Der Filmklassiker des Monats – präsentiert von Splatting Image
Rubbel die Katz:
DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE
Von Gerd Naumann

Mit DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE (1971) liegt ein früher Argento-Klassiker auf Blu-ray vor. Dieser ist der mittlere von drei Filmen, die auch als Glieder der Tier-Trilogie bezeichnet werden. Begonnen wurde die Reihe mit DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE (1970) und abgeschlossen mit VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT (1971). Alle drei Filme profitieren von einer überirdisch schönen Musik Ennio Morricones, die dem oftmals verwirrenden, gewalttätigen Giallo-Geschehen eine entrückte Note verleiht.
Die Qualität von DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE wird, aufgrund der Popularität der HANDSCHUHE und des Nimbus der FLIEGEN, oftmals vergessen. Ein Beispiel ist das brillante Spiel Karl Maldens, der den blinden, ehemaligen Journalisten mit sichtbarer Spielfreude gibt. Die Handlung ist aber, wie bei vielen italienischen Krimis, nur eine Blaupause für akustisch-visuelle Grenzüberschreitungen. An einem wissenschaftlichen Institut wird eingebrochen, doch es ist unklar, ob etwas gestohlen wurde. Nach und nach kommt es zu Todesfällen, die alle in Zusammenhang mit dem Einbruch stehen. Neben dem Ermittler Giordani, gespielt von James Franciscus, ist Karl Malden als Franco Arnós der wesentliche Darsteller. Er wird eines Abends beim Spaziergang mit seiner Nichte unfreiwilliger Zeuge des ersten Mordes. In Folge dessen entspinnt sich eine Whodunit-Geschichte mit bitterem Ende. Als Arnós‘ Nichte entführt wird, gerät der ansonsten besonnene Mann in Rage.
Argento entwickelte in der KATZE einen speziellen visuellen Stil weiter, der die Spannung oftmals noch zuspitzt und damit fast karikierend wirkt. In liebevoller Detailarbeit rückt er beispielsweise profane Milchtüten in Ultragroßaufnahme ins Bild, nur um zu zeigen, wie sich unaufhaltsam die tödliche Spritze nähert. Was dem deutschen Publikum anno 1971 als echter Bryan Edgar Wallace angepriesen wurde, war also keineswegs gängige Kinounterhaltung. Im Nachgang fallen allerdings verschiedene inhaltliche Längen auf, die im Grunde jeder Argento aufweist. Einige Dialogszenen wirken redundant und bisweilen drängt sich der Eindruck auf, dass insgesamt Filmstraffungen nötig gewesen wären. Das dachte sich wohl auch Constantin Film und kürzte einige Szenen für den Kinoeinsatz. Demgegenüber wurden Szenen mit Horst Frank in der deutschen Fassung erheblich erweitert. Solcherart Veränderungen stellten im Grunde keine Kürzungen dar. Da deutsche Produzenten mit involviert waren, hatten sie das Recht, eigene Fassungen für den hiesigen Verleihmarkt zu erstellen.
Die Bildqualität der nun gültigen internationalen Fassung auf Blu-ray ist überragend und ein sichtbarer Zugewinn gegenüber allen erhältlichen DVD-Versionen. Das Bild ist plastisch, ohne dabei überrestauriert zu sein. Der enthaltene deutsche und englische Ton sind ansprechend. Neben der längeren internationalen Version findet sich als Extra auch die deutsche Kinofassung, die auf Basis des neuen Masters rekonstruiert wurde. Daher fehlen leider auch die zwei längeren Szenen mit Horst Frank. Diese finden sich lediglich separat anwählbar im Bonusmenü, qualitativ deutlich gegenüber dem Hauptfilm abfallend. Neben Trailern und amerikanischen TV-Spots sind zwei zeitgenössische englischsprachige Rundfunkinterviews mit Karl Malden und James Franciscus enthalten. Schön ist, dass es die hervorragende Dokumentation TALES OF THE CAT mit auf die Scheibe geschafft hat, in der unter anderem Argento und Ennio Morricone zu Wort kommen. Insgesamt also eine empfehlenswerte Edition der VZ Handelsgesellschaft, die aber im Grunde lediglich eine Neuauflage älterer Ausgaben darstellt.

Il Gatto a nove code, D/FRA/ITA 1971
Regie: Dario Argento
Darsteller: James Franciscus, Karl Malden, Catherine Spaak, Pier Paolo Capponi, Horst Frank, Rada Rassimov, Aldo Reggiani u. a.
Anbieter: VZ Handelsgesellschaft