Aniello Federico lautet der bürgerliche Name des Italieners, der hinter Hollen steckt. Mit seinem vielfältigen Sound von Tech-House bis Techno hat er bereits Festivals und Clubs auf der ganzen Welt bespielt. Auch in Deutschland konnte man Aniello schon öfter erleben: In der Techno-Hochburg Berlin war er schon genauso zu Gast wie in Stuttgart oder Frankfurt. Im Interview erfahrt ihr mehr über ihn, seine ehemalige Arbeit als Event-Veranstalter sowie seine heutige als Labelmanager.


Hey, Hollen. Stell dich zuallererst doch mal vor und erzähl uns etwas über die italienische Technoszene.

Ciao! Ich wohne in der Nähe von Neapel, in Pompei. Das ist eine kleine Stadt, aber sie ist wegen ihrer Ruinen auf der ganzen Welt sehr bekannt. Mein Projekt Hollen wurde vor vielen Jahren ins Leben gerufen, zuerst als DJ, dann trat ich ein in die Welt der Produktionen. Seitdem habe ich eine Menge Musik veröffentlicht, von Tech-House bis Techno, auf einigen coolen Labels. Ich glaube, dass Italien eine gute Technoszene hat, wenn sie auch nicht in Bestform ist. In den letzten Jahren haben wir miterleben können, wie viele Clubs aus verschiedenen Gründen ihre Türen geschlossen haben. Ersatz gab es leider nicht. Das ist auch deshalb traurig, weil es bei all den Regeln und Gesetzen, die gemacht wurden, um die Clubszene zu ruinieren, wirklich schwer ist, einen Club zu führen. Auf der anderen Seite haben wir jetzt mehr Festivals. Verluste auf der einen Seite bedeuten gleichzeitig auch immer Gewinne auf der anderen.

Deine musikalische Karriere begann vor etwa zehn Jahren mit kleinen Clubauftritten und der Organisation eigener Events. Wie sieht es heute aus?

Die Chance, am Anfang der DJ-Karriere in Clubs zu spielen, ist wirklich gering. Besonders bei den großen Promotern oder Events. Zusammen mit einigen Freunden startete ich deshalb eine eigene Party in der Gegend. Wir hatten alle die gleichen Ideen, wir waren jung und es war nicht so üblich, in unserer Stadt Partys zu veranstalten. Heute hat sich viel verändert, ich habe einige Showcases für mein Label Prospect Records gemacht, aber jetzt ist nicht mehr der richtige Zeitpunkt dafür. Ich konzentriere mich nun ganz auf meine Bookings und mein Label. Mal sehen, ob 2020 die Partys zurückbringt!

Seit Beginn deiner Karriere ist viel passiert. Es scheint, als hättest du bereits die ganze Welt bereist. Du hast in Spanien, Großbritannien, den Niederlanden, in Bulgarien, Kanada, Südafrika, Indien, Japan, Indonesien, Mexiko, Kolumbien, Argentinien und Costa Rica gespielt. Welches Land hatte musikalisch am meisten zu bieten und was war dein bester Festival- oder Clubmoment?

Jeder Ort erzählt eine andere Geschichte. Ich hatte das Glück, fast die ganze Welt bereisen zu können. In Südamerika traf ich auf die wärmste Crowd aller Zeiten. Die Menschen dort wissen wirklich, wie man feiert. Festivals in Holland liebe ich auch. Besonders in Amsterdam, wo die Szene fantastisch ist. Andere Clubs, die ich immer in meinem Herzen tragen werde, sind zum Beispiel der legendäre Club Fabrik in Madrid, das Space in Miami und Ministry Of Sound in London.

Im Jahr 2011 hast du zusammen mit deinem langjährigen Freund Tony Dee das Label Prospect Records gegründet. Wie kam es dazu und wie sieht eure Aufgabenverteilung aus?

