Gonzorama Part 2


„Potential-Superstar-DJ” Erster Teil

Es ist ein sonniger und recht frostiger Sonntagmorgen Ende Oktober. Noch vor einer Woche hatten wir beinahe sommerliche Verhältnisse und von jetzt auf gleich knallen die Wintervorboten herein. Der Segel-Lehrer von einem meiner Freunde sagte mal – es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.

Wie so oft an den Wochenenden bin ich recht früh aufgewacht, zunächst einige Zeit lesend und rauchend aufm Klo verbracht, meine Fitnessübungen gemacht, ein Paar Teetassen reingepfiffen, die Wohnung aufgeräumt und unter der Dusche singend, die nun mal notwendige Körperpflege betrieben. Irgendwo dazwischen mussten die Klamotten aus der Waschmaschine rausgeholt und auf dem Balkon aufgehängt werden. Ich hätte ja auch auf die Schnelle den Trockner anschmeißen können, jedoch mit dem Hintergedanken an die bevorstehende Strompreiserhöhung 2013 die Idee verworfen.

Aber unabhängig von dem Stromverbrauch – die Naturfasern in den Textilien leiden auf die Dauer bei der heißen Innenluft solcher Gerätschaften, werden spröde und brüchig. Wichtig zu erwähnen ist das Schrumpfverhalten, bei dem die z.B. T-Shirts langfristig zu Bauchfrei-Tops werden können. Bei Männern sieht es dann bedingt sexy aus. Also, eher vermeiden und auf die natürliche Weise trocknen lassen. Außer, man hat Bauchnabelpiercing oder ein Arschgeweih, das man unbedingt allen vorführen möchte, oder man ist komplett vom anderen Ufer. Überhaupt, über Geschmäcker bei Klamotten kann man sich unendlich streiten.

So ging ich mit meinem Wäschekorb durch das Schlafzimmer zur Balkontür und warf den Blick auf meine Turntable-Schätzchen an der Fensterfront. Sofort nach dem Aufhängen, die ganzen Knöpfe gedrückt, bis das ganze bunte Geflimmer mich anlächelte und auf die „sanfte“ Berührung wartend, vor sich hin blinkte. Ein paar Minuten lang wurde gescratcht was das Zeug hält – so, alltägliche Routine zuhause, um die Finger warm zu halten. Warum wurde ich überhaupt DJ? – fiel der Gedanke. Wenn man es genau auf den Punkt bringen möchte, so war es einfach ein einschneidendes Erlebnis, sogar eher ein Zufall vor weit über einem Jahrzehnt. Im ehemaligen „La Rocca“ auf der KÖ in Düsseldorf, wo ich am jeweiligen Abend mit meinem damaligen Kiffer-Kollegen (Name wird aus rechtlichen Gründen nicht erwähnt) spontan und völlig auf Sendung gelandet bin, spielte der noch bis dato in Deutschland unbekannte Bad Boy Bill sein Mega-Set. Auf vier Plattentellern drehend, jagte der Typ den Laden so dermaßen in die Luft, dass kein Arsch mehr in Untätigkeit blieb. Yoooo, es war also geschehen – so müsste ich es auch können! Rein technisch gesehen, denn auf House und Techno ging ich eh wie ein Zäpfchen ab. Von da aus, nahm die Geschichte ihren Lauf … Da sie allerdings recht lang wäre, verlege ich sie auf eine spätere Ausgabe und befasse mich mit dem hauptsächlichen Gedanken dieser, zweiten Kolumne – warum gibt es in der heutigen Zeit so viele DJs, was sind ihre Beweggründe und was ergibt sich aus manchen ihrer Handlungen und Haltungen?

Der Track – „I just want to be a drummer“ von Heavy Rock, schnitt das Thema schon vor einiger Zeit an. In these days everbody wants to be a DJ … ist ein weiterer Ausschnitt aus dem Text dieser Nummer, der gleichermaßen nachdenklich stimmt. Warum? Wieso? Wofür? Mittlerweile gibt es außer, sagen wir mal, „normal altrigen“ Auflegern aus beiden Geschlechtern auch Omis und Opis, Kinder und beinahe Babys, die in unzähligen Youtube Videos ihre Skills unter Beweis stellen. Sogar Tiere an den Plattentellern kommen vor … amüsant (naaat) und sonst? Sonst gibt es noch die Paris Hilton … stop, das reicht jetzt.

