EXIT


EXIT Festival 2021, die 20. Jubiläumsausgabe – unser Balkan-Trip

Man kann auch 2021 nicht von einem richtigen Festivalsommer sprechen. In England und in den Niederlanden beispielsweise gehen auf einmal die Fallzahlen wieder drastisch nach oben. Es gibt Meldungen über gefakte Test und Impf-Codes in Utrecht.
Alles nicht so geil mit Aussicht auf baldige Normalisierung. Hier in Deutschland muss zum Friseur zumindest nicht mehr unbedingt ein Test mitgebracht werden, aber eine sommerliche Event-Saison sieht anders aus. Die großen Festivals sagen auch für dieses Jahr ab.

Die Möglichkeit, zum EXIT Festival nach Serbien zu reisen ist dann ein absolutes WooHoo-Gefühl.

Wenige Wochen zuvor gab es noch eine ähnliche Situation, um zum UNUM Festival nach Albanien zu reisen –  mit 14-tägiger Quarantäne. Pffft. No way. OK, nach Serbien also. Wir sind bereit! Ich kannte das EXIT Festival bereits von einem Besuch vor Corona und war beim Gedanken daran schon ganz kribbelig. Die Fallzahlen in Serbien liegen unter denen, die in Deutschland erfasst wurden und die Impfquote ist deutlich höher. Auf geht’s!

Die Reise beginnt.. natürlich mit einem PCR Test. Stäbchen links und rechts, Dankeschön. Wir fliegen von Dortmund mit Wizzair nach Belgrad, dort holt uns ein Shuttle ab und es geht nach Novi Sad an der Donau, wo das Festival seit 20 Jahren in der riesigen Festung Petrovardian stattfindet. Riesig heißt riesig. Ich schätze die Fläche auf ca. 20-mal der Fläche von PollerWiesen. Der Flieger ist voll, viele Familien besuchen ihre Verwandten, aber auch viele Leute, die sich darüber unterhalten, ebenfalls zum EXIT Festival zu reisen. Nach zwei Stunden Flugzeit dann der Landeanflug auf Belgrad. Unten sieht man bereits die Lichter. Draußen nur Blitze. Eine Durchsage auf ungarisch und Roboter-Englisch vom Kapitän, wir starten durch ohne zu landen. Ein bisschen wie Achterbahn. OK, ungefähr eine halbe Stunde später landen wir nicht in Belgrad oder Serbien, sondern in Timişoara, Rumänien. Ich wusste gar nicht, dass es den Ort gibt. Es dauert, bis der Flughafen grünes Licht zum Aussteigen gibt.

Wir sind im Niemandsland gelandet. Rumänisches Nichts drumherum, der Flughafen um diese Uhrzeit schon geschlossen, kein Taxi, kein Getränkeshop, kein Leihwagen, kein Internet. Nix. Wizzair meldet, es solle Busse geben, die nach Belgrad fahren. Vorausgesetzt, die kommen irgendwann, kalkulieren wir ab Flughafen sicher sechs Stunden bis Novi Sad. Scheisse. Lieber selber regeln. Wir bekommen endlich ein Taxi in die Stadt und suchen uns ein Hotel. UBER hatte leider zwischenzeitlich durch vergebliche Anfragen mit schwachem Netz meine Kreditkarte gesperrt. Ohne Hindernisse wäre auch zu geil. Das Hotel erklärt uns, dass es aktuell keine offizielle Verbindung von Timişoara nach Serbien gebe. Der hilfreiche Concierge kannte allerdings einen privaten Shuttle-Dienst, der sowas übernimmt. Am nächsten Morgen um elf Uhr gehe es los, zusammen mit einer rumänischen Violinspielerin, die über Belgrad nach Texas muss und mit uns fahren werde. Am nächsten Morgen war jedoch unser PCR Test abgelaufen, den wir für die serbische Grenze benötigten. Noch zwei Stunden Zeit, ab ins Test-Zentrum in Timişoara. Dort läuft alles super easy. Wir werden erstmal in das Zimmer für die Impfungen gesteckt. Ähm ja, Sprachbarriere.
OK, Stäbchen links und rechts in die Nase, los. Wie lange dauert das Ergebnis? „Wenn ihr Glück habt, vier Stunden“ – „WAS?“.

Oweia, wird ja immer besser. Die Zeit drängt, unser Shuttle wartet. Der Fahrer ist echt cool und wir überlegen auf der einstündigen Fahrt bis zur Grenze, was wir erzählen können, um dadurch zukommen. Die Violinspielerin muss ja nach Belgrad und wir dürfen auf keinen Fall auf der Strecke bleiben, da der nächste Flieger aus Rumänien erst vier Tage später wieder nach Deutschland geht. Fingers crossed.

