
Erhitzte Gemüter gab es um das am vergangenen Wochenende stattgefundene Heide Park Festival. Unter anderem wurde der Auftritt von The Chainsmokers kurzfristig abgesagt. Das EDM-Duo stand als Headliner auf dem Line-up. Das Prekäre: Nun tauchte ein Screenshot eines Chats mit Alex Pall von The Chainsmokers auf, in dem dieser behauptet, man habe ihnen die Absage des Festivals mitgeteilt und dieses daraufhin trotzdem stattfinden lassen. Daneben gab es einige weitere organisatorische Punkte, die von Besuchern bemängelt wurden. Sogar die Verbraucherzentrale hat sich eingeschaltet. Andere Besucher wiederum zeigten sich begeistert.
Der Heide Park Soltau, ein Freizeitpark in der Lüneburger Heide im Bundesland Niedersachsen. Dort fand am letzten Wochenende „Europas erstes Musikfestival in einem Freizeitpark“ statt, so der Slogan der externen Veranstalter. An zwei Tagen, Samstag und Sonntag, traten bekannte Acts wie Luca-Dante Spadafora, Hardwell, Don Diablo, BENNETT, HBz, Leony, Zara Larsson, YouNotUs und einige weitere unter dem Motto „Pop meets EDM“ auf zwei Bühnen auf. Wer nicht auftrat: Das US-amerikanische Duo The Chainsmokers. Diese standen als Headliner an oberster Stelle auf dem Line-up des Festivals.
Das Artwork zum ursprünglichen Line-up des Heide Park Festivals:

Felix Jaehn, der ebenfalls vorher angekündigt wurde, fiel aus, da er bekannterweise gerade sämtliche seiner Auftritte abgesagt hat.
Bei The Chainsmokers sieht die Sache jedoch anders aus. Der genaue Hintergrund der Absage, die einen Tag vor dem geplanten Auftritt, als das Festival schon den ersten Tag am Laufen war, bleibt unklar. Die Veranstalter teilten laut mehreren Medienberichten am Samstag mit, der Auftritt von The Chainsmokers müsse „aus logistischen Gründen“ entfallen. Das Musiker-Duo habe selbst keine Schuld an der Absage. Die Entschuldigung des Veranstalters laut dem Portal News38: „Hey Leute, für manche Sachen kann man einfach nichts …“. Man bemühe sich um einen Ersatz für The Chainsmokers und werde die Festivaldauer nicht verkürzen. The Chainsmokers waren als letzter Act für den Sonntagabend auf der Mainstage des Festivals geplant. Laut Medienberichten trat der deutsche EDM-Act VIZE stattdessen auf.
Ein entsprechender Post vom Heide Park Festival zu dem Vorfall dazu lässt sich im Nachhinein nur schwerlich wiederfinden, wahrscheinlich handelte es sich beim Ort der Bekanntgabe um die Insta-Story der Veranstalter oder der entsprechende Post wurde gelöscht.
Auf jeden Fall hat die kurzfristige Absage neben weiteren groben, organisatorischen Mängeln, für ordentlich Unmut bei einigen Festivalbesuchern gesorgt. Jetzt nimmt die Absage neue Ausmaße an. Im Netz kursieren Gerüchte, den Chainsmokers (zu Deutsch: Kettenraucher) sei mitgeteilt wurden, das Festival würde komplett ausfallen, weshalb sie nicht mehr auftreten müssten. Bekannterweise hat das Festival aber dann doch stattgefunden. Zu diesem Gerücht ist jetzt ein Screenshot einer Privatperson im Netz aufgetaucht, der den angeblichen Chatverlauf über Instagram mit Alex Pall, Teil des US-Duos, über dessen offiziellen Account als Privatnachricht zeigt. Der Screenshot sieht echt aus, nicht im Nachhinein bearbeitet. Pall beschreibt genau jene Situation, die das Gerücht behauptet. Laut dem öffentlich-rechtlichen Radiosender NDR 1 dementierte der Veranstalter den Inhalt dieses Gerüchts, nannte aber auch keine anderen, genauen Hintergründe. Eine eigene Stellungnahme würde noch folgen.
