen.

Das Ursprungsgebiet des Getreides liegt im Nahen Osten, dem Libanon, dem anatolischen und dem iranischen Bergland, im Gebiet des so genannten „Fruchtbaren Halbmondes“. Dort wuchsen die Getreidearten in der Periode der milden Winter. Getreide ist also ursprünglich keine in Europa beheimatete Frucht. Doch die Kulturgräser finden heute bei uns ähnliche Umweltbedingungen vor wie zu früheren Zeiten in ihren Ursprungsländern.

Vor über 10.000 Jahren, begann der Mensch hier systematisch Getreide anzubauen. Ackerbau und Viehzucht machten aus den nomadisierenden Sammlern und Jägern, die sich von Fleisch und essbaren Pflanzenteilen ernährten, sesshafte Bauern. Diese sogenannte neolithische Revolution kann als Initialstadium der menschlichen Hochkultur angesehen werden. Jede Hochkultur besitzt ihren ganz eigenen, an die jeweilige Region angepassten Getreideanbau. Die Reiskultur in Asien, die Maiskultur Amerikas, die Hirsekultur in Afrika, die Weizenkultur der Römer und die Gersten- und Roggenkultur der nordischen Völker. In West- und Mitteleuropa verbreitete sich der Getreideanbau vor rund 7000 Jahren.

Heutzutage sind China und die USA gefolgt von Indien die wichtigsten Anbauländer. Diese drei alleine bauen knapp die Hälfte der gesamten Weltproduktion von Getreide an.

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