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Seit einigen Jahren ist das zugezogene Geschwisterduo Milner in Hamburg und Umgebung verankert und machte erstmalig mit dem Song „I Love My Harbour“ und einer musikalischen Liebeserklärung an die Wahlheimat inklusive passendem Video auf sich aufmerksam. Als 2010 das Debütalbum „Hundreds“ erschien, waren Eva und der sechs Jahre ältere Philipp bereits häufiger auf Tour gewesen als andere vergleichbare Acts. Die musikalische Arbeitsteilung der Milners sieht vor, dass Eva fürs Texten und Singen sowie das gelegentliche Spielen besonderer Instrumente verantwortlich ist, während ihr Bruder Synthies, Piano und Laptop bedient. Und so ergab das in seiner Gänze mit „Hundreds“ ein wundervolles Erstlingswerk, Indiepop mit elektronischen Einflüssen präsentierend, dem nun am 14. März auf Sinnbus mit „Aftermath“ Album Nr. 2 folgt. Hierauf glänzen die zwei erneut mit minimalistisch-elektronischen Grundgerüsten, angereichert mit wundervollen Melodien voller Melancholie.

Mit dem Release des ersten Albums stiegen seinerzeit nicht nur Menge und Besucherzahlen der Hundreds-Konzerte, sondern auch der Anspruch der Künstler an sich selbst. „Wir haben versucht, dass Album live besonders interessant und auch anders umzusetzen. Ich denke, das ist uns gut gelungen“, erklärt Eva im Interview. Gerade die allseits positive Resonanz auf „Hundreds“ dürfte an der Entstehung von „Aftermath“ auf die eine oder andere Art beteiligt gewesen sein. „Natürlich hat das einen gewissen Einfluss auf die Arbeit am zweiten Album gehabt. Bei den Aufnahmen zum ersten Album gab es weder Label, noch Bookingagentur oder ein Netzwerk. Nur ein paar Freunde, deren Meinung uns sehr wichtig war. Ansonsten gab es nur Erwartungen von uns selbst an uns selbst. Als wir mit der Arbeit an ‚Aftermath‘ begannen, haben wir natürlich überlegt, ob der organischere Sound des Ganzen die Erwartungen der Hörer erfüllt, aber davon muss man sich einfach frei machen, sonst stockt der Prozess sofort. Man muss Mut haben, sich von sich selbst und allen Erwartungen zu entfernen.“ Klar wird aber auch dieses Mal, dass in Evas und Philipps Brust jeweils zwei Herzen schlagen. Es ist die besondere Kombination ihrer Vorliebe für elektronischen wie akustischen Sound, die die Produktionen von Hundreds ausmacht. „Das entspricht auch meinem persönlichen Geschmack. Ich mag The Tallest Man On Earth, aber ich finde auch Moderat großartig. Das widerspricht sich für mich auch gar nicht. Und live achten wir natürlich sehr darauf, dass die Songs noch viel mehr Kraft entwickeln, als auf dem Album. Damit gemeinsam mit dem Licht, den Visuals und dem Sound ein Konzerterlebnis entsteht, aus dem man herausgeht und sich denkt: ‚Was für ein Film!‘ Wir wollen die Leute mit in unsere Welt entführen und sie auch zum Tanzen bringen.“

Seit dem Debüt sind vier Jahre und unzählige beeindruckender Live-Shows ins Land gegangen, die ebenso einen Einfluss auf den Sound des Zweitlings gehabt haben dürften. Womöglich ist so auch der Albumtitel (Aftermath = Auswirkungen/Nachspiel) zu verstehen? „Eine Teilbedeutung hat das schon. Die Zeit war sehr bewegt und aufregend. Wir mussten uns erst mal sammeln. Haben dem Nachhall gelauscht und dann von vorne begonnen.“ Dafür hat man sich aufs Land zurückgezogen. „Da hatten wir beste Voraussetzungen“, erklärt sich Eva, denn die Zurückgezogenheit war nach all den Aufregungen der vorangegangenen Monate und Jahre dringend notwendig, um wieder kreativ arbeiten zu können. „Uns war das nicht bewusst, aber im Nachhinein ist das alles schlüssig. Wir brauchten die Ruhe und die Klarheit der Landschaft um uns, um dieses Album machen zu können.“ Immer wieder wird Musik mit einer gewissen Melancholie ein düsteres Image zugeschrieben. Etwas, wogegen sich auch Hundreds wehren. „Melancholie kann man schon als die Grundstimmung unserer Musik feststellen, wobei ich mich da schwer tue, etwas Düsteres zu sehen. Aber das sei jedem selbst überlassen. Auf ‚Aftermath‘ geht es viel ums Erwachsen werden, wie Freundschaften sich verändern, wie man seinen Platz in der Welt findet…außerdem schrieb ich viel aus mir heraus, versuchte innere Prozesse zu beschreiben, wie z.B. die inneren kritischen Stimmen, die fast jeder hat, einzufangen, und wie man sich von ihnen befreien kann … zumindest für einen Moment.“ Von dem Umstand, dass ein Musiker immer wieder auch von seiner direkten Umgebung beeinflusst wird, sehen sich Eva und Philipp heute aber nur bedingt betroffen. „Ich lebe in Hamburg, und Philipp lebt in der Nähe. Er hat das Studio quasi mitgenommen, deshalb war ich während der Produktion teils in Hamburg, aber meistens bei ihm auf dem Land. Hamburg beeinflusst uns nicht mehr so wie beim ersten Album. Da waren wir noch relativ neu in der Stadt. Hamburg ist für mich der Ort, wo Zuhause ist, wo meine Freunde leben, wo ich am liebsten bin.“ Nun aber geht es erst mal wieder – wie so oft eben – auf Tour. Dieses Mal sind die Geschwister auf der Bühne aber nicht allein. „Ab der kommenden Tour, für die wir gerade proben, stehen wir zu dritt auf der Bühne. Der Laptop ist einem Live-Elektronik-Drummer gewichen. Das ist für uns eine große Herausforderung, wird aber auf jeden Fall ein lebendigeres Konzert erzeugen. Wir sind gespannt.“ Das darf das Publikum wohl auch sein, vor allem hinsichtlich der visuellen Aufbereitung des Ganzen. „Unsere Visuals werden von Anbeginn unserer Live-Shows von zwei großartigen Visual Artists kreiert. Wir arbeiten seit fünf Jahren zusammen. Momentan sind wir in der Phase, in der die neuen Songs ‚bebildert‘ werden. Und ja, wir sind in den Prozess miteinbezogen. Das ist uns auch wichtig. Man stellt sich ja nicht vor irgendwelche Projektionen und weiß nicht, was da hinter einem passiert. Das wird, wie auch schon bei den letzten Touren, alles wunderbar zusammen wirken. Es gibt auch einige neue Ansätze hierbei. Aber das soll man sich dann am besten selbst auf unserer Tour selbst ansehen.“ Sofern noch die Chance besteht, denn einige der Konzerte sind bereits restlos ausverkauft.

 

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www.hundredsmusic.com