Kokain auf Abwegen – wenn Drogen im falschen Briefkasten landen

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Kokain auf Abwegen – wenn Drogen im falschen Briefkasten landen / Bild von Kokain_Flickr_Credit_Kripos_NCIS_Web (1)

Fast 50 Kilo Kokain auf dem Weg nach Australien. Ein Drogenversand, der schon im Startblock scheitert. So beginnt ein neuer Kriminalfall, der am Hamburger Landgericht verhandelt wird – nicht mit einer wilden Fahndungsjagd über Kontinente, sondern mit einer simplen, aber fatalen Panne. Eine falsche Adresse.

Im Februar dieses Jahres wurden in einem Paketdienst in Hamburg mehrere Sendungen aufgegeben, die rund 48 Kilogramm Kokain enthielten. Der Plan war ebenso simpel wie kühn. Die Drogen sollten per Post bis nach Australien gelangen. Doch im Datenfeld von Absender und Empfänger schlichen sich Fehler ein, die das Vorhaben schon beim ersten Schritt zum Scheitern verurteilten.

Statt die australische Adresse korrekt einzutragen, landete die Sendung in Köln. Genauer gesagt bei einem Kfz-Ersatzteilgeschäft, das mit dem Drogenhandel nichts zu tun hat. Und noch gravierender: die Angaben zum Absender wurden vertauscht. Was genau als Irrtum begann, fiel einem aufmerksamen Mitarbeiter des Kurierdienstes auf. Er alarmierte die Polizei, die die Pakete sicherstellte, bevor sie überhaupt das Land verlassen konnten.

Aus dem internationalen Kokain-Transport war ein nationaler Strafprozess geworden. Eines Tages nach der Sicherstellung reiste ein 23-jähriger Mann aus Norwegen extra nach Hamburg, um die falsch adressierten Pakete abzuholen. Ohne zu wissen, dass sie bereits nicht mehr im Verkehr waren. Nachdem der Versuch, sie weiterzugeben, mehrfach scheiterte, brach die Gruppe das Vorhaben ab und der Norweger kehrte in sein Heimatland zurück.

Ein falscher Buchstabe im Adressfeld

Heute sitzt der 23-Jährige vor der Großen Strafkammer in Hamburg. Ihm und weiteren namentlich noch nicht öffentlich verfolgten Mittätern wirft die Staatsanwaltschaft vor, mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge gehandelt zu haben. Es sind Vorwürfe, die im Schatten der ungewöhnlichen Panne stehen. So viel Kokain, so viel Risiko. Und ein falscher Buchstabe im Adressfeld macht alles zunichte.

Der Fall ist nicht nur ein Lehrstück über die feinen Unterschiede zwischen Erfolg und Scheitern im internationalen Drogenhandel. Er zeigt auch, wie viel an krimineller Logistik heutzutage von simplen digitalen oder organisatorischen Fehlern abhängt. In einer Branche, die ansonsten akribisch arbeitsteilig organisiert ist, kann ein winziger Versatz im Adressfeld ganze Pläne pulverisieren.

Und so wird dieser Prozess nicht nur über Mengen und Strafmaß entscheiden. Er ist auch ein Spiegelbild jener Welt, in der illegale Waren über Kontinente bewegt werden. Und am Ende an einem falschen Briefkasten hängen bleiben.

Quelle: mopo.de

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