Erstklassisch

„Aha, schon wieder ein analoger Monofonsynth. Herzlichen Glückwunsch!“ Mit diesen Gedanken öffnete ich das Paket des von Manfred Fricke in Berlin quasi handverschraubten Synthesizers Dominion X. Beim genauen Betrachten der Frontplatte verschlug es mir aber dann doch gleich die Sprache. Drei Oszillatoren, Waveshaping, Filter FM, Ringmodulation, Bandpass und Notch-Filter, fünf Modulationsquellen und eine anschlagsdynamische Mod-Matrix? Das hat noch nicht mal mein Minimoog – und der kostet immerhin das Vierfache!

„Nun gut, Feature-Overkill kann jeder. Bestimmt klingt das nach nix.“ Dieser Gedanke war der zweite schwere Fehler des Testtages, wie sich nach dem Anschließen des Dominion X an den Sequenzer herausstellen sollte. Denn analoge Klassiker wie dicke Bässe, weiche Leads, schnelle und perkussive „Zapps“ sowie nach Science-Fiction anmutende Effektsounds schüttelt der Dominion X locker aus dem Ärmel. Die drei Oszillatoren bieten alle vorstellbaren Features und wuchten darüber hinaus noch stufenlos überblendbare Wellenformen und Ringmodulation auf die Waage.

Das Filter selbst hat fünf Betriebsmodi: Neben dem klassischen Tief- und Hochpassfilter gibt es die bei analogen Synths recht rar gesäten Bandpass- und Notch- Filter. Der glucksende
Klang erinnert mich sehr stark an den Korg MS-20. Bei weit geöffneter Resonanz setzt eine wunderschöne Verzerrung ein, für die sich der Nutzer digitaler Produkte längere Zeit mit der Verkettung einiger Plugins beschäftigen müsste. Es brummt, zwirbelt und quietscht, während der Grundklang trotzdem klar und deutlich wie ein Fels in der Brandung steht. Das Hineinfahren der schnell zupackenden Modulationen bewirkt schließlich das Gefühl, abzuheben und sich im Kreis zu drehen. So muss ein analoger Synthesizer klingen!

Volle Punktzahl für also die Pflicht. Doch nun folgt die Kür: Es gibt zwei Hüllkurven, zwei flexible LFOs und eine umfangreiche Matrix, in der das Filter und die Oszillatoren über die
Anschlagsstärke gesteuert werden können. Eingesetzt, lassen sich im Handumdrehen lebendige und abwechslungsreiche Klänge programmieren, die ich in dieser Komplexität von einem einstimmigen analogen Synthesizer so noch nicht gehört habe. Über die analogen CV Miniklinke-Eingänge kann ein analoger Sequenzer noch tieferen Zugriff auf den Klang nehmen. Was sich kompliziert anhört, ist auf dem logisch und übersichtlich gestalteten Panel intuitiv gelöst – jede Funktion hat seinen eignen Knopf.

Die Vertreter der virtuellen Computerzunft steigen bei mathematisch schwer berechenbaren Dingen wie Filter-FM, Sync und Ringmodulation häufig aus. Der Dominion X kann hingegen grad hier ein farbenreiches Obertonspektrum erzeugen und bei Bedarf kreischen und zirpen, ohne jemals zu aufdringlich oder gar unangenehm zu wirken. Subtil aufgedrehte Modulationen erzeugen eine klangliche Tiefe, die bereits bei zwei Oszillatoren sämtliche Unisono- oder Supersaw-Funktionen aktueller Digital-Synthesizer alt aussehen lässt. Das schönste Feature ist die bei Geräten dieser Größenordnung selten vorzufindende umfangreiche Bibliothek klassischer Analogsounds anlegen oder auf der Bühne schnell zwischen Sounds wechseln möchte, kann die 128 Speicherplätze nutzen.

Etwas ratlos zurück lässt mich einzig und allein die Qualität der Drehregler. Die angeblich in der Raumfahrt verwendeten „Military Grade“ Potis eines Moog müssen es ja nicht gleich
sein. Die des Dominion X wirken allerdings fast schon billig. Hier etwas mehr in der Hand zu haben, würde das hochwertige Gesamtbild komplettieren. Schließlich macht der aus Metall und Holz komplett in Deutschland hergestellte Desktop-Expander ansonsten einen ausgesprochen soliden Eindruck.

So bereichert der Berliner Kultfricke(ler) mit dem Nachfolger des beliebten MFB Synth II den Markt mit einem üppig ausgestatteten, für alle elektromusikalischen Spielarten einsetzbaren Analogsynthesizer, der den Vergleich selbst mit deutlich teureren Klassikern nicht scheuen braucht. Zwar wurde das noch im Prototypen verbaute Filter von Carsten
Schippmann letztendlich doch nicht realisiert (s. auch Maschinenraum). Doch das tut dem Dominion X keinerlei Abbruch. Funktionsumfang und Klang sind absolut oberste Liga. In Planung ist angeblich auch schon eine Polyphonversion. Und das wäre dann wahrlich die Krönung. Auf wiederhören!

MFB Dominion X
Monophoner Analogsynthesizer

• Drei Oszillatoren mit Waveshaping und Ringmodulation
• Sechsfaches Multimodefilter mit:
• 12/18/24 dB TP, 12dB HP, 12dB BP, 6dB Notch
• Dual-Sync und Dual-FM
• Zwei ASDR Hüllkurven
• Drei LFOs mit sechs Hüllkurven
• MIDI-In, -Out, -Thru
• Audio-In/-Out (Mono-Klinke)
• Steckfeld für externe CV/Gate-Steuerung
• Velocity-Routingmatrix mit 11 Zielen
• 128 Speicherplätze
• Preis: 780 EUR UVP

www.mfberlin.de
www.schneidersladen.de