An der Grenze ist Stau, alle werden genau kontrolliert, was mein Vertrauern in dieses Manöver hart auf die Probe stellt. Vor uns ist eine Gruppe Motorradfahrer aus Deutschland, die ihren gelben Impfpass in der Luft schwenken. Naja, in Serbien ist der allerdings hellblau und der Zöllner irritiert und genervt. Unser Glück! Er schaut nur kurz auf den Display vom Handy und nicht so genau auf das Datum. Wir sind in Serbien!

 

Um drei Uhr nachmittags sind wir in Novi Sad in unserem Hotel. Erste bekannte Gesichter aus dem Musik- und Festival-Zirkus, ein gutes Gefühl von „es geht wieder los!“ macht sich wohlig breit.

In Novi Sad ist es auf jeden Fall knackig heiß und die ganze hübsche Innenstadt ist voll mit Bannern und Fahnen, auf den Amelie Lens, Solomun, Boris Brejcha und David Guetta zu sehen sind. Erstmal in Ruhe Burger essen und kaltes Bier dazu.

Das Team vom EXIT Festival lädt uns ein auf eine Donau Sundowner-Cruise mit Drinks und Musik. Das Boot ist eher eine doppelstöckige Gartenlaube mit Außenborder, Kunstrasen und Theke. Egal, läuft. Ein super Auftakt, sich über die Donau schaukelnd durch das lokale Schnapssortiment zu verkosten.
Die Strapazen des gestrigen Tages sind damit komplett vergessen, wir sind voll im Jetzt angekommen. EXIT Festival Wochenende!

Die Impfquote ist wie gesagt deutlich höher als bei uns. Die Ticketausgabe erfolgt erst nach genauer Prüfung unseres Testes. Mit Bändchen am Arm geht’s los in die Festung. Ein etwas mulmiges Gefühl macht sich breit trotz Maske – mit der ich hier wohl der einzige zu sein scheine.

Drauf einlassen, erleben, das Festival genießen! Das Gefühl auf das Festival zu gehen ist so ein bisschen als spiele mit in der Afterparty von Game Of Thrones mit. Dicke Mauern und Wehrtürme, bunte Klamotten.

Und dann beginnt der Festival-Shit: Amelie Lens, Pan-Pot, Paul van Dyk, Sartori, Roman Flügel. Alter, was geht denn hier!?

Für den Ausnahmezustand, den ich erwartet habe, läuft das Ganze echt gesittet ab. Die Dance Arena, DIE Stage vom EXIT Festival, ist auf jeden Fall voll. Amelie Lens knallt in stark vermisster Manier einen vom Leder. Ziemlich geil!

 

Wir inspizieren auch die anderen Bühnen. Durch einen weiteren Tunnel kommen wir zur No-Sleep-Novi-Sad-Bühne mit Roman Flügel. Uns ballert absolut oldschool AweX „It’s Our Future“ entgegen mit dem gellenden Yeah-Schrei in den Vocals. Gänsehaut.

Der fette Abschluss des Ganzen ist das Closing-Set von Solomun. Mittlerweile ist es taghell und man sieht nur feiernde Leute in einer Burgmauer. Es fühlt sich abgefahren an.

Der Heimweg zum Hotel ist super gechillt. Ein relaxter, machbarer Fußmarsch über die Donau durch Novi Sad.

Auschecken mittags ist alles andere als geil, mit den Bildern im Kopf von diesem Erlebnis aber kein Problem.

Unser Taxi holt uns gegen drei Uhr ab. Zeit genug, ein lokales Frühstück abzuchecken. Wir verstehen kein Serbisch und die kyrillischen Buchstaben machen es nicht gerade einfacher. Es gibt aber überall Straßenbuden, alternative Cafés und super cosy Ecken. Überhaupt ist Novi Sad richtig schön! Wir trauen uns mit Fingerzeigen an die verlockenden Angebote. Irgendwas mit Puderzucker bestreutes Zimt-Teilchen mit warmen Pflaumen innen drin. Kleine Törtchen, dazu mega leckerer Mokka-Kaffe. Die nächste Bude hat neben vielen Pudding-Teilchen einen großen Bottich mit, ich würde sagen, frittiertem Kaiserschmarren oder so. Keine Ahnung, was es ist, eine große Tüte bitte. Dazu ein warmer süßer Mokka. Reinbeißen. Ausspucken. Frittierte Schweinereste in Salz gewälzt. Eklig im Quadrat. OK, eine Niete bei so vielen Gewinnen ist zu verschmerzen.

Wir holen unsere Nackenkissen raus und steigen satt ins Taxi zum Flughafen.

Im nächsten Jahr möchten wir deutlich mehr Tage vom EXIT Festival erleben. Ein echt starkes Event.

www.exitfest.org

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