verkleinert(20)


James Blake spaltet derzeit die Nation, zumindest die musikalisch interessierte. Während die einen den jungen Briten über den Klee loben, schlafen die anderen beim Hören seiner neuesten Produktionen im Stehen ein. Und ja, das erste Album war ein Geniestreich, gefühlvoll, intim und ergreifend. Reduktion und Entschleunigung gleichermaßen, seine Kollaboration mit Bon Iver ein weiteres Highlight. Unumstritten ist Blakes zweites Album „Overgrown“ nichts für ohnehin angeschlagene Gemüter, aber das war das erste wohl auch nicht. Gute Laune holt man sich eben besser woanders. Die einen nennen es Melancholie, die anderen Depression. Am Ende bleibt ein Album, das für mein Gefühl besser in den Herbst oder Winter gepasst hätte. Ein Album, das gespenstisch bis alptraumhaft dahin wabert, berührend, aber auch beängstigend. Der eine mag Blakes quengeligen Gesang als innovativ und outstanding empfinden, dem anderen ist es irgendwann schlicht zu viel. Man kann es eben nicht allen recht machen. Doch „Overgrown“ wächst und entfaltet seine verschachtelte Schönheit erst nach mehrmaligem Hören. Geduld ist eben eine Tugend, und Vielschichtigkeit, Tiefe und Genialität lassen sich nicht immer auf den ersten Blick erkennen. 9 Points/NicolA

 

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