Nehmen wir jedoch die 08/15-Normalos, von denen nun mal die meisten Männer sind, deren Anteil prozentual deutlich über dem Weiblichen liegt. Genau die Sorte, die weitgehend die gleiche Lala aus den Charts, Woche für Woche hoch und runter trällert und entweder in jedem zweiten “Club-Bar-Lounge-Puff” oder dem einen oder anderen „Underground-Loch“ aufzutreffen ist. Genau die Sorte, die alltäglich einen mit den Einladungen in Social-Networks überhäuft und allgemein, stets “am Abzug” steht mit neuen Events, Partys und sonstigen, an die Allgemeinheit gerichteten “Ich-bin-da” Penetranz-Schreibereien. Wie kamen denn die meisten von denen darauf, ein DJ zu werden? Nach Jahren Beobachtung und Analyse hier meine Vermutungen, basierend auf seinerzeit unvermeidbaren Erlebnissen:

  1. Ist Trendy (DSDS lässt grüßen), wie z.B. seinerzeit überall, im modischen Zusammenhang und Vergleich, die auf der weiten Fläche der BRD verteilten, „hochmodernen“ Buffalo-Boots (so ziemlich die hässlichsten Treter der 90er)
  2. Kann man ein Paar Euros rausholen. An sich, leicht verdientes Geld. Egal was und wo spielen – man ist immer am Start. Als Freund und Helfer für den Chief des „Resident-Ladens“, per Spaßbook, die Web-Flyer über alle zur Verfügung stehenden Pinnwände der “Freunde” verteilen. Why not – man steht ja auch mit dem eigenen Namen drauf. So wird man ganz bestimmt ganz groß, berühmt und reich – A new star is born!
  3. Es liegt einem ein Haufen Discobunnies zu Füßen und steht, bzw. bückt sich beim Auflegen unter der Kanzel stets lutschend zur Verfügung. Nach dem Auflegen kann man sogar ein Paar davon mit nach Hause nehmen. Einige von den Bunnies, legen mit der Zeit manchmal kleine Eier… bzw. Häschen. So kümmert sich ein DJ direkt um eine höhere Bevölkerungsrate im Deutschen Lande.
  4. Der Pillenticker ist der beste Freund – warum die Gagen für die Telleraugen und „Smilies all night long“ raus ballern, wenn man dem „Mitsubishi-Händler“ den Zugang zu der „Heiligen Theke“ gewährt, so tut, als wäre man dickste Kumpels seit dem Sandkasten und der Kollege einem dafür die Abhilfe leistet, das Hirn auf die kostenloseste Weise zu zermatschen? Hinzu bekommt man noch was auf Vorrat, die zwei halben für die Bunnies, die nach der Afterparty-Heim-Fickerei, voller Motivation einem die Bude sauber lecken. Voll druppchack versteht sich. Mehr Motivation geht nicht!
  5. Ach ja, die Motivation. So ähnlich wie bei den Typen in fetten Karren, dient der vollgeknallte Tisch mit DJ-Technik Zuhause als Schwanzverlängerung und bei jedem Besuch in den eigenen vier Wänden, kommt man sich total wichtig vor. Nicht zu unterschätzen – die CD-Player müssen unbedingt der letzten Serie sein. Sonst klappt der Mix nicht mehr so, wie in den Promovideos der Hersteller dargestellt.
  6. Und zu guter Letzt, einer der ausschlaggebendsten Gründe – als DJ bestimmt man, wo die Reisen auf den Tanzflächen so hingehen. Macht ist geil und sie ist stets mit einem an den Decks!

Anmerkung: Selbstverständlich pauschalisiere ich hier ein wenig, denn eine genaue Analyse der Gründe diverser Werdegänge würde den Rahmen mehr als sprengen.

So habe ich direkt im Anschluss an diese Thesen ein passendes Beispiel (Nr. 1) mit so einem Traumtänzer, bei dem die bereits genannten Punkte mehr als zutreffen und zu denen ich auch noch einen drauflege. A la – so sollte man es nicht tun.