Der Screenshot des Chatverlaufs mit Alex Pall, Teil von The Chainsmokers:

Fest steht, dass der Veranstalter etwa zwei Wochen vor dem Festival via Social-Media-Reel in einem Statement zugab, tatsächlich Probleme mit dem Ticketverkauf gehabt zu haben. Im Reel meldet sich David Davood, Veranstalter des Heide Park Festivals, persönlich zu Wort.
Es habe im Vorfeld einige Probleme gegeben, die zu für die Besucher blöden und nicht nachvollziehbaren Entscheidungen geführt habe. Generell leide die Veranstaltungsbranche Deutschlands unter schwerwiegenden Problemen, was zu Terminverschiebungen und Absagen von Mitbewerbern führe. Für das Heide Park Festival sei eine Absage aber nie Option gewesen, die Durchführung oberste Prio. Davood versprach, dass das Festival auf jeden Fall stattfinden würde. Man habe alles dafür gegeben. Eine der „blöde(n)“ Entscheidungen: Im Video teilte Davood mit, dass der Heide Park, entgegen vorausgegangener Kommunikation, doch auch für alle Gäste regulär geöffnet werde und nicht nur für Festivalbesucher. Das seine eine Entscheidung des Heide Park selbst. Die Begründung: Man habe mit 18 000 Tickets weniger verkauft als erwartet. Davood versprach, dass die Festivalbesucher mehrere exklusive Flächen im Heide Park erwarten dürften, zu denen die regulären Gäste keinen Zutritt hätten. Dazu zählten der Bereich um die beiden Bühnen sowie weitere.
Hier könnt ihr euch das Reel selbst einmal anschauen:
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Die Entscheidung des Heide Parks, reguläre Besucher trotz anderer Ankündigung trotzdem in den Park zu lassen, führte zu einigen Unmut und Orga-Chaos beim Heide Park Festival. NDR 1 berichtet von „lange(n) Wartezeiten“ vor den Park-Fahrgeschäften aufgrund der regulären Besucher, ungenauen Kontrollen an den Zugängen zum Festivalgelände sowie Chaos an den Parkplätzen des Parks. Das Portal Kreiszeitung fügt die Kritik an nicht ausreichenden Sanitär-Anlagen und zu wenig Personal hinzu.
Die direkteste Kritik lässt sich in User-Kommentaren in sozialen Netzwerken unter den Posts des Heide Park Festivals herauslesen. Einige User forderten ihr Geld zurück und hätten eine Absage des Festivals statt einer Durchführung unter diesen Umständen begrüßt. Eine Nutzerin kritisierte das „absolute Chaos (…) in ganz vielen Puinkten“, es würden jedoch „nur Glitzer und Einhörner gepostet“.
Eigentlich sei den Besuchern versprochen worden, der ganze Heide-Park solle als Festivalgelände fungieren, was mit den exklusiven Flächen und regulären Besuchern nicht mehr der Fall gewesen sei. Ein User kommentierte, er haben außer den Bereichen der beiden Bühnen, entgegen der Ankündigung, keine weiteren exklusiven Flächen gesehen.
Der schwerwiegendste Punkt: Ein User gab zur Aussage, durch die ungenauen Kontrollen an den Festivalzugängen seien auch einige reguläre Besucher auf das Festivalgelände gelangt. Das Problem: Ein Tagesticket fürs Festival hat im Vorfeld 99,99 Eur gekostet, für beide Festivaltage 189,99 Eur. Die regulären Gäste des Heide Parks bezahlen hingegen nur 37 Eur für den Zutritt zum Freizeitpark. Eine noch offensichtlichere, ähnliche Situation spielte sich an den Parkplätzen des Heide Parks ab. Festivalbesucher haben vorab 20 Eur für ein Parkticket bezahlt. Durch die reguläre Öffnung des Parks für alle sei es zu einem hohen Besucheraufkommen gekommen. Daraufhin wurden die Schranken zu den Parkplätzen für alle geöffnet. Der Screenshot einer Nutzerin zeigt die private Antwort per E-Mail vom Heide Park zu diesem Vorfall: Man habe die Schranken geöffnet, um einen „schnellen Zufluss zu gewährleisten“. Man sei sich darüber bewusst, dass damit „einige Gäste ohne Parkplatztickets aufgefahren“ seien. Die Alternative sei jedoch gewesen, die Schranken unten zu lassen und die Wartezeit damit „um bis zu zwei Stunden“ zu erhöhen.
