Wir haben eine neue Nummer 1 bei den Live-Acts, der Vorjahressieger muss seinen Platz räumen und landet in diesem Jahr auf Platz 4.

1. Stephan Bodzin
2. KiNK
3. FJAAK
4. Reinier Zonneveld
5. Paul Kalkbrenner
6. Hercules and Love Affair
7. Ben Böhmer
8. Monolink
9. AKA AKA
10. Anthony Rother

11. Jan Blomqvist
12. Extrawelt
13. Hannes Bieger
14. Karenn
15. Neelix
16. Recondite
17. Richie Hawtin
18. Scooter
19. Stimming
20. Vril

 

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Interview mit Stephan Bodzin

 

Stephan, unsere Leser haben dich mit riesigem Vorsprung zum besten Liveact des Jahres gewählt, Gratulation.

Danke euch allen von ganzem Herzen. Ohne euren Support und eure Liebe zur Musik wäre ich nicht der, der ich bin. Ohne eure Energie, euer unglaubliches Feedback hier und bei allen zurückliegenden Shows würde ich nicht so performen, wie ich das nun einmal tue. Und auch jetzt bei diesem Interview spüre ich, wie sehr ich das alles und somit euch in diesen Zeiten der Zurückhaltung – die leider alles andere als meine Stärke ist – vermisse. Ich hoffe und glaube fest, dass wir alsbald da weitermachen, wo vor einem Jahr all dies ein jähes Ende hatte.

Wie hast du persönlich das letzte Jahr erlebt?

Ich habe viel Musik gemacht, die ich in 2021 dann auch veröffentlichen will (lacht). Auch habe ich die Zeit genutzt, den sozialen Defiziten, die sich nun einmal aus 15 Jahren Tour-Leben ganz natürlich ergeben, entgegenzuwirken. Sprich, ich habe viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbracht. Meine Tochter fragt auch gar nicht mehr, wer der Typ mit der Glatze ist (lacht). Hätte mir vor zwei Jahren jemand erzählt, dass ich den gesamten Sommer auf Ibiza verbringe, ohne ein einziges Event zu spielen, hätte ich das niemals geglaubt. Aber tatsächlich waren wir länger dort und haben – natürlich unter uns und Corona-konform – den Sommer weitestgehend entspannt genießen können. Ansonsten schleife ich jetzt japanische Küchenmesser selbst und habe meine homemade Pizza Napoli auf Weltniveau gebracht, gastronomische Ambitionen inklusive (lacht).

Auch wenn es wenige waren, hast du in 2020 zumindest im März noch Shows spielen können. Welche sind dir dabei besonders in Erinnerung geblieben?

Auf den allerletzten Drücker vor dem Lockdown war ich noch in Australien für zwei Festivals, dem Days Like This in Sydney sowie auf dem Pitch Music & Arts in der Nähe von Melbourne im Outback. Ich erinnere mich an Menschenmassen, eng an eng, feiernd, schwitzend, glücklich, emotional, an Staub, Bass, Freunde, Freude. Es war einfach ein ganz großartiges Wochenende, beide Shows mit meinen Buddies Maceo Plex, Anna, Richie und vielen, vielen anderen. Was würde ich drum geben, die Zeit mal eben zurückzudrehen.

Dein zum Teil customized Live-Setup fasziniert immer wieder sowohl Fans als auch Technik-Nerds. Was ist hier der aktuelle Stand der Dinge und was ist für die Zukunft geplant?

Um ehrlich zu sein, geht es hier auf diesem Gebiet nicht so richtig weiter. Obwohl das aktuelle Konzept nun auch schon gut fünf Jahre auf dem Buckel hat, ist es – so glaube ich – nach wie vor der intuitivste und komplexeste Midi-Controller auf dem Markt. Und natürlich eine Verlängerung meiner Arme inzwischen. Ich arbeite an einer Erweiterung dieses Systems, das ist klar. Aber grundsätzlich kann ich mir kein besseres Setup vorstellen, um meine ganz eigene Idee der Live-Performance so umzusetzen, wie ihr das ja schon kennt. Mein Fokus liegt dieser Tage eher auf neuem Content, sprich Songs, Songs, Songs. Ich gehe davon aus, dass meine erste Show nach Corona nicht einen bereits veröffentlichten Track enthalten wird. Daumen drücken, aber das Material an sich ist weitgehend fertig.

Über Kunst zu urteilen, ist sicherlich kein einfaches Unterfangen, wenn nicht sogar unmöglich. Aber was macht in deinen Augen einen „guten” Liveact aus und wie forderst du dich selbst immer wieder von Show zu Show heraus?

Über Kunst zu urteilen, ist an sich unmöglich und in meinen Augen auch völlig unnötig. Ich finde, den Begriff „guten Liveact“ schwierig. Es gibt so viele unglaublich talentierte Künstler dort draußen, die zeitgleich so unterschiedliche musikalische und technische Konzepte verfolgen. Und alle haben dabei ihre Berechtigung. Es fällt mir dabei ziemlich schwer zu glauben, dass ich hierbei vorne liege mit dem, was ich dazu beitrage. Ich bin dankbar wie am ersten Tag und stolz, dass es meine einstmals völlig irre Idee, einen Plexiglas-Controller zu bauen, der erstens funktioniert, aber auch zweitens transportiert werden kann, so dass ich wirklich und echt live spiele und halt nicht auflege, so weit gebracht hat. Bezüglich Herausforderungen brauche ich nicht wirklich welche, denn ich arbeite konstant daran, neue Dinge einzubauen, sodass auch ich Überraschungsmomente erleben kann und dabei improvisieren darf. Alles Weitere ergibt sich absolut immer aus dem Feedback der Crowd. Das Gefühl, auf die Bühne zu gehen, die Erwartung der Menschen zu spüren und dann einfach mal in den Moog zu greifen, ist schlichtweg unbeschreiblich für mich. Es ist immer anders, immer neu, es pusht mich immer auf die gleiche Weise durch mein Set. Genau hierfür mache ich Musik. Diese Momente bleiben für immer. Bei euch und auch bei mir.

2020 hattest du mit „Diamant“ einen Track auf der „Various Artists“ von Afterlife. Was ist für dieses Jahr geplant?

Ja, ich weiß. Ich bin eine schräge Nudel im Studio, werde nur langsam fertig und stehe mir selbst oft im Weg. Ich habe unfassbar viele Melodien nur skizziert, vor dem Rest der „Arbeit“ drücke ich immer mal gerne. Aber nach und nach wird es, inzwischen ist es zu einem tiefen Bedürfnis avanciert, diese Musik demnächst zu teilen. Das treibt mich an und wird beizeiten zum Ziel in Form eines neuen Albums führen.

Was steht bei dir auf der Agenda?

Ich hoffe, dass es schon sehr bald wieder ein paar Shows gibt und wir sehr bald wieder gemeinsam das Leben zelebrieren können. Auch freue ich mich wieder extrem zu reisen, Diversität zu erleben, sowohl kulturell, menschlich als auch kulinarisch. Natur zu sehen und zu spüren. All dies mit meiner Familie zu erleben, meine Tochter und mich selbst zu inspirieren. Dieses eine Leben, das wir nun einmal nur haben, nicht einfach verstreichen lassen. Jeder Tag zählt, auch dieser Tage. Danke, liebe FAZE-Leser für euren Support, eure Liebe. Ich hoffe für uns alle auf bessere Zeiten. Bleibt gesund, verliert niemals die Hoffnung. Es geht weiter, und das sehr bald.

Text: Triple P