Hin und wieder macht es Sinn, sich bis tief ins DJ Tool Archiv hinab zu wühlen. Denn es bringt erstaunliche Wahrheiten ans Licht. Stauben wir das virtuelle Regal des Jahres 2003 einmal ab, ergibt sich folgendes Bild: Die DJ Gemeinde klebte, zumindest bedientechnisch, noch immer an der schwarzen Scheibe, konnte aber zugleich von der digitalen Revolution nicht lassen. Das Ergebnis war unter anderem eine gleichsam ungewöhnliche wie kurzzeitige Kooperation von Native Instruments und Stanton, um Final Scratch in der Version 1.5 auch unter Windows lauffähig zu machen. Oder auch der SL-DZ 1200 von Panasonic Technics, welcher das strahlende CD-Pendant zum Original 1210er werden sollte, sich aber dann doch zum Rohrkrepierer entwickelte. Mitten hinein in diese Vinyl-CD-Digital-Übergangsphase stieß eine französische Corp. namens Guillemot mit seiner Hercules DJ Console: Einem ultrakompakten Doppel-Controller inklusive Soundkarte, ob seiner Road-untauglichen Qualität sich nicht ganz zu Unrecht von Profi-Seite belächelt und gemieden. Und doch lieferte es konzeptionell die Blaupause für das, was heute in unterschiedlichsten Ausführungen von allen Herstellern als „DJ Controller“ den Markt überschwemmt.


Auch viele neue Hercules-Abkömmlinge hat es seit dieser Markteinführung gegeben. Ganz frisch auf dem Markt ist die „DJ Console RMX2“. Der Bezeichnung nach mit der heute immer noch erhältlichen „DJ Console MK2“ schnell verwechselbar, erweist sich der neue Doppel-Controller allerdings nun endlich als das, was der Markenname verspricht: Ein kleines Kraftpaket mit einem Fuß in der Tür zum Controller-Olymp. Deutlich verbessert zeigen sich die Stabilität und Materialqualität. Metallgemantelt samt gebürsteter Aluoberfläche macht der Doppeldeck-Controller optisch wie haptisch einen rundum gelungenen Eindruck. Somehow raw und doch elegant. Zusammen mit der blauen Beleuchtung gar nicht weit entfernt von Stanton-Design. Sämtliche Potis und Knöpfe sind nun griffig gummiert und lassen sich flüssig führen. Wer mag, kann den CF sogar gegen einen Mini-Innofader tauschen. Wobei „Mini“ das Schlagwort ist. Denn auch der RMX2 bleibt dem Wesen nach ausgesprochener Kompaktcontroller mit einer Fläche kaum größer als das eines Netbooks. Entsprechend kurz sind die Faderwege im CF, in den Kanalzügen wie auch beim Pitcher. Allerdings arbeiten diese dank ihrer 14-bit-MIDI-Auflösung derart präzise, dass eine Feinabstimmung nur eine Frage der Übung ist.

Technisches Highlight ist in jedem Falle das verbaute Audio-Interface in 96 kHz/24-Bit-Güte, das für einen Controller dieser Preiskategorie außergewöhnlich ist. Der Klang perlt entsprechend klar und druckvoll durch Headphone und PA, in Ergänzung zum Computer als Klangfutterbasis kann für jede Playerseite sogar noch ein Plattenspieler oder Line-Signalgeber eingemischt werden. Allerdings: Diese werden in jedem Falle über die DJ-Software geführt – eine Stand-Alone-Nutzung der Hardware-Mixersektion ist nicht möglich. Ebenso benötigt der RMX2 zwingend das im Lieferumfang enthaltene Netzteil, USB-Power allein langt folglich nicht. Dafür läuft der Controller allerdings restlos stabil und harmoniert absolut latenzfrei mit der im Lieferumfang enthaltenen Software. Das Routing der externen Signale über die Software hat immerhin den Vorteil, dass sich die internen Effekte beispielsweise auch auf die von Vinyl zugeführten Tracks anwenden lassen. Für die anderen Modes wie „Cue“ oder „Loop“ gilt das freilich nicht.

Zur Software: Neben einer LE-Version von Virtual DJ aus (einst) ebenfalls französischen Landen ist eine Vollversion der Hercules-exklusiven DJ Applikation „DJuced 40°“ beigefügt. Was da namentlich vielleicht etwas seltsam daherkommt, entpuppt sich in der Anwendung als überaus brauchbare Lösung. Vor allem, um den RMX2 in seiner Hardware-Funktionalität kennenzulernen, da jedem Hardware-Element sein direkter Gegenpart in der Software zugeordnet Auch wir einem hier in einem eigenen Fenster deutlich, wie weitreichend man die RMX2-Soundkarte umkonfigurieren kann. Prinzipiell ist es sogar möglich, ohne zusätzlichen Mauseinsatz seinen DJ Einsatz zu bestreiten. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich aufgrund der geringen Gesamtdimension einige Funktionen nur rudimentär vorhanden sind. Dazu gehört vor allem das das Browsen ausschließlich über die vier Richtungspfeile oder die Effektzuteilung. Wer also mit umfangreicherer Software wie Virtual DJ in der Vollversion arbeiten möchte, sollte zumindest eine Minimaus für den Notfall griffbereit haben.

So kann man Guillemot Hercules zu dieser Neuauflage seines Klassikers einfach nur beglückwünschen. Äußerlich wie innerlich fast schon für die Ewigkeit werden Controller-Einsteiger ebenso zufrieden gestellt wie Profis auf der Suche nach einem robusten Kleincontroller für den schnellen Partyeinsatz. Sogar XLR-Outs sind vorhanden. Die Bedienung macht Spaß und geht, was die grundlegenden DJ-Funktionen betrifft, extrem flüssig von der Hand. Auch die vier Kissen zum Setzen bzw. Abfeuern der Cue Points, Samples, Loops und Effekte sind ein bedientechnischer Gewinn. Wer sich in diesem Zusammenhang den Kopf darüber zerbricht, was es mit den beworbenen „geschwindigkeitssensitiven Pads“ auf sich haben könnte: Damit ist offenbar „anschlagdynamisch“ gemeint. Und das ist auch das Einzige, was negativ auffiel: die verklausulierte und teilweise missverständlich übersetzte Bedienungsanleitung.

Hercules DJ Console RMX2
Kompakter 2-Deck DJ-Controller
Hochauflösendes Audio-Interface 96 kHz/24-Bit
2 Cinch-Ins (Stereo Phono/Line umschaltbar)
XLR-Out (symm. Stereo)
Main-Out (Stereo Cinch)
Booth-Out (Stereo Cinch)
Symm. Mikrofoneingang (LR/Klinke)
Hochauflösende Fader 14-Bit-MIDI-Modus
2 Jogwheels mit Druckerkennung
2 x 4 anschlagdynamische Pads
Kill-Switches
Austauschbarer Crossfader (Mini-Innofader kompatibel)
Inklusive DJ-Software: VirtualDJ 8 und Djuced 40°
Transporttasche im Lieferumfang enthalten
Preis: 299 EUR UVP
www.hercules.com