Der Grund für Prospect Records ist ganz einfach. Nach einigen Releases entwickelten wir mehr und mehr unseren eigenen Stil und unsere Vorstellung davon, wofür unser Label stehen sollte. Wir waren nur noch nicht bereit, ein Label zu managen, und hatten auch kein großes Budget. Es begann sanft, nur mit unseren Bemühungen und vielen Fehlern. Heute wird das Label von mir mithilfe eines geeigneten Teams verwaltet. Jetzt hat jeder seine Aufgaben bekommen und ich kann mich auf die Musik konzentrieren. Wir haben in den letzten Jahren viele Ziele erreicht und ich freue mich sehr, dass das Label von vielen DJs auf der ganzen Welt unterstützt wird.

Am 13. Dezember erschien auf Carl Cox’ Label Intec Records eine neue EP mit zwei Original-Tracks und einer Kollaboration mit The Southern. Wie kam es dazu, dass du auf dem Label einer der größten Techno-Ikonen veröffentlichen konntest?

Ich habe mein Demo an eine Reihe von DJs geschickt, damit sie meine Sachen spielen und testen können. Als das A&R von Intec Records auf mich zukam und nach diesen Tracks fragte, war ich überrascht und glücklich. Ich betrachte das Release auf diesem Label als riesigen Schritt in meiner Karriere, deshalb habe ich sofort zugestimmt.

Es gibt auch zwei weitere EPs auf deinem eigenen Label. Erzähl uns mehr darüber.

Ja, genau! Zwei neue EPs stehen auf Prospect Records an. Eine davon ist eine Solo-EP und ein Remix des Argentiniers Nicolas Taboada. Ich liebe seine Sachen – sehr kraftvolle Musik. Die andere ist eine Zusammenarbeit mit meinem langjährigen Freund Uto Karem. Einige der Tracks haben bereits ausgezeichnetes Feedback und Plays erhalten, aber mehr kann ich im Moment noch nicht verraten.

Eine Zusammenarbeit mit Uto Karem ist auch für das neue Jahr geplant. Gibt es noch andere Pläne für 2020?

Das neue Jahr wird mehrere Kooperationen mit sich bringen. Mit Uto Karem haben wir verschiedene Tracks gemacht und beschlossen, sie auf zwei EPs aufzuteilen. Eine wird auf Agile kommen und die andere wird auf Prospect veröffentlicht. Eine weitere Zusammenarbeit mit dem Spanier David Graña ist vorbereitet, allerdings testen wir die Musik noch. Ich kann also noch nicht bestätigen, wo sie veröffentlicht wird. Und auch einige andere Dinge sind in der Pipeline. Ich werde mehr Musik unter verschiedenen Decknamen veröffentlichen, die ich im Moment aber noch geheim halten möchte.

Reden wir mal nicht nur über künftige Produktionen, sondern auch über vergangene. Welcher deiner eigenen Tracks ist dein persönlicher Favorit?

Oh, das ist eine schwierige Frage, da ich viele meiner Tracks liebe – und andere auch hasse. Ich glaube, ich würde mich für „Analog Combo” entscheiden, den ich gemeinsam mit Raffaele Rizzi produziert und auf Unrilis veröffentlicht habe. Ich habe immer noch Gänsehaut, wenn ich diesen Track spiele!

Das neue Jahr hat gerade begonnen. Wie hast du den Jahreswechsel verbracht und was sind deine Träume und Wünsche für die kommenden Monate?

Da ich an Weihnachten auflegen musste, habe ich beschlossen, den Silvesterabend mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen. Ich weiß, es ist nicht üblich für einen DJ, aber ich bevorzuge es, das neue Jahr mit den Leuten zu beginnen, die ich am meisten liebe. Für 2020 wünsche ich mir, noch besser zu werden und die Ziele auf meiner Liste zu erreichen.

Aus dem FAZEmag 095/01.2020
Text: Denise Kelm
Foto: Galante Valcalcer