Seit 2007 veröffentlicht die deutsch-türkische Künstlergruppe „m-a-u-s-e-r“ aus Stuttgart ihr „Junk Jet“-Magazin in sehr losen Abständen, unterschiedlicher Aufmachung und inhaltlichen Gewichtung (das beliebte DUMMY-Prinzip). Der Name ist zusammengesetzt aus dem Begriff für Schrott oder Kram und dem schnellen Transportmittel eines Düsenjets oder eines Jet-Zuges. Das Projekt begleitet laut Asli Serbest, eine der beiden Herausgeberinnen, „die künstlerische Kultur digitaler Medien“. Gerade ist #6 unter dem Titel „Here and Where“ erschienen: Ein Themenheft über Lokalität, angeschaut von Mitarbeitern wie dem New Yorker Videokünstler Alejandro Crawford, der Französin Clement Valla, die mit algorithmischen Systemen arbeitet oder auch dem Londoner Architekt Tomas Klassnik. Auf höchst verschiedene Weise beschreiben sie Wahrnehmungsveränderungen, die durch unser modernes elektronisches Leben entstanden sind. Es gibt freigestellte Google Warehouse-Gebäude, die zu fiktiven Städten zusammengebaut wurden. Das Projekt „ Crystallize and Emboss“‚ arbeitet mit Photoshopfiltern, die über normale Landschaften gelegt werden, auf gleiche Weise wie Google Maps „important strategic objects“ kaschiert. Es gibt einen Aufsatz über Öffentliche Bibliotheken, hier bezeichnet als „New Modern Ruins“. Teil der neuen Junk Jet-Ausgabe ist zudem ein knapp 60-minütiges „Mexican Jihad Mixtape“, mit südamerikanischen Electromusikern, die auf überaus klangvolle Namen hören. Vertreten sind DJ Nombre Apellido, Pájaro Sin Alas (auf Soundcloud recherchier- und anhörbar) oder, absolutes Highlight: Nesstrak feat Mock the Zuma. – „Junk Jet“ spült Hirn und Gehörgänge durch. Abseitig. Aber cool. / Jan Drees

Ausgabe #6, 146 Seiten, 12 Euro
www.junkjet.net