Seit vielen Jahren lebe und arbeite ich in einer wundervollen Stadt und bis auf ein Paar architektonische Missgeschicke, war meiner einer überzeugt, es gäbe hier nur Gutes, hauptsächlich im Bezug auf die Einwohner, u.a. DJs, sprich, die Menschen selbst! Weit gefehlt, jede Medaille hat zwei Seiten und genau in diesem Zusammenhang erzähle ich von den eher negativeren Erfahrungen mit solch einem Djmaten der ganz besonderen Mixtur. Es gibt also eine Lachnummer (oder so ähnlich), die hier bei jeder Party und Nichtparty, einen Programmstopfen mit seinem Midi-Controller und „ich knall mich weg-Musi“ im Programm mimt, in der Freizeit (alles für die Eigenpromo) in Häschenkostümen auf den Facebook-Bildern herumhüpft, irgendeine [KnallFuck] (oder so ähnlich) Agentur für was auch immer betreibt, halb-ahnungslose Menschen zu Demos und Petitionen gegen z.B. GEMA und andere dunkle Mächte aufruft und momentan sogar nach einem/-er Praktikanten sucht… Zitat: Biete wertvolle Lektionen fürs Leben. Junge, Junge … hast du voll einen an der Waffel? Was hast du zu bieten? Wie man nicht auflegen kann und öde Mucke für ein Set aussucht? Wie man die Steuern nicht zahlt und sogar dafür von der Polizei abgeholt wird? Daraufhin, damit man nicht im Knast landet, Geld leiht und das nicht zurückzahlt? Wie man stets auf fremde Kosten, ohne eine eigene, feste Bleibe lebt und größtenteils nur Mist und Lügen fabriziert, wie z.B. illegale Partys veranstaltet, bei denen man noch so doof ist und sich vom Ordnungsamt, Polizei und Co. erwischen lässt? Wie man also egoistisch und rücksichtslos sein Ding durchhaut, ohne nur ansatzweise Anstand und Verstand zu besitzen? Hervorragende Aussichten für die zukünftigen Bunnies und die Praktikanten! Viel Glück, wenn es dann soweit sein sollte – seid ihr auch selber schuld, dass ihr euch auf so einen eingelassen habt!  Außer, eine negative Erfahrung empfindet man als eine unabdingbare Bereicherung. Dann aber Happy-Time!

Nun, am Ende dieser Story, hat dieses „Ausnahmetalent“ seine Schulden beglichen, nachdem er (rein zufällig) mit mir eine „entspannte und hirneinrenkende Kommunikation“ geführt hat. Auch wenn im Nachhinein die Übergabe der Kohle auch nicht ganz reibungslos verlief…  Traurig das Ganze, denn sogar im allerletzten Moment musste dieser Elite-Homo Sapiens verbal einen raushängen lassen. Armselige Nummer und perspektivisch gesehen, wohl keine Besserung in Sicht. Kamikaze sterben wohl nie ganz aus…

So läuft es also manchmal mit der besonderen Gattung – “Potential-Superstar-DJ“. Hauptsache, man ist am Pult, egal auf welche Art und Weise. Bei den „besonders talentierten“, fügen sich gekränkter Stolz, Ego, höher als der Himalaja  Penetranz auf allen Kanälen, Unzuverlässigkeit und Hirnrissigkeit hinzu.  Das überaus Traurige daran ist, dass gerade die extremsten dieser „Berufswahl“ sich dermaßen übernehmen und einfach keinen Plan vom Leben und weiteren Nuancen des korrekten Verhaltens haben, dass es manchmal mehr als haushoch stinkt. Nicht umsonst, trage ich zwischendurch eine Atemschutzmaske.

Im zweiten Teil dieser Story erzähle ich euch von den traurigen Resultaten solcher DJ-Lebensweisen aus meiner jahrelangen Praxis.

Soweit so gut für diese Ausgabe. Wünsche allen warme Kleidung, verleiht kein Geld an irgendwelche dahergelaufenen Bugs Bunnys & Co. und habt somit einen dicken Haben-Stand auf den Konten! Füttert keine Parasiten – diese werden euch eh nicht dafür danken. Wie man so schön sagt: Biete einem den Finger an und er reißt dir den Oberkörper mit raus. Und sollte der/die eine oder andere auf die Idee kommen, ein DJ zu werden – tut was immer Ihr wollt! Aber seid so gut, bleibt anständig! Und geht niemandem auf den Sack!

 

 

Bis bald!

 

Euer HomeBoy

 

P.S.: Lucas Arts & Co. wurden von Disney gekauft – Star Wars-Fortsetzungen folgen. War’s das? Abwarten und Tee trinken…

Eventuell auch lesenwert:

www.fazemag.de/homeboys-gonzorama-teil-1