Der Bericht vom NDR 1 beinhaltet hingegen ein anderes Statement des Heide Parks. Der „vom Veranstalter beauftragte Parkplatzdienst (…) habe ohne Absprache mit dem Park die Parkplatzgebühr entfallen lassen“.
Inzwischen hat sich auch die Verbraucherzentrale Niedersachsen eingeschaltet, bei der zahlreiche Beschwerden eingingen. Die Zentrale sieht in der Öffnung des Freizeitparks auch für reguläre Besucher einen Verstoß gegen den mit den Besuchern vom Veranstalter abgeschlossenen Vertrag. Dieser habe im Vorfeld explizit mit der Exklusivität des Festivals für Festivalbesucher geworben und kommuniziert, der Park sei in diesem Zeitraum für „reguläre Tagesgäste geschlossen“. Außerdem sieht die Verbraucherzentrale die Absage des Headliners The Chainsmokers als problematisch an, da dieser als Haupt-Act „wenig austauschbar“ sei. Die Empfehlung der Verbraucherzentrale: Man solle sich schriftlich an den Veranstalter wenden und einen Teil des bezahlten Geldes zurückfordern. Den Betrag solle man konkret selbst festlegen, je nach der Höhe der Beeinträchtigung des eigenen Festivalerlebnisses und den Vertragsabweichungen und zudem eine zweiwöchige Frist mit konkretem Datum zur Auszahlung des Betrages fordern.
Auf der anderen Seite gab es aber auch positive Berichte von Medienseiten und Besuchern zu dem Festival. Das Event- und Musikportal lieferte im Gegensatz zum durchweg negativen Bericht der Kreiszeitung, einen komplett positiven Nachbericht zum Festival ab. Dort liest sich: „Zusätzlich ging das Konzept der Veranstalter auch dahingehend auf, die bestehende, gute Infrastruktur des Parks zu nutzen. Knapp 20.000 Besucher waren an jedem der Tage im Resort unterwegs und konnten die vorhandenen WCs, Entertainments und Stände sowie Essensangebote hervorragend nutzen.“
Unter dem Bericht der Kreiszeitung kommentierte ein Nutzer, es sei nicht so negativ gewesen, wie im Artikel geäußert und appellierte an eine zweite Chance für den Veranstalter. Dem taten auch einige Facebook-Kommentare gleich. Ein User: Es sei „trotz allem eine tolle Veranstaltung“ gewesen und „aus Fehlern lern(e)() man gewöhnlich“. Dem fügen siche einige Kommentare an, von Besuchern, die viel Spaß hatten, nächstes Jahr wiederkommen wollen. Ein Nutzer beschreibt, er habe den schönsten Tag beim Festival gehabt. Ein anderer Kommentar: „Meine Güte, es war das erste Mal“.
Außerdem finden sich im Netz einige Videos begeisterter Besucher, die auf dem Festival einen tollen Tag erleben, wie etwa dieses TikTok-Video vom Auftritt des niederländischen DJs Hardwell mit den Worten „wie geil was das bitte“:
@djverbot Heidepark Festival wie geil was das bitte 🤫😍 #heidepark #heideparksoltau #heideparkfestival #festiva #hardwell #hbz #harderstyle #uptempo #foryou #fy #party #achterbahn
Die Veranstalter versprachen unterdessen laut Kreiszeitung, die genannten Probleme zu untersuchen sowie Verbesserungen für die Zukunft. Ob es das Festival im nächsten Jahr nochmals geben würde, sei laut NDR 1 jedoch ungewiss.
Quellen: heide-park.de, heide-park-world.de, Facebook-Seite des Heide Park Festivals, NDR 1, news38.de, news38.de, ndr.de, verbraucherzentrale-niedersachen.de, TikTok, kreiszeitung.de, stagr.de, Instagram-Seite des Heide Park Festivals
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