Jonas Saalbach-25
Musik war für Jonas Saalbach schon immer der zentrale Punkt im Leben. Mit 14 Jahren erhielt er von seinem Cousin, einem Drum’n’Bass-Producer, erste Einblicke in die Welt der Musikproduktion. Der versuchte verzweifelt, ihm Kompressoren und Hüllkurven zu erklären. Jetzt veröffentlicht Jonas Saalbach sein Debütalbum auf dem Label von Einmusik. Wir haben mit ihm über Zeit dazwischen gesprochen.


Was in jungen Jahren vielleicht noch zu komplex erschien, bestimmt heute den Studioalltag des Produzenten, doch auch das ging nicht von heute auf morgen. Für Inspiration sorgten Künstler wie Trentemøller, Bodzin und Huntemann, für das Know-how sorgte er selbst: „In Frankfurt habe ich eine Ausbildung zum Tonstudiotechniker gemacht und bin nach einigen Etappen schließlich in Berlin gelandet. Den Schritt zu wagen, mit seinen eigenen Produktionen ins professionelle Musikbusiness einzusteigen, war sicherlich nicht der einfachste, aber ich bin froh, dass ich trotz aller Höhen und Tiefen weitergemacht und jeden Tag im Studio geschuftet habe. Drei Jahre und 20 Platten später bin ich auf jeden Fall glücklich, Produzent meinen Beruf nennen zu dürfen.“ Im letzten halben Jahr hat Jonas nun sein Studio aufgebaut. „Dort arbeite ich mit allem, das mir in die Finger kommt, von Plug-ins bis zur Hardware. Ich sample auch gerne Instrumente oder nehme Percussions und Vocals selbst auf. Worauf ich technisch gesehen aber gar nicht mehr verzichten möchte, ist das Yamaha PM-1000 Pult aus den 70er-Jahren, das in den ‚BlackHead Studios’ steht. Nachdem ich eine Produktion abgeschlossen habe, gehe ich dort vorbei, und die Gruppen werden analog zusammengemixt. Auch die Pultec EQs dort sind eine feine Sache, die ich aber leider (noch) nicht im eigenen Studio stehen habe.“ Die eigenen Produktionen machten Jonas schon so erfolgreich, dass er weit über die Landesgrenze hin-aus bekannt wurde. „Das regelmäßige Touren hat direkt international angefangen. Kiew, Helsinki, London, Paris, überall habe ich tolle Partys gefeiert und super Menschen aus der Szene kennengelernt.“ Sogar in Dubai hat er schon gespielt, wo sich die Partys allerdings sehr von den hiesigen unterscheiden: „Die Leute kommen Mitternacht auf die Party, raven drei Stunden und gehen um drei Uhr nachts wieder nach Hause. Die Qualität der Party leidet darunter aber nicht, und die Szene boomt dort gerade sehr. Ich kann mir durchaus vorstellen, in diesem Teil der Welt regelmäßig zu spielen.“ Das schönste Erlebnis jedoch hatte Jonas Saalbach in Jordaniens Hauptstadt Amman: „Die Gäste sind schon durchgedreht, bevor die erste Kick eingesetzt hat. Total verrückte 90 Minuten. Nachdem ich fertig war und auf den Dancefloor gegangen bin, habe ich von fast jedem eine kleine Umarmung bekommen. Die Menschen dort haben wirklich eine tolle Mentalität!“

Neben dem Touren fand Jonas auch genug Zeit, sich auf neue Tracks zu konzentrieren, und so dürfen wir uns nun auf sein Debütalbum freuen. Wie auf seiner Facebookseite zu lesen war, wird es „Ancient Lake“ heißen: „Es ist am 30.10. auf Einmusika Recordings erschienen. In Kollaboration mit der Hochschule für Film und Fernsehen München wird es für jeden Track ein Musikvideo geben. Ich habe ungefähr ein Jahr daran gearbeitet und mir mit kleinen Unterbrechungen recht viel Zeit gelassen. Zwei Tracks habe ich mit der Sängerin Mz Sunday Luv produziert, ihre Stimme ist sehr speziell und es macht wirklich Spaß, mit so einer erfahrenen Musikerin zusammenzuarbeiten. Außerdem habe ich für zwei eher experimentelle Songs Geige und Rhodes ein- spielen lassen. Ein Album bietet mehr Raum für Experimente und eine ‚Storyline‘, insofern war es sehr spannend für mich, Musik für dieses Format zu produzieren. Alles in allem ist ‚Ancient Lake’ eine Runde Sache geworden, und ich freue mich wirklich sehr auf die Veröffentlichung.“ / Gutkind

www.jonas-saalbach.de
Aus dem FAZEmag 044/10.2015